Kategorie
Autor:innen
Jahr

Nothilfe, Ausfallentschädigung, Kredite…

Was passiert mit den 280 Millionen Franken, die der Bund im März für die corona-geplagte Kultur versprochen hat? Am Montag hat das Bundesamt für Kultur die Massnahmen präzisiert, ab sofort können Gesuche eingereicht werden.
Von  Peter Surber , 
Überbrücken, bis die Türen wieder aufgehen – die St.Galler Grabenhalle.

25 Millionen Franken für Nothilfe für Kulturschaffende. 100 Millionen für nicht gewinnorientierte Kulturinstitutionen. 145 Millionen für Ausfallentschädigungen. 10 Millionen für den Laienbereich. Die Zahlen scheinen imposant, und sie sind befristet: auf zwei Monate. Bis zum 21. Mai müssen Gesuche für einen oder mehreren dieser Unterstützungsfonds eingereicht werden.

Oder besser noch: bis 30. April. Das sagte Katrin Meier, die Leiterin des St.Galler Amts für Kultur, am Montag abend im digitalen Forum, das die IG Kultur Ost zum Thema Kultur und Corona organisiert hatte. Anfang Mai nämlich wollen Bund und Kantone zusammen mit den Kulturverbänden eine erste Bilanz ziehen und entscheiden, ob weitere Hilfsmassnahmen nötig sind. Je mehr Betroffene bis dann ihr Gesuch eingereicht hätten, umso klarer werde das Bild sein.

Die wichtigsten Instrumente, Nothilfe, Ausfallentschädigungen und rückzahlbare Kredite, schliessen sich dabei nicht gegenseitig aus. Mit anderen Worten: Wer wegen ausgefallenenen Auftritten oder geschlossenen Institutionen seine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, kann Nothilfe beantragen, aber auch Ausfallentschädigungen geltend machen. Die vollständigen Informationen des Bundes zur Covid-Verordnung Kultur sind hier zu finden.

Nothilfe

Für Hilfe an Einzelpersonen ist die Dachorganisation Suisse culture zuständig. Kulturschaffende, die aufgrund der Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus in eine wirtschaftliche Notlage geraten sind, in der sie ihre unmittelbaren Lebenskosten nicht mehr decken können, können über das Portal nothilfe.suisseculturesociale.ch ein Gesuch um Nothilfe stellen.

Gesuche können ausschliesslich über das Online-Formular angenommen werden. Voraussetzung für das Einreichen eines Gesuches um Nothilfe bei Suisseculture Sociale ist, dass auch ein Gesuch um Erwerbsausfall (EO-Entschädigung) bei der kantonalen SVA gestellt wird. Die Hilfe soll Kulturschaffenden aller Art, aber auch Technikerinnen, Kulturvermittlern und sonstigen kulturnahen Berufen zugute kommen.

Ausfallentschädigungen

Für Schaden, der durch nicht stattfindende Veranstaltungen entstanden ist, kann eine Ausfallentschädigung bei den Kulturämtern der Kantone angemeldet werden. Die Informationen und die Gesuchsformulare sind für den Kanton St.Gallen hier zu finden, der Thurgau kündigt sie für Mittwoch an, Informationen hier. Massgeblich ist der Wohnsitzkanton für Kulturschaffende beziehungsweise der Standort für Institutionen.

Ob Musiker A seine ausgefallene Gage persönlich anmeldet oder Veranstalter B den Ausfall für A’s Gage in Rechnung stellt, sei Sache gegenseitiger Abmachungen oder bestehender Verträge, sagte Katrin Meier im Forum der IG Kultur Ost. Die Frist für Ausfälle gilt bis zum 31. August, also über die zwei Monate hinaus, in denen man das Gesuch stellen kann.

Ausfallentschädigung und Nothilfe schliessen sich nicht aus. Noch nicht restlos geklärt ist hingegen die Lage, wenn Veranstaltungen nicht ganz abgesagt, sondern verschoben werden. Finanzielle Einbussen gebe es auch in dieser Situation, wurde am Forum mehrfach betont.

Zinslose Darlehen

Für Kulturinstitutionen, ob gewinnorientiert oder nicht, besteht zudem die Möglichkeit, ein zinsloses Darlehen zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen zu beantragen. Auch dafür sind die Kulturämter der Kantone zuständig. Diese haben zudem versprochen, bereits zugesagte Lotteriefondsbeiträge und Defizitgarantien an Projekte auszuzahlen, auch wenn der Anlass nicht wie geplant stattfinden konnte.

Schliesslich können Kulturbetriebe auch Kurzarbeit beantragen.

Forderung nach längerfristigen Lösungen

So umfangreich die aktuellen Hilfsmassnahmen auf den ersten Blick scheinen – beim Kanton St.Gallen stehen aus Kantons- und Bundesgeldern allein für Kredite und Ausfallentschädigungen im Kulturbereich rund 18 Millionen Franken zur Verfügung: Ob das Geld reicht, wisse zur Stunde niemand, sagte Katrin Meier.

Und fraglich seien auch die längerfristigen Perspektiven, ergänzte Etrit Hasler, Slam Poet und Vertreter von Suisseculture sociale. Die Coronakrise zeige auch denen, die bisher nichts davon wissen wollten, auf, wie prekär vielerorts im Kulturbereich die Anstellungs- oder Vertragsverhältnisse seien und wie viele Kulturschaffende weder über genügende Sozialversicherungen noch über eine zweite Säule verfügten. Diese Diskussion müsse nach Corona politisch geführt werden, forderte Hasler.

Auch Josef Felix Müller, Künstler und Verleger, mahnte den Blick auf eine längerfristige Perspektive an. Ausserdem müsse die Kulturszene solidarisch dafür einstehen, dass nicht jene die Leidtragenden seien, die sich nicht getrauten oder zutrauten, Hilfe einzufordern.

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
DSC02202 Kopie

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
3 F1 A4812 web

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
IMG 5751

Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
Volksbad rene hornung 1

Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
2609 Staetevergleich DSC 6589

Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
7228 dsc00923

Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
1000229093

Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
3 gewerbemuseum winterthur next relations leon ehrmann matthis plaga 300dpi a5 1

Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
IMG 0333
Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
Humanhuman 2026 calexandrakochdevos lowres 2