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Maschinenintelligenz trifft den Ton, aber nicht die Musik

Moderator Jean-Daniel Strub, Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz und Cellist Martin Zeller (von links nach rechts) an den Appenzeller Bachtagen. (Bild: pd)

Moderator Jean-Daniel Strub, Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz und Cellist Martin Zeller (von links nach rechts) an den Appenzeller Bachtagen. (Bild: pd)

An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch. 

Zu­nächst klingt al­les ver­traut und har­mo­nisch. Ei­ne ba­ro­cke Ton­fol­ge auf dem Vio­lon­cel­lo, die ei­gent­lich ganz schön nach Jo­hann Se­bas­ti­an Bach klingt. Doch stammt sie tat­säch­lich vom gros­sen Meis­ter der Ba­rock­zeit – oder wur­de sie von ei­ner künst­li­chen In­tel­li­genz kom­po­niert? 

Im Zeug­haus Teu­fen kom­bi­niert der Cel­list Mar­tin Zel­ler, Mit­glied des Kam­mer­or­ches­ters Ba­sel und der J.S. Bach-Stif­tung, Ori­gi­nal­pas­sa­gen aus Bachs zwei­ter Cel­lo­suite mit Tei­len, die ei­ne künst­li­che In­tel­li­genz er­zeugt hat­te. Das Pu­bli­kum soll er­ra­ten, wann die Ma­schi­ne ins Spiel kommt. Für mich als Lai­en be­züg­lich Bach ist der Un­ter­schied kaum zu er­ken­nen. 

Mar­tin Zel­ler hat­te die KI an­ge­wie­sen, ein Prä­lu­di­um für Vio­lon­cel­lo so­lo im Drei­vier­tel­takt zu kom­po­nie­ren, ähn­lich dem Prä­lu­di­um aus Bachs zwei­ter Cel­lo­suite. «Ein Stück von Bach könn­te tat­säch­lich so be­gin­nen», sagt der Cel­list. Doch bei Bach ge­sche­he da­nach et­was: Ein Mo­tiv wür­de auf­ge­nom­men, ver­än­dert und wei­ter­ge­führt. Die Mu­sik er­zäh­le ei­ne Ge­schich­te.

Ge­nau das ver­misst Zel­ler in der ma­schi­nell er­zeug­ten Kom­po­si­ti­on. Bei Bach ha­be man häu­fig das Ge­fühl, die Mu­sik fol­ge ei­ner zwin­gen­den Ge­setz­mäs­sig­keit: «Das muss so sein.» Und wenn sie un­er­war­tet wei­ter­ge­he, er­schei­ne auch die­se Wen­dung rich­tig. In der Mu­sik der KI klin­ge das Un­er­war­te­te da­ge­gen ziem­lich un­mo­ti­viert.

Ma­schi­nel­les Ler­nen mit Stol­per­fal­len

Im Rah­men der Ap­pen­zel­ler Bach­ta­ge dis­ku­tier­te die deut­sche Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz am Frei­tag un­ter dem Ti­tel «Kann KI auch Krea­ti­vi­tät?» mit Mo­de­ra­tor Jean-Da­ni­el Strub über Kunst, Ma­schi­nen und die Fra­ge, was wir ei­gent­lich mei­nen, wenn wir von Krea­ti­vi­tät spre­chen. Bunz ist Pro­fes­so­rin für Di­gi­ta­le Kul­tur und Ge­sell­schaft am King’s Col­lege Lon­don und Mit­be­grün­de­rin des Crea­ti­ve AI Lab, das ge­mein­sam mit der Lon­do­ner Ser­pen­ti­ne Gal­lery ge­grün­det wur­de. 

Das mu­si­ka­li­sche Ex­pe­ri­ment führ­te mit­ten hin­ein in die Fra­ge, ob sich Krea­ti­vi­tät al­lein aus Re­geln und Mus­tern ab­lei­ten lässt. Bach gilt als Meis­ter mu­si­ka­li­scher Ord­nung. Be­son­ders sei­ne Fu­gen fol­gen stren­gen kom­po­si­to­ri­schen Prin­zi­pi­en. Müss­te ei­ne Ma­schi­ne, die Re­geln er­ken­nen und un­zäh­li­ge Wer­ke ana­ly­sie­ren kann, nicht ge­ra­de des­halb über­zeu­gen­de Mu­sik im Stil Bachs schrei­ben kön­nen?

