Die Stadt St.Gallen hat im Palace ihre Preise und Werkbeiträge vergeben. Der Abend zeigte, was fehlt, wenn die Preise wie nächstes Jahr weggespart werden.
Die Preisfeier im Palace ist wie stets gut besucht. Stadtpräsident Thomas Scheitlin nutzt die Stunde. Er lobt die Kulturschaffenden, hebt die hohe Wertschätzung hervor, die die Stadt ihnen entgegenbringe – immerhin ist der Stadtrat an diesem Dienstagabend in corpore versammelt – und unterstreicht ihren Beitrag für eine „lebendige und unverwechselbare“ Stadt.
Dann kommt Scheitlin aufs Sparen. Kaum fällt das unvermeidliche Wort – „den Gürtel enger schnallen“ -, fängt in den hinteren Reihen ein Kleinkind an zu weinen. Die Spardetails gehen im Kinderprotest unter – so dürfte dem Publikum entgangen sein, dass die Stadt zwar laut Scheitlin „bewusst im Budget 2014 keine Kürzung von bestehenden Subventionen vorgenommen“ hat, hingegen die „freien Mittel leicht reduziert“. Den Betrag – 80000 Franken – nennt Scheitlin nicht, ebensowenig die Tatsache, dass die Stadt künftig Förder- und Anerkennungspreise nur noch alle zwei Jahre vergeben wird, um damit nochmal 40000 Franken zu sparen (mehr dazu hier).
Tiefe Streicher in Hochform
Die Antwort auf das politische Streichkonzert kommt dennoch prompt und wieder von der Jugend: als Streicherkonzert. Das 14köpfige Cello-Ensemble des Vereins Megliodia, der einen der zwei Förderpreise erhält, spielt eine rhythmisch packende „Maschinenmusik“; neben Bogenstrich und Pizzicato stampfen die Jugendlichen auch mal kräftig auf die Bühnenbretter.
Mit Megliodia haben die Flötistin Annina Stahlberger und der Cellist Gerhard Oetiker eine ideenreiche Plattform zur Jugendmusik-Förderung geschaffen. Megliodia hat schon in Schaufenstern, in der Mülenenschlucht oder in Industriebetrieben gespielt und macht Klassik so attraktiv für die Jungen. Für möglichst viele, wie Annina Stahlberger in ihrer Dankrede betont: Nicht in erster Linie Begabtenförderung sei das Ziel, sondern gemeinsames musikalisches Tun – auf allerdings hohem Niveau, wovon sich das Publikum im Palace überzeugen konnte.
Ein weiterer Förderpreis ging an die Bildende Künstlerin Katalin Deer, und den Anerkennungspreis erhielt Vexer-Verleger Josef Felix Müller (Bild), von Laudator Rainer Stöckli als „du je länger je einmaligerer St.Galler Verleger“ angesprochen – eine Anspielung auf die karge Verlagsszene in der Stadt. Müller bedankte sich mit einem Lob auf die kulturelle Vielfalt.
Die fünf Werkbeiträge schliesslich erhalten Veronika Brusa, Martina Werner, Jiajia Zhang, Alfons Karl Zwicker und Matthias Peter. Sie alle legten Projekte vor, von denen man noch hören und sehen wird.
2014 eine Lücke
Auch die 10000 Förderfranken für Megliodia wird man in der Stadt zweifellos auf unkonventionelle Art melodisch klinge(l)n hören. Das Geld sei „eine Rettung“ für das privat und von viel Freiwilligenarbeit getragene Projekt, sagt jemand nach der Feier. Hier wie anderswo zeigt sich: Preise der öffentlichen Hand sind mehr als eine Aufmunterung – in Zeiten, wo die Privatwirtschaft mit Kulturförderung schmörzelt, können sie existentiell sein.
2014 soll es keine Förder- und Anerkennungspreise geben. Das ist keine Katastrophe, aber schade. Ausser es erhebt sich auch unter den Erwachsenen der Protest gegen die Kultursparerei, wie im Frühling beim kantonalen Sparpaket. Diskussionsgelegenheit bietet sich zum Beispiel am 26. November um 17.30 Uhr beim traditionellen Kulturgespräch der Stadt im Textilmuseum.
Der nächste Anlass von Megliodia: „Die Orgelmaus“, 17. November, 13.30 Uhr und 15 Uhr, Chorraum der Kathedrale, St. Gallen
Bilder: Claudius Krucker
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Stimmrecht
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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
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