Den Schaden in Grenzen halten

Die Kultur bekommt künftig maximal 55 Prozent aus dem kantonalen Lotteriefonds, während der Anteil für den Sport steigt. Das hat der Kantonsrat beschlossen. An der heutigen Höhe der Kulturgelder soll sich zwar nichts ändern. Und doch schadet dieser Entscheid der Kultur.

Für die Texte zum Verteilkampf rund um die Lotteriefonds-Gelder hat das Studio Toericht grafische Reduktionen an seinen Bildern vom letzten Lotteriefonds-Schwerpunkt im Januarheft vorgenommen.

An der Früh­jahrs­ses­si­on An­fang März hat der St.Gal­ler Kan­tons­rat nach ei­ner lan­gen und kon­tro­ver­sen De­bat­te ei­ne An­pas­sung bei der Ver­tei­lung der Lot­te­rie­fonds­gel­der be­schlos­sen. Zwi­schen 2012 und 2024 flos­sen durch­schnitt­lich 72 Pro­zent in den Kul­tur­be­reich, 20 Pro­zent in den Sport und 8 Pro­zent in den Be­reich So­zia­les, Um­welt, Bil­dung. Neu ste­hen für die Kul­tur so­wie Brauch­tum, So­zia­les, Ge­sund­heit und Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit ins­ge­samt noch 50 bis 55 Pro­zent zu Ver­fü­gung, der An­teil des Sports steigt auf 30 bis 35 Pro­zent. Bis zu 10 Pro­zent gibt es für «stra­te­gi­sche Ent­wick­lungs­pro­jek­te des Kan­tons», al­so Bil­dung, In­no­va­ti­on oder wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung. Und wei­te­re bis zu 10 Pro­zent sol­len in die Re­ser­ve für gros­se kan­to­na­le Vor­ha­ben flies­sen. 

Der Ent­scheid geht zu­rück auf ei­ne Mo­ti­on von SVP, FDP und Mit­te. Die­se sah ur­sprüng­lich gar die Be­schrän­kung der Kul­tur­gel­der auf 40 Pro­zent vor. Die­ser Kahl­schlag blieb glück­li­cher­wei­se aus. Statt­des­sen stimm­te der Kan­tons­rat ei­nem ab­ge­än­der­ten An­trag von SVP und FDP mit den ge­nann­ten An­tei­len zu. Der Ge­gen­vor­schlag der Re­gie­rung, der 60 bis 70 Pro­zent für Kul­tur, So­zia­les, Ge­sund­heit usw. so­wie 25 bis 30 Pro­zent für den Sport vor­sah, blieb chan­cen­los. Die Mit­te woll­te die Lot­te­rie­fonds­gel­der im Ver­hält­nis 2:1 zu­guns­ten der Kul­tur ver­tei­len, schei­ter­te da­mit aber um ei­ne Stim­me. 

Wird die Kul­tur im Kan­ton St.Gal­len nun al­so blu­ten müs­sen? Wenn es nach dem Kan­tons­rat geht – und selbst nach der bür­ger­li­chen Rats­mehr­heit, die mit ih­rer Mo­ti­on die An­pas­sung des Ver­teil­schlüs­sels erst aus­ge­löst hat­te –, soll das trotz der Kür­zung nicht der Fall sein; der Be­trag soll­te «min­des­tens dem Um­fang der Mit­tel» ent­spre­chen, der im Schnitt in den Jah­ren 2022 bis 2024 aus­ge­zahlt wur­de, hiess es im ab­ge­än­der­ten An­trag von SVP und FDP. FDP-Frak­ti­ons­prä­si­dent Ra­pha­el Frei be­haup­te­te aus­ser­dem in sei­nem Vo­tum, seit der Än­de­rung des na­tio­na­len Geld­spiel­ge­set­zes 2019 wür­den wei­ter­hin mehr Gel­der aus On­line-Spiel­wet­ten in den Lot­te­rie­fonds flies­sen. Mit an­de­ren Wor­ten: Pro­zen­tu­al er­hält die St.Gal­ler Kul­tur künf­tig we­ni­ger Geld aus dem Lot­te­rie­fonds als bis­her, in ab­so­lu­ten Zah­len soll­te das Ni­veau je­doch nicht sin­ken. 

