Echte Lösungen für echte Probleme
Aus aktuellem Anlass: ein Gastkommentar von Wohnbaugenossenschafter Jacques Michel Conrad
Wir haben es kürzlich mit den Vorgängen rund um den FC St.Gallen erlebt: Es ist nicht egal, wem was gehört. Es ist nicht egal, wie die Eigentumsverhältnisse sind.
Es ist auch nicht egal, wem der Boden und die Häuser in der Schweiz gehören. 2025 haben die grossen Institutionellen 14 Milliarden Franken in die Hände genommen, um einzukaufen. Dieses Jahr sollen es sogar 20 Milliarden sein.
Das sind schwindelerregende Zahlen, und es wird so weitergehen: Immer mehr Kapital ringt um Boden. Auch ausländisches Kapital ist dabei. Und leider auch – man spricht nicht gerne darüber – Schwarzgeld. Ich höre wenige Stimmen, die fordern, dass es für dieses ausländische Kapital Zuwanderungsbeschränkungen geben soll.
Diese Entwicklungen sind preistreibend, auch für die Mieten. Ideal für die Stärkung des demokratischen Staatswesens wäre das kleinsegmentierte Eigentum. Nutzer:innen sollten eigentlich die Eigentümer:innen sein.
Der Trend geht in eine total andere Richtung: Der Mittelstand kann sich kaum noch Eigentum leisten. Bei vielen Familien machen die Wohnkosten mehr als 30 Prozent des Budgets aus. Nach Krankenkasse und Miete wirds bei vielen Leuten schon knapp.
Das führt zu Unzufriedenheit. Unzufriedene Gesellschaften suchen nach Sündenböcken. Unzufriedene Gesellschaften setzen auf falsche Lösungen, die einfach klingen, aber in der Realität versagen.
Es ist nicht egal, wem der Boden und die Häuser in der Schweiz gehören. Weil je nachdem, wem Boden und Häuser gehören, geht man anders um mit den Menschen. Geht man anders um mit den Bewohnenden. Geht man anders um mit der Umwelt. Geht man anders um mit dem Bestand, der schon da ist. Geht man anders um mit Handwerker:innen und Dienstleister:innen. Und geht man auch anders um mit dem Staat, den wir gemeinsam bilden, und seinen Aufgaben, die er für die Zukunft zu lösen hat.
Mein Wunsch wäre, dass möglichst viel Boden und Häuser uns allen gehören. Der Gemeinnutz soll im Zentrum stehen. Dieser kommt vor der Rendite. Eine kleine Rendite ist auch wichtig, aber das Geld soll im System bleiben.
Ich hätte gerne mehr Nutzen für mehr Menschen, mehr gutes Wohnen zu fairen Preisen. Also: mehr Mitglieder in den Genossenschaften, mehr Geld für ein gesundes Wachstum des gemeinnützigen Wohnens. Der gemeinnützige Wohnungsbau muss wachsen, zum Nutzen von noch mehr Menschen. Und wenn man das erreicht hat: einfach weitermachen, weitermachen, weitermachen!
Dieser Gastkommentar ist eine minim abgeänderte Niederschrift des Plädoyers, das Jacques Michel Conrad, 1956, an der Generalsversammlung der Wohnbaugenossenschaft St.Gallen (WBG SG) am 27. Mai gehalten hat – also noch vor der Abstimmung zur SVP-Chaosinitiative und inmitten der Chaostage, als der Aktionärsputsch beim FC St.Gallen gegen den populären Verwaltungsrat des Clubs öffentlich wurde. Conrad leitet die Geschäftsstelle der WBG und bis Ende April dieses Jahres auch jene des Regionalverbands Wohnbaugenossenschaften Ostschweiz.
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Die Ausstellung «Beyond the Manosphere. Masculinities today» im Kunstmuseum St.Gallen untersucht, wie Männlichkeit dargestellt, geprägt und gelebt wird. Und zeigt dabei auch ihre Widersprüchlichkeit.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.