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Langsamkeit als Motor

Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.

The Black Salt sind Corsin Fuchs, Marco Egger und Carl Thoma (von liks). (Bild: pd)

The Black Salt sind Corsin Fuchs, Marco Egger und Carl Thoma (von liks). (Bild: pd)

Schwe­re Gi­tar­ren, die sich von Riff zu Riff wäl­zen, ein wum­mern­der Bass, der sich tief in den Ma­gen schiebt, Drums, die mehr drü­cken als trei­ben: Die Mu­sik von The Black Salt ist nicht nur ein klang­li­ches, son­dern auch ein kör­per­li­ches Er­leb­nis. Auf ih­rem neu­en Al­bum Red Eye, das En­de Ok­to­ber er­scheint, ver­bin­det die St.Gal­ler Band Stoner, Pro­gres­si­ve Rock, Doom und Grunge zu ei­nem Sound, der nicht in ers­ter Li­nie auf Här­te, son­dern auf Wucht setzt. Die sechs Stü­cke wol­len je­doch nicht ein­fach nur schwer sein. Sie neh­men sich Zeit, bie­gen ab, ver­än­dern ih­re Rich­tung – und las­sen im­mer wie­der et­was Psy­che­de­li­sches und Pro­gres­si­ves in den Sound si­ckern. Die Lang­sam­keit wird da­bei zum Mo­tor.

Die Mu­sik von The Black Salt lebt glei­cher­mas­sen von den schier er­drü­cken­den Klang­wän­den wie von den psy­che­de­li­schen In­stru­men­tal­pas­sa­gen, den raf­fi­nier­ten Tem­po­wech­seln und den über­ra­schen­den Song­struk­tu­ren. Das zeigt sich bei­spiel­haft im Ti­tel­stück oder in Gra­vey­ard Waltz: die Gi­tar­re fängt lang­sam an, wird dann schnel­ler, Bass und Drums set­zen ein, nach ein­ein­halb Mi­nu­ten auch der Ge­sang – und zwar gleich mit dem Re­frain. Nach et­was mehr als drei Mi­nu­ten nimmt der Song plötz­lich ei­ne Wen­dung, der Bass über­nimmt den Lead, die Span­nung baut sich lang­sam wie­der auf, und spä­tes­tens als nach fünf Mi­nu­ten der Song er­neut Fahrt auf­nimmt, reisst er ei­nen mit.

Ein Phö­nix aus zwei Aschen

Ent­stan­den sind The Black Salt 2020 aus der Asche zwei­er St.Gal­ler Bands: Carl Tho­ma (Ge­sang/Gi­tar­re) spiel­te bei der Stoner-Rock-Band Brain Cir­cus, Cor­sin Fuchs (Bass) und Mar­co Eg­ger (Drums) wa­ren ge­mein­sam bei Back­se­at Rhythm, die in den spä­te­ren Nuller- und frü­hen Zeh­ner­jah­ren mit ih­rem er­di­gen Psy­che­de­lic-Rock Spu­ren in der Sze­ne hin­ter­lies­sen und nach der Auf­lö­sung ih­rer Band wei­ter­hin zu­sam­men Mu­sik mach­ten. Ir­gend­wann lie­fen sie Tho­ma, den sie von ge­mein­sa­men Kon­zert­aben­den ih­rer Bands kann­ten, zu­fäl­lig über den Weg – und grün­de­ten mit ihm ei­ne neue Band.

Die Che­mie stimm­te von An­fang an. «Du kannst mit vie­len Men­schen Mu­sik ma­chen, aber nicht mit vie­len Songs schrei­ben», sagt Fuchs. Wäh­rend die Co­ro­na­pan­de­mie an­de­ren (vor­über­ge­hend) den Ste­cker zog, gab sie den drei Mu­si­kern viel Zeit, um ei­nen ei­ge­nen Sound zu fin­den und Songs zu schrei­ben. Die­se ent­ste­hen oft in lan­gen Jams. Im Früh­jahr 2022 er­schien ihr De­büt In­va­der, wun­der­bar stau­big-tro­cken, aber stel­len­wei­se noch zu roh.

Ein gros­ser Schritt nach vorn

Red Eye ist ein gros­ser Schritt nach vorn. Es ist be­ein­dru­ckend, wie das Trio hör­bar stär­ker als Band zu­sam­men­ge­wach­sen ist und sein Song­wri­ting wei­ter­ent­wi­ckelt hat. Der Sound ist aus­ge­reif­ter, die Songs viel­schich­ti­ger. Man hört ih­nen an, dass sich The Black Salt viel Zeit neh­men, um an De­tails zu ar­bei­ten, oh­ne da­bei die Ecken und Kan­ten ab­zu­schlei­fen. Und wer The Black Salt in den ver­gan­ge­nen ein, zwei Jah­ren live ge­se­hen hat, hat viel­leicht auch be­merkt, dass sie kaum noch Songs aus ih­rem De­büt spie­len. «Sie pas­sen nicht mehr so gut ins Set», sagt Tho­ma.

Und The Black Salt ge­ben ih­ren Songs die Zeit, die sie brau­chen, um ih­re vol­le Wir­kung zu ent­fal­ten: Die bei­den kür­zes­ten dau­ern je­weils fünf­ein­halb Mi­nu­ten, al­le an­de­ren zwi­schen sechs und sie­ben. We­gen ih­rer Län­ge – und der Laut­stär­ke der Mu­sik, die die Ma­xi­mal­spiel­dau­er ei­ner LP ver­kürzt, je hö­her sie ist – fin­den sich auf dem Vi­nyl-Re­lease von Red Eye «nur» sechs Stü­cke; mehr hat­te auf der Ein­fach-LP schlicht nicht Platz. Zwei fer­ti­ge Tracks, dar­un­ter auch den im Ju­li di­gi­tal ver­öf­fent­lich­ten Dead Shadows – über sie­ben Mi­nu­ten lang –, muss­te das Trio über Bord wer­fen. Rein­hö­ren auf den gän­gi­gen Strea­ming­platt­for­men lohnt sich aber al­le­mal. Und sich die­ser Mu­sik live aus­zu­set­zen oh­ne­hin – dann wird sie noch kör­per­li­cher. 


The Black Salt – Red Eye: er­schie­nen am 23. Ok­to­ber auf Vi­nyl (li­mi­tiert auf 100 Ex­em­pla­re) und di­gi­tal. 
Live: Sams­tag, 31. Ok­to­ber, 21 Uhr, Bahn­hof Brug­gen, St.Gal­len (Plat­ten­tau­fe); Sup­port: Dim Ho­pe. 
theb­lack­salt.ch

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

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Theblacksalt1

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