Fi­nan­zi­el­le Ent­wick­lung ist un­ge­wiss 

Wie rea­lis­tisch die­se Pro­gno­se ist, lässt sich zum jet­zi­gen Zeit­punkt nicht ab­schät­zen. Das sieht auch Re­gie­rungs­rä­tin Lau­ra Bucher so: «Wir wis­sen schlicht­weg nicht, auf wel­chem Ni­veau sich die Ein­nah­men ein­pen­deln wer­den», sagt die Kul­tur­mi­nis­te­rin. Es sei zwar ein Fakt, dass die Ein­nah­men auf­grund der neu­en ge­setz­li­chen Grund­la­gen ge­stie­gen sei­en. Es ge­be aber auch ein paar An­zei­chen, die eher da­ge­gen spre­chen wür­den. So ge­be es ins­be­son­de­re in der West­schweiz Be­stre­bun­gen, den Schutz vor Spiel­sucht zu ver­stär­ken. Zu­dem gibt es Über­le­gun­gen, auf ge­setz­li­cher Ebe­ne ei­ne so­ge­nann­te Spie­ler:in­nen­kar­te mit Re­gis­trie­rungs­pflicht ein­zu­füh­ren. «Wie sich das auf Glücks­spie­le aus­wir­ken wird, kön­nen wir nicht vor­aus­sa­gen.»

Lau­ra Bucher be­tont je­doch aus­drück­lich, dass es bei der Kul­tur im Rah­men des Mo­ti­ons­an­lie­gens kei­ne Kür­zun­gen ge­ben soll. «In der De­bat­te im Kan­tons­rat ha­be ich den kla­ren Wil­len des Par­la­ments ver­nom­men, dass auf­grund der Neu­ver­tei­lung der Lot­te­rie­fonds­mit­tel bei der Kul­tur nicht ge­spart wer­den soll und ins­be­son­de­re die Leis­tungs­ver­ein­ba­run­gen nicht ge­kürzt wer­den sol­len.» Die Leis­tungs­ver­ein­ba­run­gen, die der Kan­ton mit rund 80 Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen hat, lau­fen noch bis En­de 2028. Spä­tes­tens wenn es um de­ren Ver­län­ge­rung geht, wird man se­hen müs­sen, was pas­siert. 

Klar ist aber, dass die Ein­nah­men im Lot­te­rie­fonds stei­gen müs­sen, da­mit die Kul­tur wei­ter­hin im glei­chen Um­fang fi­nan­ziert wer­den kann. «Denn mit dem neu­en Mo­dell ha­ben wir künf­tig ein struk­tu­rel­les De­fi­zit», sagt Bucher. An­dern­falls müss­ten die Re­ser­ven an­ge­zapft wer­den. Die­se sind zwi­schen 2022 und 2025 kon­ti­nu­ier­lich von 6 Mil­lio­nen auf 21 Mil­lio­nen Fran­ken ge­stie­gen, wo­bei 2025 

auf­grund der lan­gen Pha­sen mit ho­hen Jack­pots ein Aus­reis­ser war und bei der Be­rech­nung des­halb nicht be­rück­sich­tigt wur­de. Wenn die Kul­tur­aus­ga­ben künf­tig un­ver­än­dert und die Swiss­los-Zu­flüs­se auf dem Ni­veau der Jah­re 2022 bis 2024 (durch­schnitt­lich 33,5 Mil­lio­nen Fran­ken jähr­lich) blei­ben, wä­ren die Re­ser­ven in­ner­halb der nächs­ten vier bis fünf Jah­re auf­ge­braucht. 

Kul­tu­rel­le Viel­falt un­ter Druck 

Die ent­schei­den­de Fra­ge wird dann al­so sein, wie es wei­ter geht, wenn der er­hoff­te An­stieg der Lot­te­rie­fonds­ein­nah­men aus­bleibt und das struk­tu­rel­le De­fi­zit nicht län­ger über die Re­ser­ven ge­deckt wer­den kann. «Das Par­la­ment hat sich für ei­nen Be­stands­schutz aus­ge­spro­chen – und ich wer­de es beim Wort neh­men. Soll­te sich zei­gen, dass die Mit­tel nicht rei­chen, müs­sen wir ei­ne Lö­sung fin­den. Wenn es nicht zu Kür­zun­gen bei den Leis­tungs­ver­ein­ba­run­gen, der För­de­rung von Pro­jek­ten in den Be­rei­chen Kul­tur, So­zia­les, Ge­sund­heit usw. und den Denk­mal­pfle­ge­bei­trä­gen des Kan­tons kom­men soll, braucht es ei­ne er­neu­te An­pas­sung des Ver­teil­schlüs­sels für den Lot­te­rie­fonds oder ei­ne Kom­pen­sa­ti­on über den Staats­haus­halt», sagt Bucher.