So ein­fach sei es nicht, er­klärt Bunz. Man müs­se zwi­schen der al­ten al­go­rith­mi­schen Welt und dem neue­ren ma­schi­nel­len Ler­nen un­ter­schei­den. «Beim ma­schi­nel­len Ler­nen ha­ben wir es nicht mehr mit re­gel­ge­lei­te­tem Rech­nen zu tun, son­dern mit ei­nem hoch­di­men­sio­na­len Raum, den wir uns nicht vor­stel­len kön­nen.» Ein Prompt schi­cke die KI in ei­ne be­stimm­te Rich­tung. Die KI rech­ne dann al­les in Zah­len um – erst am En­de wer­de das Er­geb­nis für uns wie­der in les­ba­re Spra­che, Tö­ne oder eben in schlech­te Bach-Mu­sik zu­rück­über­setzt.

Das er­klärt, wes­halb ein kur­zer Aus­schnitt ver­blüf­fend über­zeu­gend klin­gen kann, wäh­rend ein län­ge­res Stück sei­nen Zu­sam­men­hang ver­liert. Je län­ger die Ma­schi­ne kom­po­nie­re, des­to deut­li­cher zei­ge sich, dass sie zwar den Stil ei­nes Kom­po­nis­ten oder ei­ner Kom­po­nis­tin nach­ah­men kön­ne, ihr aber häu­fig die über­ge­ord­ne­te Idee feh­le, so Bunz.

Die pro­duk­ti­ve Mit­tel­mäs­sig­keit

Ge­ne­ra­ti­ve KI kann in­zwi­schen in kur­zer Zeit tau­sen­de Cho­rä­le er­zeu­gen, die an Bach er­in­nern. Für Men­schen oh­ne ver­tief­te mu­si­ka­li­sche Kennt­nis­se dürf­ten vie­le da­von durch­aus echt klin­gen. Die Ma­schi­ne be­herr­sche ei­ne so­li­de Mit­tel­mäs­sig­keit – und ge­nau dar­in lie­ge ih­re wirt­schaft­li­che Spreng­kraft, sagt Bunz.

Jun­ge Mu­si­ker:in­nen, Kom­po­nist:in­nen, Ju­rist:in­nen oder Jour­na­list:in­nen be­gin­nen in den sel­tens­ten Fäl­len mit Meis­ter­wer­ken wie das Wun­der­kind Mo­zart. Nor­ma­ler­wei­se üben und schrei­ben jun­ge Men­schen Ge­brauchs­tex­te, kom­po­nie­ren Mu­sik für klei­ne­re Pro­duk­tio­nen und wer­den durch ste­ti­ge Übung im Lau­fe der Jah­re im­mer bes­ser. Die Krux: «Ge­nau dort, wo jun­ge Men­schen ihr Hand­werk ler­nen, über­nimmt nun zu­neh­mend die KI. Da­mit ver­schwin­det auch die öko­no­mi­sche Grund­la­ge, auf der sie sich wei­ter­ent­wi­ckeln kön­nen», stellt Bunz fest.

«Ge­nau dort, wo jun­ge Men­schen ihr Hand­werk ler­nen, über­nimmt nun zu­neh­mend die KI. Da­mit ver­schwin­det auch die öko­no­mi­sche Grund­la­ge, auf der sie sich wei­ter­ent­wi­ckeln kön­nen.»

Mercedes Bunz

Für ei­ne Fern­seh­se­rie ge­nügt mög­li­cher­wei­se Mu­sik, die ein we­nig nach Bach klingt. Für ei­ne kur­ze Me­di­en­mit­tei­lung reicht ein sprach­lich kor­rek­ter Text oh­ne über­ra­schen­den Ge­dan­ken. «Wie kom­men wir vom Lai­en zur hoch­spe­zia­li­sier­ten Per­son, wenn die­se Ar­bei­ten weg­fal­len?», fragt Bunz. Ei­ne ab­schlies­sen­de Ant­wort hat auch sie nicht.

