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Für die geistige Fitness

Der Sport kann im Kanton St.Gallen weitgehend selbst über seine Fördermittel entscheiden. Die Kultur muss jedes einzelne Projektli vom Parlament absegnen lassen. Der Lotteriefonds gehört endlich entpolitisiert. Ein Kommentar.

2604 Lotteriegelder Toericht Coins

Dass die Kul­tur im Kan­ton St.Gal­len po­li­tisch ei­nen schwe­ren Stand hat, ist kei­ne Neu­heit. Am rechts­bür­ger­li­chen Rand hat man ideo­lo­gi­sche Vor­be­hal­te ge­gen­über kul­tu­rel­lem Schaf­fen und Ver­an­stal­tun­gen, die sich nicht der Pfle­ge der Blüem­li-Berg­li-Chüeli-Schweiz, son­dern ei­nem viel­fäl­ti­ge­ren Ho­ri­zont ver­pflich­tet füh­len und zur Aus­ein­an­der­set­zung an­re­gen. Der Frei­sinn ar­gu­men­tiert vor al­lem fi­nanz­po­li­tisch und spielt – trotz ge­gen­tei­li­ger Schutz­be­haup­tung – den Sport ge­gen die Kul­tur aus. Es liegt in der Na­tur der Sa­che: Ei­ne An­pas­sung der Quo­ten zieht im­mer Ge­win­ner:in­nen und Ver­lie­rer:in­nen nach sich. Wenn vor­der­hand nicht mo­ne­tär, dann zu­min­dest in der po­li­ti­schen Wert­schät­zung, die sich nicht al­lein an der Geld­men­ge be­misst. Und ge­nau hier­in liegt der Hund be­gra­ben.

Im Ge­gen­satz zum Sport wird die Kul­tur in sehr vie­len Par­la­ments­köp­fen – un­be­wusst oder of­fen zur Schau ge­tra­gen – eben doch als Lu­xus be­trach­tet und nicht als ge­sell­schaft­li­che Not­wen­dig­keit. Die­se Kri­tik ist ex­pli­zit auch an die Adres­se der lin­ken Rats­sei­te ge­rich­tet, die ab­ge­se­hen von drei Aus­nah­men in der Früh­jahrs­ses­si­on er­schre­ckend we­nig kul­tur­po­li­ti­sches En­ga­ge­ment an den Tag leg­te. Es muss ja nicht ein über­mo­ti­vier­tes «Bra­ve­he­art»-Plä­doy­er sein wie je­nes von Jens Jä­ger (FDP) für den Sport. Aber ein paar mehr trä­fe Grund­satz­vo­ten für die Kul­tur und ein paar Ent­geg­nun­gen in Rich­tung SVP, die sich in ih­ren schä­bi­gen bis dis­kri­mi­nie­ren­den Re­den im Rats­saal ein­zig an ihr Wahl­volk rich­te­te, statt sach­lich zu ar­gu­men­tie­ren, soll­ten schon drin­lie­gen.

Lob­by­ar­beit fruch­tet

Er­freu­lich an der gan­zen Sa­che ist im­mer­hin die Ar­beit der aus­ser­par­la­men­ta­ri­schen Kul­tur­lob­by. Die IG Kul­tur Ost hat Lärm ge­macht, Kul­tur­schaf­fen­de ha­ben Mails an Par­la­men­ta­ri­er:in­nen ver­schickt und ih­re Be­trof­fen­heit auf­ge­zeigt, al­so ei­gent­lich sehr still, aber wir­kungs­voll ge­lärmt. Wer sich stän­dig weg­duckt, hat kaum je Aus­sicht, von der Po­li­tik als Ver­hand­lungs­part­ne­rin für voll ge­nom­men zu wer­den. Hier wur­de «die Kul­tur» für ein­mal spür­bar, und wenn sie da­mit ei­ni­ge Par­la­men­ta­ri­er:in­nen ge­nervt hat, dann ist das kein Welt­un­ter­gang, son­dern ein­fach Teil des Spiels. Ge­wähl­te Po­li­ti­ker:in­nen müs­sen An­lie­gen aus der Be­völ­ke­rung ernst neh­men. Ein vol­les Post­fach ist al­le­mal ver­kraft­bar.

