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16 mal kantonale Förderung – auch für Historiker

Der Kanton St.Gallen vergibt zwölf Werkbeiträge und vier Stipendien für das Atelier in Rom - darunter erstmals drei in der neu geschaffenen Kategorie «Geschichte und Gedächtnis».
Von  Redaktion Saiten

Zwölf Kulturschaffende werden mit einem Werkbeitrag für die Umsetzung ihrer Vorhaben vom Kanton gefördert, vier werden je drei Monate in der St.Galler Atelierwohnung in Rom verbringen können. Dies teilt das St.Galler Amt für Kultur mit. Die Auszeichnungen sind das Ergebnis des zweistufigen Auswahlverfahrens, das die Fachjurys gemeinsam mit dem Amt für Kultur des Kantons St.Gallen durchgeführt haben.

Schwulengeschichte, Textilgeschichte, Arbeitergeschichte

Zum ersten Mal hat St.Gallen Werkbeiträge im Bereich «Geschichte und Gedächtnis» ausgeschrieben. Gefördert werden sollen Recherchen zu historischen, kulturwissenschaftlichen sowie aktuellen Themen. Die neue Sparte scheint eine Lücke zu füllen: 18 Bewerbungen sind eingegangen, zwei Vorhaben wurden für einen Werkbeitrag ausgewählt.

Einen der Beiträge erhält das Autorenduo René Hornung/Philipp Hofstetter für die Erforschung der Biografie von Jakob Rudolf Forster. Forster (1853-1926), Heiratsvermittler, Geldverleiher und Latwergeverkäufer, war «Urning». Er bekannte sich als einer der ersten in Europa offen zu seiner Homosexualität und trug seine Anliegen bis vor den Bundesrat und den Präsidenten der USA. Wegen seiner Unangepasstheit, seines unsteten Lebenswandels und seiner undurchsichtigen Geschäftsgebaren geriet Forster ins Visier der Behörden und war zeitweise in Haft, schliesslich wurde ihm die Auswanderung nahegelegt.

Das zweite Projekt beschäftigt sich mit dem Textildruck in St. Gallen 1750-1820 und dem Leinwandhandel um 1650 – zwei Gebieten, die zu den noch ungenügend erforschten Faktoren der Ostschweizer Textilgeschichte zählen. Ihr Autor ist Ernst Menolfi, der mehrere Thurgauer Ortsgeschichten verfasst hat und 2011 das Buch «Hauptwil-Gottshaus» herausbrachte, das die von der Gonzenbach-Dynastie geprägte lokale Entwicklung als ein Stück europäischer Industriegeschichte kenntlich machte.

Ein dritter Beitrag in der neuen Sparte geht an den jungen St.Galler Adrian Hanselmann. Er nutzt das Rom-Stipendium des Kantons zur Erforschung der Arbeiterbewegung «Potere Operaio», die in Turin und Rom aktiv war, bis sie von 68er-Studentenbewegung verdrängt wurde.

Rund 120 Bewerbungen

Folgende Personen erhalten neben den bereits Genannten einen Werkbeitrag: die Grafikerin Nina Paim in der Sparte Angewandte Kunst, die bildenden Künstler Asi Föcker, Jiajia Zhang und Anita Zimmermann; in der Sparte Literatur sind es Lisa Elsässer und Rudolph Jula, in der Musik Marc Jenny und Barblina Meierhans, in der Sparte Theater/Tanz schliesslich Lukas Bangerter und Evelyn Rigotti.

Einen Aufenthalt in Rom erhalten neben Hanselmann der Autor Bruno Pellandini, die Theatermacher Michèle Breu/Philipp Trauer und die Künstlerin Birgit Widmer.

Ingesamt haben sich in diesem Jahr 102 Personen für einen Werkbeitrag beworben, weitere 17 Personen gaben ein für einen Aufenthalt in der Atelierwohnung in Rom. Die Projektvorhaben und Bewerbungsdossiers wurden von sieben spartenspezifischen Fachjurys begutachtet. In einem zweiten Schritt bestimmten alle Fachjurys gemeinsam diejenigen Kunstschaffenden, die einen Werkbeitrag oder einen finanziellen Beitrag für einen Aufenthalt in der Römer Atelierwohnung erhalten. Die Wohnung selber wird als Folge einer der Sparübungen des Kantons seit 2015 und bis Ende 2018 durch den Verein «Freunde Kulturwohnung Rom» getragen.

 

Unterschiedliche Beitragshöhen

Eine weitere Neuerung gegenüber früheren Jahren ist die unterschiedliche Beitragshöhe von Fr. 10’000.-, Fr. 20’000.- oder Fr. 30’000.-, verbindlich beantragt durch die Bewerbenden selbst.

Die finanzielle Unterstützung durch Werkbeiträge soll den ausgewählten Kulturschaffenden den nötigen Freiraum geben und ermöglichen, ihre Ideen, Vorhaben und Werke auszuarbeiten sowie ihre künstlerische Tätigkeit insgesamt weiterzuentwickeln. Kriterien für die Auswahl sind, neben der grundlegenden Voraussetzung eines ausreichenden Bezugs zum Kanton St.Gallen, die Relevanz, die Ausstrahlung, die Eigenständigkeit sowie die Professionalität.

Die Einzelheiten zu den ausgezeichneten Projekten erfährt man an der Verleihung der Werkbeiträge und der Atelierstipendien. Sie findet am 8. Juni um 18.15 Uhr im Theater Parfin de Siècle in St.Gallen statt.

 

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