Für sie ist dies ei­ne der be­deu­tends­ten Fra­gen der ge­gen­wär­ti­gen KI-Ent­wick­lung. Denn: Die Tech­no­lo­gie be­droht nicht un­be­dingt zu­erst die her­aus­ra­gen­den Mu­si­ker:in­nen oder die er­fah­rens­ten Fach­leu­te. Sie greift viel­mehr in je­ne Be­rei­che ein, in de­nen Men­schen ler­nen, Er­fah­run­gen sam­meln und lang­sam bes­ser wer­den sol­len.

Gleich­zei­tig warnt Bunz da­vor, je­de tech­no­lo­gi­sche Ver­än­de­rung als bei­spiel­lo­sen Bruch zu be­trach­ten. Auch frü­he­re Me­di­en hät­ten kul­tu­rel­le Be­ru­fe grund­le­gend ver­än­dert. Die Er­fin­dung der Schall­plat­te sei für die Mu­sik wahr­schein­lich ei­ne grös­se­re Wucht ge­we­sen als es die KI je sein wer­de, weil sie die Rol­le des Or­ches­ters auch öko­no­misch kom­plett ver­än­dert ha­be, be­teu­ert sie. «Wahr­schein­lich ge­hen die Men­schen ge­ra­de des­halb wie­der lie­ber an Kon­zer­te. Wenn al­les syn­the­tisch ist, wächst viel­leicht das Be­dürf­nis nach dem Ana­lo­gen, nach dem jahr­hun­der­te­al­ten In­stru­ment und sei­nem Klang.»

Krea­ti­vi­tät be­ginnt beim Nicht­wei­ter­wis­sen

Doch da Ma­schi­nen heu­te Mu­sik kom­po­nie­ren kön­nen – wenn auch eher durch­schnitt­li­che –  und uns das Übungs­feld strei­tig ma­chen, stellt sich um­so dring­li­cher die Fra­ge, was mensch­li­che Krea­ti­vi­tät ei­gent­lich aus­macht. Was un­ter­schei­det uns von ei­ner Ma­schi­ne? «Für mich ist Krea­ti­vi­tät die­ser Mo­ment, in dem man nicht mehr wei­ter weiss oder die Lö­sung nicht fin­det. Man war­tet, ver­zwei­felt ein biss­chen und weiss dann plötz­lich doch, in wel­che Rich­tung man wei­ter­ar­bei­ten muss. Die­ses tas­ten­de Ver­su­chen und das Nicht­fin­den set­zen vor­aus, dass man schon sehr viel aus­pro­biert hat.» Krea­ti­vi­tät ha­be des­halb sehr viel mit Wis­sen zu tun. Sie zei­ge sich dar­in, vor­han­de­ne Ele­men­te an­ders zu ver­bin­den, ei­ne Fra­ge neu zu stel­len oder ein Werk­zeug ent­ge­gen sei­ner vor­ge­se­he­nen Funk­ti­on zu ver­wen­den, es al­so zu ha­cken oder zu re­mi­xen.

Na­tür­lich kom­bi­nie­re auch ei­ne KI Din­ge, die auf die­se Wei­se mög­li­cher­wei­se noch nie mit­ein­an­der ver­bun­den wor­den sei­en, sagt Bunz. Rein rech­ne­risch kön­ne al­so durch­aus Neu­es er­zeugt wer­den. Die ent­schei­den­de Fra­ge lau­tet für Bunz nicht, ob ei­ne Ma­schi­ne grund­sätz­lich krea­tiv sein kann. In­ter­es­san­ter sei, wie Men­schen und Ma­schi­nen zu­sam­men­ar­bei­ten – und wer da­bei die Rich­tung vor­gibt.

