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In den Wald hinein

Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.

Im unfertigen Manuskript von Andreas Sauter zieht es die Menschen in den Wald (Bild: vez)

Im unfertigen Manuskript von Andreas Sauter zieht es die Menschen in den Wald (Bild: vez)

Ei­ne Im­mo­bi­li­en­mak­le­rin bricht auf. Lässt al­les zu­rück und ent­schwin­det im Wald. Ein selt­sa­mes Phä­no­men hat sie er­fasst. Un­nach­gie­big scheint sie ein in­ne­rer Drang in die Wild­nis zu lo­cken. An­ge­zo­gen wie die Mot­te vom Licht. So die Kurz­fas­sung von Ein­bruch der Wild­nis von An­dre­as Sau­ter, frei­schaf­fen­der Au­tor und Re­gis­seur für Hör­spiel und Thea­ter. 

Am 27. Au­gust liest er im Li­te­ra­tur­haus Thur­gau in Gott­lie­ben aus sei­nem noch un­fer­ti­gen Ma­nu­skript. «Seit rund drei Jah­ren ar­bei­te ich im­mer wie­der dar­an», schreibt der in Ber­lin le­ben­de Dra­ma­ti­ker auf An­fra­ge von Sai­ten. Vor ei­ni­gen Jah­ren wur­de be­reits ein kur­zer Aus­schnitt die­ses Werks auf der Büh­ne in­sze­niert. Die Form der Le­sung sei al­ler­dings Pre­mie­re.

Im De­zem­ber 2025 er­hielt Sau­ter, 1974 in Zü­rich ge­bo­ren und mit Wur­zeln im Thur­gau, das Li­te­ra­tur­sti­pen­di­um des Bod­man­hau­ses. Die­ses um­fasst ein Sti­pen­di­um so­wie freie Un­ter­kunft in der haus­ei­ge­nen Ate­lier­woh­nung. Sau­ter nutz­te die Res­sour­cen, um an Ein­bruch der Wild­nis wei­ter­zu­ar­bei­ten. Fer­tig sei das Werk aber nicht, und auch die Form sei lan­ge of­fen ge­we­sen: «Ur­sprüng­lich war der Plan, dass es ein Thea­ter­stück wird. Aber wie es aus­sieht, wird es das nicht. Ich glau­be tat­säch­lich, ich schrei­be ge­ra­de mei­nen ers­ten Ro­man. Aber ich traue mich das noch gar nicht zu sa­gen», so Sau­ter mit ei­nem Au­gen­zwin­kern. 

Kri­se und Kol­laps

Über 20 Thea­ter­stü­cke und Hör­spie­le hat er bis da­to al­lei­ne oder als Co-Au­tor ge­schrie­ben, dar­un­ter auch für das Schwei­zer Ra­dio SRF. Den­noch: Ein Buch zu schrei­ben sei et­was an­de­res. Ei­ne Her­aus­for­de­rung, vor der er viel Re­spekt ha­be. «Ich dach­te im­mer: Gut, dann ma­che ich das jetzt ein­fach mal. Und se­he nun, dass ich das nicht eben ein­fach mal so ma­che.» Er hof­fe, mit Ein­bruch der Wild­nis «in cir­ca ei­nem Jahr fer­tig zu sein» – wo­bei er dann für die Ver­öf­fent­li­chung noch ei­nen Ver­lag be­nö­ti­ge.

Der Dramatiker Andreas Sauter (Bild: pd/ Doris Geml)

Der Dramatiker Andreas Sauter (Bild: pd/ Doris Geml)

Die Aus­ein­an­der­set­zung mit Mensch und Na­tur ist nichts Neu­es für den Au­tor. So setz­te er sich schon in sei­nem Thea­ter­stück Schwemm­holz mit der Kli­ma­kri­se aus­ein­an­der. Wo­bei die Kri­se da schon in den Kol­laps über­ge­gan­gen ist: Kurz vor dem Welt­un­ter­gang setzt das Stück ein. Die Prot­ago­nis­tin irrt durch die zer­stör­ten Land­stri­che, hängt Er­in­ne­run­gen nach und hofft, aus dem Alb­traum auf­zu­wa­chen. Dys­to­pisch? Ja, aber trotz al­ler Warn­zei­chen der Na­tur, zei­ge es, was wir noch ha­ben, er­klärt Sau­ter: «Und es zeigt, dass es sich lohnt, zu han­deln.»

Das Sys­tem spren­gen

Die­ses Han­deln oder viel­mehr das Nicht-Han­deln ist es, was An­dre­as Sau­ter be­son­ders um­treibt: «Das Ge­fühl, wir müss­ten doch end­lich viel, viel ra­di­ka­ler han­deln – und dann geht es nicht vor­an. Oder kaum.» Die­se Be­we­gungs­lo­sig­keit be­ob­ach­te er nicht nur in Be­zug auf die Kli­ma­kri­se. Ihm feh­le ge­ne­rell ei­ne Zu­kunfts­vi­si­on, «ei­ne Idee da­von, wie wir als Ge­sell­schaft künf­tig le­ben wol­len».

«Was wür­de ei­nen sol­chen Wan­del aus­lö­sen?», fragt sich Sau­ter: «Was, wenn es et­was gä­be, das uns zwin­gen wür­de, um­zu­den­ken, weil wir ein­fach nicht an­ders kön­nen? Was, wenn in uns et­was zu Wach­sen be­gän­ne, ei­ne Art Ur­kraft, ei­ne Art to­ta­le Ver­bun­den­heit mit der Na­tur, die sich so gut an­fühlt, dass ei­nen nichts zu­rück­hält, die­sem Drän­gen nach­zu­ge­hen?»

Aus die­sen Fra­gen form­te sich die Idee zu Ein­bruch der Wild­nis, wo eben die­ses in­ne­re Drän­gen, die­ses Phä­no­men, re­al wird. Und da, in die­sem un­fer­ti­gen Ma­nu­skript, er­greift es nicht nur die Im­mo­bi­li­en­mak­le­rin, son­dern mu­tiert zu ei­ner Kraft, die das ge­gen­wär­ti­ge Sys­tem sprengt und zum Ein­bruch der Wild­nis in die west­eu­ro­päi­sche Zi­vi­li­sa­ti­on führt.

Le­sung An­dre­as Sau­ter – Ein­bruch der Wild­nis: 27. Au­gust, 19.30 Uhr, Li­te­ra­tur­haus Thur­gau, Gott­lie­ben.

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

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2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

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Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

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2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

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Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

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Kolumne: Stimmrecht

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