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Himmelsstürmend und ohrenbefreiend

Der St.Galler Komponist Charles Uzor (Bild: pd/ Michel Canonica)

Der St.Galler Komponist Charles Uzor (Bild: pd/ Michel Canonica)

Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.

Die Stim­men rei­ben sich, tür­men sich zu küh­nen Clus­tern auf, in Halb­tö­nen, manch­mal auch in Drit­tel­tö­nen, für Lai­en­oh­ren kaum zu iden­ti­fi­zie­ren, mit ge­wal­ti­gen Sprün­gen, ab­grund­tie­fen und him­mels­stür­men­den Ak­kor­den. Die Vo­ka­le gleis­sen, die Dis­so­nan­zen flim­mern, schim­mern, schil­lern… Man sucht et­was hilf­los nach Wör­tern, die den Klän­gen ei­ni­ger­mas­sen die Stan­ge hal­ten kön­nen.

Ein Er­eig­nis ist die Stimm­kunst der sechs Sän­ger:in­nen aus New York: Char­lot­te Mun­dy, Eli­sa Su­t­her­land, Ti­mo­thy Par­sons, To­mas Cruz, Ste­ven Hrycel­ak so­wie Jef­frey Ga­vett, der das En­sem­ble auch mit lo­cke­rer Hand durch al­le rhyth­mi­schen Klip­pen hin­durch di­ri­giert. Eben­so ge­las­sen be­we­gen sich die Sän­ger:in­nen in der dün­nen Luft der Dis­so­nan­zen, ge­le­gent­lich die Stimm­ga­bel zur Hand, aber schein­bar un­be­ein­druckt von al­len Ver­trackt­hei­ten der Par­ti­tur. 

Ober­ton­reich, vi­bra­t­ofrei und glas­klar sind die Stim­men ge­führt, öff­nen im­mer neue un­er­hör­te Klang­räu­me und put­zen un­se­re Oh­ren und Hör­gän­ge durch, je län­ger wir uns in die­se von al­len Schla­cken und Schlen­kern be­frei­te, ge­wis­ser­mas­sen rei­ne Klang­welt hin­ein­zie­hen las­sen.

Die Mau­er des Schei­terns

Die Kom­po­si­ti­on The Gre­at Wall. A La­by­rinth, 2023/24 im Auf­trag von Ek­me­les ge­schrie­ben und ur­auf­ge­führt, gibt den Stim­men al­len Raum, meist im Sex­tett, sel­ten in klei­ne­rer Be­set­zung oder so­lis­tisch. Die sieb­te Stim­me hat das Ton­band. Rum­peln­de Ar­beits­ge­räu­sche und von weit­her hal­len­de Glo­cken- oder Gongklän­ge we­cken Bil­der vom Mau­er­bau, dar­über sind Sprech­tex­te in Eng­lisch, Deutsch, Fran­zö­sisch und Man­da­rin ge­legt.

Das  New Yorker Vokalensemble Ekmeles (Bild: pd/Bill Wadman)

Das  New Yorker Vokalensemble Ekmeles (Bild: pd/Bill Wadman)

Im Zen­trum: Franz Kaf­kas ver­stö­ren­de Er­zäh­lun­gen Beim Bau der Chi­ne­si­schen Mau­er und Ei­ne kai­ser­li­che Bot­schaftso­wie das Lang­ge­dicht Wild Grass des chi­ne­si­schen Kaf­ka-Zeit­ge­nos­sen Lu Xun. Die Mau­er ist dar­in ein «Sinn­bild von Xe­no­pho­bie und Un­ter­wer­fungs­me­cha­nis­men», wie der Kom­po­nist schreibt, aber auch bei­spiel­haft für de­ren Schei­tern: Kaf­kas Mau­er ist nie fer­tig, vol­ler Lü­cken und da­mit «selbst in fort­wäh­ren­der Ge­fahr». 

Auch bei Lu Xun ist die Ge­fähr­dung all­ge­gen­wär­tig. Aber da­ne­ben gibt es be­rü­cken­de Na­tur­bil­der, vom Kom­po­nis­ten bei­nah lied­haft um­ge­setzt, was bei al­ler Dis­so­nanz ei­ne Stim­mung von at­men­der Schön­heit schafft, ei­ner Schön­heit hö­he­rer Ord­nung, weit ent­fernt von dem, was un­se­re Ro­man­tik-ge­präg­ten Oh­ren als har­mo­nisch zu emp­fin­den ge­wohnt sind.

15. trifft 21. Jahr­hun­dert

Das rückt Uz­ors Kom­po­si­ti­on in die Nä­he des mehr als 500 Jah­re vor­her kom­po­nie­ren­den Jo­han­nes Ockeg­hem. Aus­zü­ge aus des­sen Re­qui­em-Ver­to­nung er­öff­nen die ein­zel­nen Ab­schnit­te der Gre­at Wall. Alt und neu ver­schrän­ken sich, die heu­te ar­cha­isch an­mu­ten­den Quint- und Se­kund­rei­bun­gen der frü­hen Po­ly­pho­nie schwin­gen sich bei­nah selbst­ver­ständ­lich ein in den Klang­kos­mos des 21. Jahr­hun­derts.  

Uz­ors mu­si­ka­li­sches «La­by­rinth», vom jun­gen Kul­tur­ver­ein «Auf dem Stein Per­for­man­ces» or­ga­ni­siert, schlägt das Pu­bli­kum in Tro­gen spür­bar in Bann. Und be­weist, dass zeit­ge­nös­si­sche Klas­sik trotz ho­her Kom­ple­xi­tät nicht aus­schlies­send sein muss, son­dern dass sich im Ge­gen­teil – wie in der ti­tel­ge­ben­den Mau­er – ver­schüt­te­te oder noch un­ent­deck­te Zu­gän­ge zum Hö­ren er­öff­nen kön­nen. Zu­min­dest dann, wenn so über­ra­gen­de Mu­si­ker:in­nen wie je­ne des New Yor­ker En­sem­bles Ek­me­les am Werk sind.

uz­or.ch
auf­dem­stein­per­for­man­ces.ch

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
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Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0505 max

Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43

Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57

Heppelers Bestiarium

100 Jah­re Ein­sam­keit

Von Jeremias Heppeler,

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
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Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
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Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
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Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
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