Das Crea­ti­ve AI Lab bringt For­schen­de und Kunst­schaf­fen­de zu­sam­men, um die krea­ti­ven Mög­lich­kei­ten, ge­sell­schaft­li­chen Fol­gen und Gren­zen künst­li­cher In­tel­li­genz zu un­ter­su­chen. Im Crea­ti­ve AI Lab be­schäf­ti­gen sich Kunst­schaf­fen­de des­halb nicht nur mit den per­fek­ten Er­geb­nis­sen der Tech­no­lo­gie, son­dern ge­ra­de auch mit ih­ren Feh­lern, er­klärt Bunz. «Bei der Glitch Art in­ter­es­siert man sich nicht da­für, wie ein In­stru­ment rich­tig funk­tio­niert, son­dern für den Mo­ment, in dem es nicht funk­tio­niert. Tat­säch­lich ler­nen wir auch in der For­schung am meis­ten über KI, wenn wir uns an­schau­en, wo sie nicht rich­tig funk­tio­niert und war­um.»

Wir ar­bei­ten be­reits für die Ma­schi­nen

Die frei­wil­li­ge Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Mensch und Ma­schi­ne, in der der Mensch die Rich­tung vor­gibt, ist der Ide­al­fall. Doch die un­frei­wil­li­ge Zu­sam­men­ar­beit sei lei­der eben­falls be­reits Rea­li­tät, sagt Bunz. Wenn Men­schen ei­nem Chat­bot In­for­ma­tio­nen mehr­fach mit­tei­len, Fo­tos so auf­neh­men müs­sen, dass ei­ne Ma­schi­ne sie er­ken­nen kann, oder die Ant­wor­ten ei­nes Sys­tems kor­ri­gie­ren, ar­bei­te­ten sie be­reits für die KI.  

Gleich­zei­tig wer­de in den Me­di­en oder an Schu­len der Um­gang mit sol­chen Sys­te­men kaum er­klärt. «Künst­lich in­tel­li­gen­te Sys­te­me sind plötz­lich über­all, und es wird ein­fach da­von aus­ge­gan­gen: Das kön­nen jetzt al­le, al­le wis­sen, was die KI will. Da­bei sind wir ein Stück weit die Test­ob­jek­te.»

Bei der Auf­klä­rung dar­über, was KI sei und wie sie funk­tio­nie­re, kön­ne Kunst hel­fen, die Tech­no­lo­gie zu öff­nen und ver­ständ­lich zu ma­chen, sagt Bunz. Kunst müs­se KI nicht bloss als neu­es Pro­duk­ti­ons­mit­tel ver­wen­den. In­ter­es­san­ter sei vor al­lem auf­zu­zei­gen, wel­che Da­ten in den Sys­te­men steck­ten, wel­che Per­spek­ti­ven fehl­ten und wel­che In­ter­es­sen ih­re Ent­wick­lung be­stimm­ten.

Bunz spricht in die­sem Zu­sam­men­hang von fünf Ei­gen­schaf­ten ei­ner krea­ti­ven KI-Pra­xis: Sie sol­le krea­tiv, kri­tisch, kon­struk­tiv, kol­la­bo­ra­tiv und «com­pu­ta­tio­nal», al­so rech­ne­risch an der tech­ni­schen Funk­ti­ons­wei­se in­ter­es­siert sein. Ein au­to­ma­tisch er­zeug­tes Bild al­lein rei­che nicht aus. Ent­schei­dend sei die be­wuss­te Aus­ein­an­der­set­zung mit dem In­stru­ment – ähn­lich wie in der Mu­sik. Wer ein In­stru­ment über­zeu­gend spie­len wol­le, müs­se wis­sen, wie es re­agiert, wo sei­ne Mög­lich­kei­ten lie­gen und wo es auf­hört, gut zu klin­gen.

Wem ge­hört die di­gi­ta­le Kul­tur?

Hin­ter der Krea­ti­vi­täts­fra­ge ver­birgt sich aber auch ei­ne po­li­ti­sche Fra­ge: Wer be­sitzt die Da­ten und Sys­te­me, aus de­nen die künf­ti­ge Kul­tur ent­steht? «Uns fehlt ein nicht-kom­mer­zi­el­ler Zu­griff auf di­gi­ta­le Tech­no­lo­gien. Seit Be­ginn der Di­gi­ta­li­sie­rung wur­de sie sehr stark in ei­ne öko­no­mi­sche Rich­tung ge­scho­ben. Bü­cher zu di­gi­ta­li­sie­ren – da­für hat der Staat kein Geld be­reit­ge­stellt, al­so hat man es Goog­le über­las­sen.» Goog­le ha­be sich da­mit das Recht er­kauft, die­se Da­ten über Jah­re al­lein nut­zen zu dür­fen. Das sei hoch­pro­ble­ma­tisch, er­klärt die Kul­tur­wis­sen­schaft­le­rin.