Wie rea­lis­tisch sol­che Sze­na­ri­en im bür­ger­lich do­mi­nier­ten Kan­tons­rat wä­ren, der sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im­mer wie­der kul­tur­feind­lich ge­zeigt hat, sei da­hin­ge­stellt. Eben­so die Fra­ge, ob sich die bür­ger­li­che Rats­mehr­heit an ihr Ver­spre­chen noch er­in­nern wol­len wird. 

Lau­ra Bucher räumt ein, dass im schlimms­ten Fall dar­über dis­ku­tiert wer­den müs­se, «ob wir uns die­se kul­tu­rel­le Viel­falt noch leis­ten kön­nen oder die För­de­rung fo­kus­sie­ren und das An­ge­bot aus­dün­nen müs­sen». Die­se Fra­ge ha­be dann das Par­la­ment zu be­ant­wor­ten. «Man kann nicht ein­fach die Mit­tel kür­zen und er­war­ten, dass das be­stehen­de Ni­veau des An­ge­bots und die Viel­falt er­hal­ten blei­ben.» Der Ku­chen wer­de je­den­falls nicht grös­ser, er blei­be höchs­tens gleich gross. Der Druck auf die In­sti­tu­tio­nen und die Kul­tur­schaf­fen­den wird al­so si­cher nicht klei­ner wer­den. 

Ei­ne wei­te­re zen­tra­le Fra­ge be­trifft die Kom­pe­ten­zen. Wäh­rend die Mit­tel für den Sport durch die Sport­fonds­kom­mis­si­on, de­ren Vor­stand sich durch die IG-Sport SG bil­det, be­wirt­schaf­tet wer­den, ent­schei­det über je­den Fran­ken für die Kul­tur aus dem Lot­te­rie­fonds ab­schlies­send der Kan­tons­rat – das ist ein­ma­lig in der Schweiz. Wä­re es nicht bes­ser, das Amt für Kul­tur, das oh­ne­hin die Ge­schäf­te zu­han­den der Re­gie­rung vor­be­rei­tet, oder – wie beim Sport – ei­ne ex­ter­ne Ex­per­ten­kom­mis­si­on wür­de die Be­trä­ge bis zu ei­ner be­stimm­ten Hö­he spre­chen? Die­se Fra­ge wer­de beim Er­ar­bei­ten des Ge­set­zes durch die Re­gie­rung ge­prüft und zu ge­ge­be­nem Zeit­punkt im Kan­tons­rat dis­ku­tiert, sagt Bucher. 

IG Kul­tur: «Es braucht mehr öf­fent­li­che Gel­der»

Dass die Re­duk­ti­on des Kul­tur­anteils aus dem Lot­te­rie­fonds auf 40 Pro­zent aus­blieb, ist vor al­lem auch der IG Kul­tur Ost zu ver­dan­ken. Sie hat­te – ge­mein­sam mit Kul­tur­schaf­fen­den aus al­len Re­gio­nen des Kan­tons – im Vor­feld der Früh­jahrs­ses­si­on lob­by­iert, die Par­la­men­ta­ri­er:in­nen für die Fol­gen ei­ner Kür­zung sen­si­bi­li­siert und da­durch ei­nen ra­di­ka­len Kahl­schlag bei der Kul­tur ab­ge­wen­det. Doch die Ver­un­si­che­rung bleibt. 

