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Kultursparerei (II): Das Rom-Atelier

Fünfzigtausend Franken im Jahr kostet den Kanton St.Gallen das Atelier in Rom. Jetzt soll es weggespart werden. Visarte wehrt sich.

Von  Peter Surber , 

Der traditionell kulturfreundliche Kanton Aargau hat gleich vier Ateliers: zwei in Berlin, je eins in London und Paris. Das Wallis hat drei, Graubünden hat zwei, und mit dabei im Atelier-Reigen sind auch Bern, Genf, Jura, Neuchatel, Waadt, Zug, Zürich, Schaffhausen und Appenzell Ausserrhoden, letzterer seit diesem Jahr mit einem Artist-in-Residence-Stipendium mit freier Ortswahl. Hinzu kommen Ateliers der Städte oder Regionen (etwa 14 Destinationen allein für Kunstschaffende in der Region Basel). Auch die Städtekonferenz (mit St.Gallen, Frauenfeld und Winterthur als Teilhaber) vergibt im Turnus Ateliers in Kairo, Genua und Varanasi, der Bund hat vier Angebote, hinzu kommen Stiftungen, darunter die mit diversen Atelierstipendien herausragende Landis&Gyr-Stiftung in Zug.

Diese Angaben hat der Kanton Appenzell Ausserrhoden ermitteln lassen, als es im Vorjahr um die Ausgestaltung eines eigenen, neuen Artist-in-Residence-Stipendiums ging. Inzwischen ist das Stipendium etabliert – und Ausserrhoden bald einmal fortschrittlicher als St.Gallen, wenn der Kantonsrat Ende Juni in der Spar-Sondersession seine Streichung wahr macht.

Die gute Nachricht zwar: Das Netz von Atelier- und Artist-in-Residence-Möglichkeiten für Kunstschaffende ist eng geknüpft. Die schlechte Nachricht: Streicht der Kantonsrat das Rom-Atelier, dann steht der Kanton St.Gallen als einer der wenigen Kantone ohne Atelierförderung im Regen. Das kritisiert denn auch der Berufsverband visuelle Kunst, Visarte Ost, in einem am 11. Juni verschickten Brief an die Mitglieder des Kantonsrats. «Mit grossem Entsetzen» habe man die geplante Streichung des Romstipendiums zur Kenntnis genommen, schreibt die Visarte und begründet den Nutzen des «verhältnismässig geringen Betrags von Fr. 50000.-» so: «Für die Künstlerinnen entstehen bei  diesen Ausland-Aufenthalten entscheidende Impulse mit längerfristiger Wirkung auf ihre künstlerische Arbeit. Von dem kulturellen Mehrwert profitieren alle.»

Visarte-Präsident Stefan Rohner argumentiert grundsätzlich: Rom als Ort sei nicht zwingend – umso mehr jedoch die Möglichkeit, finanziell einigermassen gesichert ein paar Monate Freiraum und Inspirationen fürs eigene Werk zu erhalten. Darum gehört für ihn eine weitere geplante Sparmassnahme ins gleiche Kapitel wie das Rom-Atelier: Reduziert werden soll auch der Ankaufskredit für die kantonale Kunstsammlung. «Die Ankäufe des Kantons sind für die regionale Künstlerschaft existenziell», protestiert die Visarte in ihrem Brief und klärt die Kantonsräte darüber auf, dass Kunst für den Grossteil nicht existenzsichernd ist und dass die meisten Kunstschaffenden «auf einen zusätzlichen Broterwerb angewiesen sind». Die Kürzung des Ankaufskredits träfe die Kunstschaffenden massiv, «wichtiges Einkommen geht verloren».

rom87gr

Tenor unter Kunstschaffenden: Von Rom haben viele profitiert (rund 60 Leute aus allen Sparten seit 1997), die Wohnung in der Via dei Latini wird als Arbeits- und Vernetzungsort geschätzt – den vergleichsweise mickrigen Betrag von 50000 Franken zu streichen stünde daher in keinem Verhältnis zum Verlust.

Aber ob man dies der sparwütigen bürgerlichen Parlamentsmehrheit verständlich machen kann? Das dürfte ähnlich aussichtslos sein wie jene Aufgabe, die Ivo Ledergerber in einem seiner Rom-Gedichte (2004 bei Waldgut erschienen) so beschrieben hat:

Charakteristik Roms

Jemandem
erklären
wo
der Weg
ist
der
hinführt
wohin
er will

Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
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Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
Peter Kamm Kunst am Bau Erweiterungsbau Paedagogische Hochschule Kreuzlingen

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
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Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Die Schwei­zer Rock­le­gen­den Kro­ko­dil ha­ben kürz­lich ihr neu­es Al­bum Bey­ond The Eye ver­öf­fent­licht. Ur-Kro­ko­dil Dü­de Dürst schwärmt von der En­er­gie der 2019 wie­der­be­leb­ten Band – und hat noch lan­ge nicht ge­nug. Am Frei­tag spie­len sie in der Gra­ben­hal­le.

Von Pius Frey und David Gadze,
Krokodil 2026 pd

24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

Von Mia Nägeli,

Kunst in Oberuzwil

Spu­ren der Hei­mat

Von Vera Zatti,
Dieses

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von Richard Butz,
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von Philipp Bürkler,
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von Philipp Bürkler,
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von Kristin Schmidt,
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von René Hornung,
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von Christoph Keller,

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von Peter Surber,
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von Lilli Kim Schreiber,
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