Denn die­se Da­ten sei­en nicht nur Roh­stoff für Wer­bung und kom­mer­zi­el­le Diens­te. Sie sei­en Teil des kul­tu­rel­len Ge­dächt­nis­ses. Wenn Sprach­mo­del­le künf­tig im­mer stär­ker be­stim­men, wel­ches Wis­sen zu­gäng­lich ist, müs­sen auch klei­ne­re Kul­tu­ren und Spra­chen in ih­ren Da­ten­sät­zen vor­kom­men.

Mercedes Bunz (Bild: pbu) 

Mercedes Bunz (Bild: pbu) 

Die Schweiz als viel­spra­chi­ges Land ist von die­ser Ent­wick­lung be­son­ders be­trof­fen. Schwei­zer­deutsch, Rä­to­ro­ma­nisch und re­gio­na­le kul­tu­rel­le Ei­gen­hei­ten sind ge­gen­über der Mas­se hoch­deut­scher und ins­be­son­de­re eng­lisch­spra­chi­ger In­hal­te struk­tu­rell be­nach­tei­ligt. Wer­den KI-Mo­del­le im­mer häu­fi­ger zum Schrei­ben, Über­set­zen, Su­chen und Kom­mu­ni­zie­ren ein­ge­setzt, be­vor­zu­gen sie au­to­ma­tisch die sprach­li­chen Mus­ter, die sie am bes­ten ken­nen, al­so Hoch­deutsch und Eng­lisch. We­ni­ger ver­brei­te­te Aus­drucks­wei­sen, Dia­lek­te und kul­tu­rel­le Ei­gen­hei­ten könn­ten da­durch sel­te­ner ver­wen­det und lang­fris­tig ver­drängt wer­den.

Die For­de­rung nach ei­ner «Pu­blic AI»

Wis­sen­schaft­ler:in­nen wie Bunz plä­die­ren des­halb für ei­ne «Pu­blic AI»: Sys­te­me al­so, die nicht ein­zel­nen Un­ter­neh­men ge­hö­ren, son­dern im Dienst der Öf­fent­lich­keit ste­hen – ver­gleich­bar mit öf­fent­lich-recht­li­chen Me­di­en. Die Schweiz sieht sie da­bei in ei­ner gu­ten Aus­gangs­la­ge. 

Ei­nen Vor­stoss in die­se Rich­tung macht der­zeit bei­spiels­wei­se die SRG. Sie plant in Zu­sam­men­ar­beit mit der ETH, ihr um­fang­rei­ches Ra­dio- und Fern­seh­ar­chiv von SRF für das Trai­ning des of­fe­nen Schwei­zer KI-Mo­dells Aper­tus zur Ver­fü­gung zu stel­len.

Doch so wich­tig sol­che ge­mein­wohl­ori­en­tier­ten Pro­jek­te sind, so we­nig müs­se je­de kul­tu­rel­le In­sti­tu­ti­on der KI hin­ter­her­lau­fen, be­tont Bunz. Auf Strubs Fra­ge, wie sich Kon­zert­häu­ser, Mu­se­en, Mu­sik­schu­len oder die Bach-Stif­tung auf die Tech­no­lo­gie vor­be­rei­ten soll­ten, ant­wor­tet sie zu­rück­hal­tend: KI kön­ne neue For­men der Ver­mitt­lung er­mög­li­chen, doch im Zen­trum ste­he wei­ter­hin et­was, das kei­ne Ma­schi­ne er­set­zen kön­ne: «Men­schen kom­men zu­sam­men, um ge­mein­sam Mu­sik zu hö­ren.»

