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Ein vielschichtiger Koloss

Nach langer Wartezeit veröffentlichen Karluk endlich ihr erstes Album. Die St.Galler Alternative-Rock-Band bestätigt darauf all die Hoffnungen, die man seit Jahren in sie gesetzt hat. Am Samstag wird das Werk in der Grabenhalle getauft.
Von  David Gadze
Karluk taufen am Samstag ihre Platte in der Grabenhalle. (Bild: pd)

Es gibt diese Alben, und das sagt nichts über ihre Qualität aus, die man quasi nebenbei, mit einem Ohr kennenlernen kann, ehe man sich ihnen zweiohrig zuwendet und sie im besten Fall lieben lernt. Und dann gibt es jene Alben, die nebenbei überhaupt nicht funktionieren, die auf einem Ohr nur anstrengend und störend sind (was ebenfalls nichts über die Qualität aussagt), die vom ersten Ton an nach zwei Ohren verlangen, nach Platz, um sich zu entfalten.

Exordium, das erste Album der St.Galler Band Karluk, ist so ein Werk. Es schreit geradezu nach Aufmerksamkeit. Es ist ein Album, dem man sich mehrmals hingeben muss, um es in seiner ganzen Komplexität zu erfassen. Schon der Opener The Act, ein knapp zehnminütiger Alternative-Rock-Koloss, zeigt die Vielfalt, die in der Platte steckt. Er beginnt mit einer sanften Melodie, dann setzt Philippe Jüttners Gesang ein, erst brüchig, später brachial, ehe sich tonnenschwere Stoner-Riffs zu einem Gitarrenberg auftürmen, der am Schluss in sich einstürzt.

Diese klangliche Wucht, diese emotionale Kraft, diese Dynamik hauen einen um. Da ist aber auch die stilistische Vielfalt. Ob Hardcore Punk, Post-Rock, Doom Metal oder Stoner: Karluk mischen verschiedene Zutaten zu einem ganz eigenen Klanggebräu zusammen. Obwohl die Platte so divers ist, fällt sie nie auseinander, wirkt nie beliebig. Exordium ist ein Konzeptalbum über das Gefühl von Mittzwanzigern, überall zu sein und gleichzeitig nirgends richtig zu Hause. Das zeigt sich auch musikalisch: Es gibt immer wieder Riffs oder ganze Passagen, die in anderen Songs nochmal auftauchen.

Vor zehn Jahren ins Leben gerufen

Karluk gründeten sich im Frühling 2013, damals noch als Duo. Philippe Jüttner und Hasan Can hatten sich an der Kantonsschule am Burggraben bei den Proben für ein Musical kennengelernt. Die Wurzeln von Karluk gehen aber noch weiter zurück, und zwar auf die Band A Dead Frog’s Society (ehemals Breakout From Silence), in der die Brüder David und Philipp Meienhofer zusammen spielten. 2013 stiess Jüttner hinzu. Die Post-Hardcore-Gruppe löste sich später auf, doch die drei Musiker fanden bei Karluk wieder zusammen.

Die Musiker von Karluk sind auch in anderen Bands aktiv: Philippe Jüttner spielt bei der Schaffhauser Indie-Folk-Gruppe The Gardener & The Tree, die Meienhofer-Brüder sind bei der Metal-Combo Drill, den (derzeit inaktiven) Instrumental-Rockern Kolours (aus The Skrufs hervorgegangen, damals noch ohne David) und der Alternative-Math-Rock-Band Matterhurt. Philip Meienhofer ist zudem zusammen mit Elio Ricca bei Elio Ricca, Dominic Wirth ist solo poppig als Mutual Friend unterwegs und Patrick Widmer, ein Luzerner, spielt bei der Alternative-Rock-Band Tom Yee und begleitete schon diverse Innerschweizer Formationen von Jazz bis Black Metal.

Angedacht als Elektro-Bass-Projekt, entwickelten sich Karluk schnell zu einer richtigen Band. Und es dauerte nicht lange, bis sie mit ihrem vielschichtigen Alternative Rock erste Fussabdrücke in der Ostschweizer Musikszene hinterliessen. Schon 2014 – als Elio Ricca (die heutigen Mitmusiker Philip Meienhofer und Elio Ricca) bandXost gewannen – und 2015 standen Karluk im Final des Nachwuchs-Bandwettbewerbs. 2017 schloss sich auch Elio Ricca als festes Mitglied der Gruppe an, kurz darauf kam Patrick Widmer als zweiter Schlagzeuger hinzu, ehe er für Hasan Can an die Bassgitarre wechselte, als dieser nur noch als Sänger fungierte und 2019 Karluk wegen Zeitmangels schliesslich ganz verliess. Als letztes Bandmitglied stiess Dominic Wirth am Piano hinzu.

Material für zwei Alben

Damals nahmen Karluk auch ein Mini-Album auf, waren damit aber nicht zufrieden – und verwarfen es. «Wir stellten enttäuscht fest, dass die Aufnahmen klangmässig kaum über Demoqualität hinauskamen», sagt Jüttner. Doch die Songs überlebten und finden sich nun, teilweise überarbeitet, auf Exordium. Etwa die Hälfte der Platte besteht aus Stücken, die in die Anfangszeit der Band zurückreichen und sich über die Jahre zusammen mit ihr entwickelt haben (The Act, Hawk, Æthelflæd, Gridlock und der Rausschmeisser Kingdom), der Rest ist in den vergangenen paar Jahren entstanden.

Am Schluss hatten Karluk fast genügend Material für zwei Alben. Die neuen Songs, die nun nicht auf Exordium sind, seien noch düsterer, sagt Jüttner. Vier davon soll es an der Plattentaufe in der Grabenhalle zu hören geben, ebenso einen alten Track, der es nicht auf die Platte geschafft hat. 2025 könnte dann das zweite Album erscheinen. Innerhalb des nächsten Jahres will die Band ins Studio gehen, um erste Demos aufzunehmen.

Doch erstmal gilt es jetzt, den Hunger all jener zu stillen, die so lange auf diese Platte gewartet haben. Und hoffentlich viele neue Ohrenpaare zu finden.

Karluk: Exordium. Erhältlich auf den gängigen digitalen Plattformen sowie demnächst auf Vinyl (limitiert auf 300 Exemplare in drei Farbvarianten von jeweils 100 Stück) unter karluk.bandcamp.com.

Plattentaufe: 20. Mai, 20.30 Uhr, Grabenhalle St.Gallen;
Support: Bahnhofbuffet Chancental

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