Es sei zwar po­si­tiv, dass sich Re­gie­rungs­rä­tin Lau­ra Bucher da­zu be­ken­ne, die Kul­tur­gel­der nicht kür­zen zu wol­len, sagt Co-Prä­si­dent Jac­ques Er­lan­ger. «Das reicht aber nicht als Zu­kunfts­per­spek­ti­ve. Un­ser Ziel ist es nicht, den Sta­tus quo zu er­hal­ten, son­dern die un­ge­nü­gen­de Si­tua­ti­on für die Kul­tur­schaf­fen­den zu ver­bes­sern.» Das Pre­ka­ri­at ist in der Kul­tur stark aus­ge­prägt, vie­le Kul­tur­schaf­fen­de le­ben am Exis­tenz­mi­ni­mum, Al­ters­vor­sor­ge ist für sie ein Fremd­wort. «Am Schluss wer­den sie zu So­zi­al­hil­fe­emp­fän­ger:in­nen.» Die­se «so­zia­le Un­ge­rech­tig­keit» gel­te es zu be­sei­ti­gen. 

Die­se For­de­rung stand vor nicht all­zu lan­ger Zeit auf der po­li­ti­schen Agen­da, der Kan­tons­rat hat­te da­für je­doch kein Ge­hör: En­de No­vem­ber 2023 strich er ei­ne von der Re­gie­rung vor­ge­schla­ge­ne Bei­trags­er­hö­hung von 320’000 Fran­ken an kan­to­nal ge­för­der­te In­sti­tu­tio­nen aus dem Bud­get 2024. Das Geld war für die An­pas­sung der Löh­ne und Ho­no­ra­re an die Vor­ga­ben der Bran­chen­ver­bän­de ge­dacht. 

Die Hal­tung der IG Kul­tur Ost sei des­halb un­ver­än­dert, sagt Er­lan­ger: «Es braucht mehr öf­fent­li­che Gel­der für die Kul­tur, nicht we­ni­ger.» Aus­ser­dem hand­le der Kan­tons­rat fahr­läs­sig, wenn er den Kul­tur­anteil aus dem Lot­te­rie­fonds kür­ze auf­grund der An­nah­me, dass die Swiss­los-Zu­flüs­se stei­gen wür­den. «Ei­ne se­riö­se Kul­tur­po­li­tik darf nicht auf Zu­fall ba­sie­ren.» Ei­ne lang­fris­ti­ge Pla­nung wer­de so er­schwert. Die Kul­tur­schaf­fen­den und die In­sti­tu­tio­nen ar­bei­te­ten und leb­ten schliess­lich auch nicht in ei­ner An­nah­me, son­dern in der Rea­li­tät. 

Ent­po­li­ti­sie­rung der Kul­tur­gel­der ge­for­dert

Aus­ser­dem be­stehe die Ge­fahr, dass der Kan­ton im­mer öf­ter Staats­auf­ga­ben aus dem Lot­te­rie­fonds fi­nan­zie­re, um den Haus­halt zu ent­las­ten, sagt Ce­lin Fäss­ler, Lei­te­rin der Ge­schäfts­stel­le der IG Kul­tur Ost. Sie ver­mu­tet, dass sich die­se Pra­xis auf­grund des Spar­drucks künf­tig noch ver­stärkt. Am En­de feh­le die­ses Geld im Topf – die Fol­ge sei ei­ne Aus­dün­nung des Kul­tur­ange­bots. 

Ein Punkt, der in der Kan­tons­rats­de­bat­te nur am Ran­de the­ma­ti­siert wur­de, ist der IG Kul­tur Ost be­son­ders wich­tig: Dass der Kan­tons­rat über die Ver­tei­lung der Kul­tur­gel­der aus dem Lot­te­rie­fonds ent­schei­det, sei auch des­halb pro­ble­ma­tisch, weil es ihm an der nö­ti­gen Ex­per­ti­se feh­le, Kul­tur­pro­jek­te und die ent­spre­chen­den Bei­trä­ge rich­tig be­ur­tei­len zu kön­nen. «In an­de­ren Be­rei­chen gibt es Ex­per­ten­grup­pen. Bei der Kul­tur ha­ben al­le das Ge­fühl, mit­re­den und ent­schei­den zu kön­nen», sagt Fäss­ler. 