Die Ma­schi­ne soll­te als In­stru­ment der Zu­sam­men­ar­beit ver­stan­den wer­den, nicht als neu­es Su­per­ge­nie, aber auch nicht als das ge­fürch­te­te Bö­se, das die mensch­li­che Krea­ti­vi­tät aus­ra­diert. Sie ist ein mäch­ti­ges, von Da­ten und wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen ge­präg­tes In­stru­ment. Ent­schei­dend bleibt, wer es kon­trol­liert, wo­für es ein­ge­setzt wird und wel­che Fä­hig­kei­ten wir ihm nicht über­las­sen wol­len.

Viel­leicht be­ginnt ein nüch­ter­ne­rer Um­gang mit der Ma­schi­ne be­reits bei der Be­zeich­nung. «Der Be­griff künst­li­che In­tel­li­genz ist falsch, weil es ei­gent­lich kei­ne mensch­li­che In­tel­li­genz ist», sagt Bunz. «Es ist ei­ne Ma­schi­nen­in­tel­li­genz.» Und die­se funk­tio­nie­re grund­le­gend an­ders als das mensch­li­che Den­ken.

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2

Ei­ne Por­ti­on Kunst

Im Kunst Kon­tor Ror­schach lud der Künst­ler Fe­lix Stöck­le zu ei­nem Din­ner, ei­ner Aus­stel­lung, ei­nem Hap­pe­ning – zwi­schen Fi­ne Di­ning, Ke­ra­mik, pop­kul­tu­rel­len Re­fe­ren­zen und der al­ten Idee ei­nes ge­teil­ten Ti­sches.

Von  Veronika Fischer
Kunstkontor dinner felix stoeckle 1

Hür­de um Hür­de

Nach zehn Jah­ren in der Schweiz woll­te sich Sa­mi­ra Ra­him mit ih­rer Fa­mi­lie ein­bür­gern las­sen. Die zahl­rei­chen bü­ro­kra­ti­schen Hin­der­nis­se und die ho­hen Kos­ten brach­ten die Fa­mi­lie zeit­wei­se fast da­zu, auf­zu­ge­ben.

Von  Andi Giger
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Raum­pla­nung als He­bel ge­gen die Woh­nungs­kri­se

Ber­lin­gen hat ei­ne neue Me­tho­de der In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­wi­ckelt: ei­ne Ana­ly­se des Orts­bilds als Grund­la­ge, um die wert­vol­le Bau­kul­tur zu er­hal­ten und gleich­zei­tig die In­nen­ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen. Nun steht die Ver­an­ke­rung in der Orts­pla­nung an.

Von  Rahel Lämmler
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Nach dem Rück­tritt von Pe­ter Jans: Das Ren­nen um den va­kan­ten Stadt­rats­sitz ist er­öff­net

SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

Von  Reto Voneschen
Offizielles bild stadtrat 2021 Bild PD Ueli Steinbgruber

Ein Tau­mel von Grün

Im Bo­ta­ni­schen Gar­ten St.Gal­len geht es ab nächs­ten Sams­tag wun­der­sam zu und her: Künst­ler:in­nen aus ver­schie­de­nen Spar­ten la­den zum sze­ni­schen Rund­gang un­ter dem Ti­tel In der Däm­me­rung wächst ein Flüs­tern. Ein Pro­ben­be­such.

Von  Peter Surber
Daemmerung Prates de Matos 4

In den Wald hin­ein

Der Dra­ma­ti­ker An­dre­as Sau­ter liest am 27. Au­gust im Li­te­ra­tur­haus Thur­gau aus sei­nem un­fer­ti­gen Ma­nu­skript Ein­bruch der Wild­nis. Im Zen­trum des Werks steht die Fra­ge, was es für ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Wan­del braucht.

Von  Vera Zatti
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«Ich bin mir voll­kom­men fremd, wenn ich nicht schrei­be»

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Von  Eva Bachmann
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Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
El hidaje rundgang david gadze

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Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
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Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

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FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

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Von  SENF Kollektiv
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Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
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Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi

FC St.Gal­len vs. FC Lu­zern 2:2 – Im­mer­hin ein Punkt

Ge­gen die­ses Lu­zern müss­te der FC St.Gal­len ei­gent­lich drei Punk­te ein­fah­ren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es im­mer­hin ei­ner wird. Der Aus­gleich ge­lingt erst weit in der Nach­spiel­zeit per Pe­nal­ty. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf