Die Coronakrise bringt viele an den Rand der Existenz. Grosse und kleine Unternehmen, Selbständigerwerbende, Angestellte im Stundenlohn und auch viele Kulturschaffende. Um das möglichst zu verhindern, schiessen jetzt überall Crowdfundings aus dem virtuellen Boden. Das ist ein schönes Zeichen, die Solidarität feiert gerade Hochzeit.
Trotzdem ist es der falsche Weg. Um das gleich klarzustellen: Es ist toll zu sehen, wie die Solidarität spielt, wie sich die Leute selber und gegenseitig helfen. Junge gehen für Ältere einkaufen, Radios pushen Schweizer Musik, artfilm.ch öffnet sein Archiv, andere ihre Instrumentenkoffer und Balkone, das Kinok veranstaltet ein Pantoffel-Kinok, Spirituosenhersteller satteln um auf die Herstellung von Desinfektionsmittel. Die Liste ist schier unendlich.
Aber Crowdfundings sind keine gute Idee. Weil die Crowd nicht ewig funden kann. Schon gar nicht, wenn viele der geneigten Spenderinnen und Spender selber finanzielle Einbussen in Kauf nehmen müssen zur Bewältigung dieser Krise.
Verluste dürfen nicht sozialisiert werden, solange die Gewinne noch privatisiert werden. Es darf nicht sein, dass die «kleinen Leute» jetzt landauf landab irgendwelche Clubs und Kleinunternehmen aus dem eigenen Sack retten müssen. (Bei Roger Federer und anderen Top-Verdienern machen wir eine Ausnahme.)
Der Bund hat ein noch nie dagewesenes, milliardenschweres Hilfspaket geschnürt und allerhand ergänzende Massnahmen getroffen, um die Wirtschaft zu retten, zu der auch die Kulturindustrie gehört. Und dabei einen Teil der Verantwortung an die Banken delegiert. Diese haben schnelle Kredite zugesagt – nicht aus purer Nächstenliebe versteht sich, denn sie werden letztlich von den neuen Schulden der Unternehmen profitieren.
Statt dass jetzt alle ihr Süppchen kochen und den eigenen Laden mit Crowdfundings zu retten versuchen, sollten wir jetzt besser zusammenstehen und dem Bund, den Kantonen und Banken genau auf die Finger schauen. Sie haben der Gesellschaft ein Versprechen gegeben, das gilt es einzufordern. Und wenn jemand vergessen geht, hilft dagegen kein Crowdfunding, sondern Dialog und wenn nötig Protest.
Es ist wichtig, dass wir jetzt niemanden zurücklassen. Darum gibt es genau zwei Dinge, für die mensch jetzt crowdfunden kann und muss, sofern der eigene Kontostand das zulässt: die Menschen an Europas Grenzen und jene Menschen, die schon in der Schweiz sind, aber unter unwürdigen Umständen untergebracht und dem Virus fast schutzlos ausgeliefert sind.
Da muss man auch nicht bei Null beginnen, sondern kann zum Beispiel der IG Sans-Papiers oder der St.Galler Hilfsorganisation Aid hoc etwas zugute kommen lassen, die sich in Lesbos für Geflüchtete einsetzt.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.
Die Welt ist in stetem Wandel. Und manche Veränderungen sind irreversibel – Gletscher schmelzen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Die Ausstellung «Flimmern» widmet sich der Bewusstwerdung dieses Wandels – und dem Schmerz, den er auslöst.
Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.