Die Früh­jahrs­de­bat­te und un­se­re Re­cher­chen zei­gen, wie gut die Sport­lob­by im Ver­gleich zur Kul­tur im po­li­ti­schen Sys­tem ver­an­kert ist. Die Re­gie­rung ar­bei­tet der­zeit am neu­en Be­we­gungs- und Sport­för­der­ge­setz. Es war ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, dass der Vor­stand der aus­ser­par­la­men­ta­ri­schen IG Sport SG re­spek­ti­ve die Sport­fonds-Kom­mis­si­on schon früh in die Aus­ar­bei­tung mit­ein­be­zo­gen wur­de. Es ist auch die­sel­be Kom­mis­si­on, die über die Mit­tel aus dem Sport­fonds ver­fü­gen kann, so­lan­ge sie ei­nen ge­wis­sen Be­trag nicht über­schrei­ten. Erst dann wird auch die Re­gie­rung in­vol­viert. Das sind aber Ein­zel­fäl­le. Das Par­la­ment hat bei der Sport­geld­ver­ga­be rein gar nichts zu mel­den.

Wes­halb soll­te es bei der Kul­tur an­ders sein? Wes­halb soll­te der Kan­tons­rat bes­ser wis­sen als die Ex­pert:in­nen aus Ver­wal­tung und ex­ter­ner In­ter­es­sen­ver­tre­tung, wel­che Kul­tur­pro­jek­te För­der­mit­tel ver­die­nen und wel­che nicht? War­um sol­len bau­li­che Mass­nah­men beim Sport in Teil­pro­jek­te auf­ge­teilt und mehr­fach ge­för­dert wer­den dür­fen, wäh­rend bei der Kul­tur ei­ne Auf­split­tung von An­trä­gen ka­te­go­risch aus­ge­schlos­sen wird?

Be­rüh­rungs­ängs­te ab­le­gen

Wenn sich die Re­gie­rung und das Kul­tur­amt jetzt an die ge­setz­li­che Aus­ar­bei­tung der kan­to­na­len Lot­te­rie­fonds­po­li­tik ma­chen, ist es zwin­gend, dass die IG Kul­tur Ost als Ver­hand­lungs­part­ne­rin auf Au­gen­hö­he von An­fang an in den Pro­zess mit­ein­be­zo­gen wird. Die Ver­wal­tung muss ih­re stief­müt­ter­li­chen Be­rüh­rungs­ängs­te ge­gen­über der Kul­tur­lob­by end­lich ab­strei­fen. Beim Sport fragt ja auch nie­mand nach, ob es al­len­falls In­ter­es­sen­kon­flik­te ge­ben könn­te, wenn die IG Sport SG als Dach­ver­band der Sport­ver­ei­ne eben­die­se gleich sel­ber för­dert.

Ge­gen sport­li­che Be­tä­ti­gung kann nie­mand ernst­haft et­was ein­wen­den, auch nicht ge­gen ih­re an­ge­mes­se­ne För­de­rung in­ner- und aus­ser­halb der or­ga­ni­sier­ten Ver­ei­ne und Ver­bän­de. Das­sel­be gilt aber auch für die Kul­tur. Die geis­ti­ge Fit­ness der Be­völ­ke­rung muss der Po­li­tik min­des­tens so viel Wert sein wie die kör­per­li­che.

Ver­ei­nig­te Kul­tur­sze­ne pro­tes­tiert ge­gen den Spar­ham­mer

Die er­neu­ten Spar­vor­schlä­ge der St.Gal­ler Re­gie­rung stos­sen auf brei­te Ab­leh­nung. Die Kul­tur­sze­ne so­li­da­ri­siert sich ge­gen die Ab­bau­plä­ne. Die Kul­tur­lob­by hat sich in Stel­lung ge­bracht. Obs hilft?

Von Roman Hertler,
2611 Kulturgelder gaffa rappenspalter 2 farbe

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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