Ce­lin Fäss­ler und Jac­ques Er­lan­ger hal­ten die­se «Po­li­ti­sie­rung des Lot­te­rie­fonds» für ge­fähr­lich (Sai­ten hat die­sem The­ma im Ja­nu­ar­heft ei­nen Schwer­punkt ge­wid­met). Sie spre­chen sich des­halb da­für aus, die Kom­pe­ten­zen im zu er­ar­bei­ten­den Ge­setz neu zu re­geln, so­dass nicht mehr der Kan­tons­rat zu je­dem aus dem Lot­te­rie­fonds für die Kul­tur aus­ge­ge­be­nen Fran­ken das letz­te Wort hat – wie beim Sport. Sie be­to­nen auch, dass sie vom Kan­ton er­war­ten, in die Er­ar­bei­tung des neu­en Lot­te­rie­fonds­ge­set­zes ein­be­zo­gen zu wer­den. Und zwar nicht erst bei der Ver­nehm­las­sung, wenn es be­reits vor­liegt, son­dern von An­fang an. «Es braucht uns in die­sem Pro­zess.»

Sport lob­by­iert seit Jah­ren für mehr Geld

Jo­sef Dürr ist seit 2015 Prä­si­dent der IG Sport SG und da­mit auch der Sport­fonds-Kom­mis­si­on (sie­he In­fo­box), die für die Mit­tel­ver­ga­be der Sport­fonds­gel­der zu­stän­dig ist. Er hat die Kan­tons­rats­de­bat­te in der Früh­jahrs­ses­si­on vor Ort mit gros­sem In­ter­es­se und am Schluss auch mit Ge­nug­tu­ung ver­folgt. «Die bei­den kurz­fris­tig ein­ge­brach­ten Vor­schlä­ge von Mit­te-EVP re­spek­ti­ve FDP-SVP hät­ten für den Sport in et­wa die­sel­be Aus­wir­kung ge­habt», sagt Dürr. «Ob nun von ‹ei­nem Drit­tel› oder von ‹30 bis 35 Pro­zent› für den Sport die Re­de ist, ist für uns nicht er­heb­lich.»

Sport entscheidet selber über seine Mittel

Ge­mäss Ver­ord­nung über den Sport­fonds von 2008 ist für die Ver­tei­lung der Swiss­los-Gel­der, die im Kan­ton St.Gal­len dem Sport zu­kom­men (ak­tu­ell 20 Pro­zent, künf­tig 30 bis 35 Pro­zent), die Sport­fonds-Kom­mis­si­on zu­stän­dig. Die­se deckt sich per­so­nell mit dem Vor­stand der IG Sport SG. Die­se ver­steht sich ge­mäss Sta­tu­ten als Dach­ver­band des pri­vat­recht­lich or­ga­ni­sier­ten Sports im Kan­ton St.Gal­len. Über 40 Ver­bän­de und 1200 Ver­ei­ne sind ihm an­ge­schlos­sen.

Das Kan­tons­par­la­ment hat bei der Mit­tel­ver­ga­be aus dem Sport­fonds – ganz im Ge­gen­satz zum Lot­te­rie­fonds für die Kul­tur und ge­mein­nüt­zi­ge Be­rei­che – kein Mit­spra­che­recht. Die Sport­fonds-Kom­mis­si­on kann al­so ge­mäss den durch die Re­gie­rung vor­ge­ge­be­nen Richt­li­ni­en wei­test­ge­hend ei­gen­stän­dig über die Sport­fonds­gel­der ver­fü­gen. Erst ab ei­ner Bei­trags­hö­he von über 500’000 Fran­ken braucht es bei bau­li­chen Mass­nah­men ei­nen Re­gie­rungs­ent­scheid.

Das war in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren nur zwei Mal der Fall: Der Uni­ho­ckey­club Jo­na Uz­nach Fla­mes baut ei­ne neue Meis­ter­schafts- und Trai­nings­hal­le für 8 Mil­lio­nen Fran­ken, der Re­gie­rungs­rat ge­neh­mig­te 2025 ei­nen Sport­fonds­bei­trag über knapp 700’000 Fran­ken. Und 2023 er­hielt die IG Sport Re­gi­on Gos­sau rund 1,8 Mil­lio­nen Fran­ken aus dem Sport­fonds. Ein eher klei­ner Bei­trag ge­mes­sen an den Ge­samt­kos­ten für das ge­plan­te Mo­dul 1 (von drei) der Sport­welt Bue­chen­wald, für das die Gos­sau­er Stimm­be­völ­ke­rung im Mai 2022 ei­nen Kre­dit über 56 Mil­lio­nen Fran­ken gut­ge­heis­sen hat­te. (hrt)

Mit der Er­hö­hung des Sport­fonds­an­teils des Lot­te­rie­fonds ist das po­li­ti­sche Ziel aus Sicht des Sports er­reicht. All­ge­mein stellt Jo­sef Dürr der kan­to­na­len Po­li­tik ein gu­tes Zeug­nis aus. Vor vier Jah­ren be­gan­nen die Ar­bei­ten am neu­en Be­we­gungs- und Sport­för­der­ge­setz (BSG), das noch in die­sem Jahr in die Ver­nehm­las­sung ge­schickt wer­den soll. «Die Sport­fonds-Kom­mis­si­on war in der Früh­pha­se zur Aus­ar­bei­tung des Ge­set­zes ein­ge­bun­den», sagt Jo­sef Dürr. Seit­her lob­by­ie­re man auch für ei­ne Er­hö­hung des Sport­fonds­an­teils. Denn die Sport­för­de­rung speist sich im Kan­ton St.Gal­len aus­schliess­lich aus Gel­dern des Sport­fonds – al­so dem An­teil des Sports an den Lot­te­rie­fonds­gel­dern, Bei­trä­ge aus dem or­dent­li­chen Kan­tons­haus­halt sind kei­ne vor­ge­se­hen.

Ge­mäss Wil­len der St.Gal­ler Par­la­ments­mehr­heit win­ken ge­gen­über heu­te gut 6 Mil­lio­nen künf­tig rund 9 bis 10 Mil­lio­nen Fran­ken jähr­lich, je nach­dem, wie hoch die Swiss­los-Er­trä­ge je­weils aus­fal­len. Der Be­darf da­für sei de­fi­ni­tiv ge­ge­ben, so Dürr. Die An­zahl be­wil­lig­ter Ge­su­che an den Sport­fonds sei die­ses Jahr ge­gen­über 2019 von 636 auf 884 an­ge­stie­gen, was ei­ner Zu­nah­me von 39 Pro­zent ent­spricht. Die meis­ten Bei­trä­ge be­we­gen sich un­ter der 10’000-Fran­ken-Mar­ke oder knapp dar­über. Es han­delt sich hier­bei meist um klei­ne­re An­schaf­fung wie Turn- und Mess­ge­rä­te oder ähn­li­ches.

Bau­ten und Per­so­nen ge­för­dert

Ein wich­ti­ger Pfei­ler der kan­to­na­len Sport­för­de­rung ist die di­rek­te Nach­wuchs­för­de­rung. Die gröss­ten Bei­trä­ge über 100’000 Fran­ken – pro Jahr nicht mehr als ei­ne Hand­voll – ka­men in den letz­ten Jah­ren aber vor al­lem den Fuss­ball-, den Ten­nis- oder den Sport- und Jagd­schüt­zen­ver­ei­nen zu­gu­te. Hier han­del­te es sich in der Re­gel um Bei­trä­ge an bau­li­che Mass­nah­men wie Platz-, Gar­de­ro­ben-, Be­leuch­tungs- oder sons­ti­ge An­la­gen-Er­neue­run­gen. 

Ab­ge­lehnt wer­den Ge­su­che nur in Aus­nah­me­fäl­len, wenn sie nicht den Re­gle­men­ten und Richt­li­ni­en ent­spre­chen: Al­so wenn zum Bei­spiel aus­schliess­lich aus­ser­kan­to­na­le Sport­ler:in­nen pro­fi­tie­ren wür­den, Ge­su­che erst nach be­reits er­folg­ter An­schaf­fung ein­ge­reicht wür­den oder wenn ein Pro­jekt nicht aus­schliess­lich dem Sport dien­te oder rein kom­mer­zi­el­le In­ter­es­sen im Zen­trum stün­den. Bei Pro­jek­ten wie Klub­haus­sa­nie­run­gen oder ähn­li­chem wür­de an­teils­mäs­sig be­rech­net, was tat­säch­lich dem Sport zu­gu­te­kom­me. «Gas­tro­no­mi­sche Be­dürf­nis­se fi­nan­zie­ren wir nicht mit, aber neue Gar­de­ro­ben oder Du­schen schon», er­klärt Dürr.

Die IG Sport SG an­ti­zi­piert ge­sell­schaft­li­che Ent­wick­lun­gen. Neu sol­len auch im Rah­men des BSG Be­rei­che wie Be­we­gung im Al­ter oder in­di­vi­dua­lis­ti­sche­re Sport­ar­ten via Sport­fonds ge­för­dert wer­den kön­nen, die nicht in Ver­bän­den or­ga­ni­siert sind, aber den­noch ei­nem sport­li­chen Be­dürf­nis der Be­völ­ke­rung die­nen. Jo­sef Dürr spricht von «un­ge­bun­de­nen Sport­ar­ten»: «Bis­her muss­ten wir Bei­trä­ge an Street-Work­out-Plät­ze, Pump-Tracks oder Vi­ta-Par­cours prin­zi­pi­ell ab­leh­nen. Das soll sich än­dern.» Da­mit wer­den Ge­mein­den und Pri­va­te ent­las­tet, die sol­che An­la­gen bis­lang in der Re­gel sel­ber fi­nan­zier­ten. «Wir för­dern nur, was dem Sport dient. Lu­xus fi­nan­zie­ren wir nicht», sagt Jo­sef Dürr. 

Lo­ge im Ky­bun­park für 90’000 Fran­ken 

Ein Blick in die Jah­res­be­rich­te der IG Sport SG wirft al­ler­dings ge­wis­se Fra­gen auf. Wer sitzt zum Bei­spiel je­weils in der Lo­ge im Ky­bun­park, die die Sport­fonds-Kom­mis­si­on seit 2014 für über 90’000 Fran­ken pro Jahr von der FC St.Gal­len Event AG mie­tet? Und wur­den die um­fas­sen­den Um- und Neu­bau­ten der Ten­nis­plät­ze in Wid­nau 2020 nur des­halb in vier Teil­pro­jek­te auf­ge­split­tet, um den Re­gie­rungs­rat bei ei­ner Ge­samt­sum­me von über 550’000 Fran­ken nicht in­vol­vie­ren zu müs­sen?

Jo­sef Dürr winkt ab: «Bei gros­sen Sport­an­la­gen wie Fuss­ball- oder Ten­nis­plät­zen ent­spricht die Auf­tei­lung in meh­re­re Teil­pro­jek­te dem von der Re­gie­rung vor­ge­ge­be­nen Re­gle­ment.» Die Nach­fra­ge nach Trai­nings­plät­zen im Nach­wuchs- oder bei­spiels­wei­se im Frau­en­fuss­ball sei in den ver­gan­ge­nen Jah­ren stark ge­stie­gen. Die ent­spre­chen­den Sport­an­la­gen er­reich­ten räum­lich wie fi­nan­zi­ell im­mer grös­se­re Di­men­sio­nen, wes­halb man die Ge­suchs­mög­lich­kei­ten im bau­li­chen Be­reich seit 2021 ein­schrän­ken muss­te. 2023 wur­de zu­dem ei­ne de­gres­si­ve For­mel zur Be­rech­nung der Bei­trags­hö­he ein­ge­führt, und seit­her gilt aus­ser­dem ei­ne War­te­frist von 24 Mo­na­ten zwi­schen zwei Bau­ge­su­chen, um den Sport­fonds nicht zu über­las­ten.

Und punk­to FCSG-Lo­ge sagt Dürr: «Da­mit kön­nen wir je­des Jahr rund 160 ver­dien­ten, eh­ren­amt­lich en­ga­gier­ten Funk­tio­när:in­nen in den Ver­ei­nen und Ver­bän­den Wert­schät­zung ge­ben.» Denn: «Im Kan­ton St.Gal­len leis­ten über 15’000 Per­so­nen ins­ge­samt rund 2,5 Mil­lio­nen Stun­den eh­ren­amt­li­che Ar­beit für den Sport.» Oh­ne die­ses frei­wil­li­ge En­ga­ge­ment könn­ten die we­nigs­ten Ver­ei­ne und Ver­bän­de über­le­ben.

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