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Von Transsilvanien in den Thurgau

Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.

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«Bece­n­év». Der jun­ge Mann tippt das Wort ins Han­dy. Spitz­na­me. Szi­li sei nur sein Spitz­na­me, ei­gent­lich heis­se er Szi­lamer. «Bes­ser», sagt er und dreht sich lä­chelnd zur Sei­te. Dort steht Jo­han­na, sei­ne Freun­din, und lä­chelt zu­rück. Sie reicht dem lan­gen, drah­ti­gen Mann bis zur Schul­ter. Die Ap­fel­bäu­me hin­ter ih­nen sind weit­aus grös­ser. Szi­lamer hat des­halb ge­lernt, auf den 1,5 Me­ter ho­hen Stel­zen zu ge­hen, mit de­nen die Äp­fel, die ganz oben wach­sen, ge­ern­tet wer­den. Nur ei­nen Tag ha­be er da­für ge­braucht – ein paar Mal sei er da­bei run­ter­ge­fal­len, sagt Szi­lamer lä­chelnd.

Szi­lamer ist 24 Jah­re alt, Jo­han­na 23. Das jun­ge Paar kommt aus Er­dé­ly, ei­nem Teil Ru­mä­ni­ens, der frü­her zu Un­garn ge­hör­te und bes­ser be­kannt ist un­ter dem Na­men Trans­sil­va­ni­en. Von Er­zäh­lun­gen und My­then über Wer­wöl­fe, Vam­pi­re und Dra­chen ge­prägt, liegt das Ge­biet im Her­zen Ru­mä­ni­ens, um­ge­ben von den Kar­pa­ten.

Sie sei­en un­ga­ri­sche Ru­mä­nen, be­merkt Jo­han­na be­stimmt. Auf­ge­wach­sen ist sie in ei­nem Ort na­mens Esz­tel­nek, Szi­lamer im be­nach­bar­ten Kéz­dis­zent­ke­reszt. Zwei klei­ne Dör­fer und un­zäh­li­ge Fel­der, so­weit das (Goog­le-Maps-)Au­ge reicht. «Ern­te­ar­bei­ten und Trak­tor­fah­ren sind für uns nichts Neu­es», er­zählt die jun­ge Frau, die ih­re hell­brau­nen Haa­re hoch­ge­bun­den trägt. Denn bei­de sind auf Bau­ern­hö­fen gross ge­wor­den. Al­ler­dings ern­ten sei­ne El­tern auf ih­rem Hof nicht Äp­fel, wirft Szi­lamer ein, son­dern hal­ten Tie­re: «Kü­he, Scha­fe und Schwei­ne.»

«Kommt mit!»

Seit Kur­zem sind Jo­han­na und Szi­lamer ver­lobt. Den An­trag ha­be er ihr zu Hau­se ge­macht, nicht auf dem Feld, er­zählt 
Szi­lamer lä­chelnd. Er spricht ge­bro­chen Deutsch, Jo­han­na scheint viel zu ver­ste­hen und flüs­tert ihm oft Ant­wor­ten zu. Ein On­line-Tool un­ter­stützt beim Über­set­zen. Ken­nen­ge­lernt ha­ben sie sich über den ge­mein­sa­men Freun­des­kreis – «vor fast sie­ben Jah­ren», sagt die 23-Jäh­ri­ge. Di­rekt nach dem Schul­ab­schluss ha­ben sie be­gon­nen, in Deutsch­land und in der Schweiz 
zu ar­bei­ten.

Szi­lamer blickt beim Spre­chen im­mer wie­der zu Jo­han­na. Auch als er er­zählt, dass ein Freund ih­nen vom Kir­schen­pflü­cken hier er­zählt ha­be. «Kommt mit!», ha­be der Freund ge­sagt. Vier Jah­re sei das her, wirft Jo­han­na ein. Und es sol­len noch wei­te­re vier oder fünf wer­den. Szi­lamer nickt be­stimmt und schaut in die Ap­fel­rei­he zu sei­ner Lin­ken: «Die Ar­beit ge­fällt uns. In Ru­mä­ni­en gibt es kei­ne Ar­beit und kein Geld.» – «Und wir spa­ren auf ein ei­ge­nes Haus», sagt Jo­han­na und schaut ih­ren Ver­lob­ten viel­ver­spre­chend an.

Woh­nen ist für vie­le Men­schen in Ru­mä­ni­en ei­ne fi­nan­zi­el­le Her­aus­for­de­rung. Mie­ten kön­nen sich vie­le nicht leis­ten, denn die sind im Ver­hält­nis zu den Löh­nen sehr hoch. Meist bleibt dann nichts an­de­res üb­rig, als auf den Hö­fen der El­tern woh­nen zu blei­ben oder sich selbst ein Haus zu kau­fen, was oft güns­ti­ger ist, als zur Mie­te zu woh­nen.

Zu Hau­se ist es am schöns­ten

Für Jo­han­na und Szi­lamer be­ginnt die Sai­son En­de Ja­nu­ar in ei­nem Gärt­ne­rei­be­trieb in Deutsch­land. Wenn die Tem­pe­ra­tu­ren En­de Mai stei­gen, fah­ren sie wei­ter in die Schweiz, wo sie in Fru­thwi­len bei der Kir­schen­ern­te hel­fen. Da­nach geht es erst­mal zu­rück nach Hau­se, nach Trans­sil­va­ni­en. Zu ih­ren Fa­mi­li­en. Dort sei es am schöns­ten, sagt Jo­han­na. Im Ge­bir­ge. Des­we­gen ge­fal­le ih­nen auch die Schweiz so sehr: «Die vie­len Ber­ge und die Aus­sicht er­in­nern uns an Er­dé­ly.» Im weis­sen Trans­por­ter des künf­ti­gen Ehe­paars neh­men oft auch Kol­leg:in­nen Platz – Jo­han­na und Szi­lamer neh­men sie mit, aus Ru­mä­ni­en in die Schweiz und um­ge­kehrt. Da­mit spa­ren sie sich Rei­se­kos­ten. Und im Sep­tem­ber ste­hen sie dann wie­der auf den Fel­dern in Fru­thwi­len, um die rei­fen Äp­fel zu pflü­cken.

Im Ge­päck: Leib­spei­sen aus der Hei­mat. «Vor al­lem Fleisch und Ge­wür­ze – das brau­chen wir für fast je­des Ge­richt», er­zählt Jo­han­na. Auf Ralph Gilgs Hof sind sie sel­ber für die Ver­pfle­gung zu­stän­dig. Abends, wenn sie vom Feld zu­rück­keh­ren, be­rei­ten sie ge­mein­sam das Es­sen vor und un­ter­hal­ten sich mit Kol­leg:in­nen. Und ru­hen sich aus. Wenn die Ar­beit auf dem Hof es zu­lässt, sind die bei­den am liebs­ten draus­sen: «Wann im­mer wir kön­nen, ge­hen wir wan­dern oder im na­he­ge­le­ge­nen Wald spa­zie­ren.»

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

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Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

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Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
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Von Viviane Sonderegger,
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Es kratzt, knallt und schep­pert

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Von Jeremias Heppeler,
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