Chillen am Steinachstrand
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Die Steinach ist entlang der Altstadt seit über 120 Jahren eingedohlt. Die Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» zeigt, dass eine Offenlegung – wie hier vor dem Karlstor – möglich wäre. (Bilder/Visualilsierungen: Grünes Gallustal)
Die Steinach, je nach Regenmenge ein Bächlein oder ein laut rauschender Fluss in der Mülenenschlucht am Rande des St.Galler Klosterviertels, verschwindet bei der Talstation der Mühleggbahn im Untergrund. Das Wasser fliesst über einen von oben zu beobachtenden, spektakulären Wirbelschacht, seit 1991 im Steinachstollen weiter. Dieser führt es nach St.Fiden, zur Lukasmühle, wo die Steinach wieder zum Fluss wird.
Das ursprüngliche Bachbett der Steinach gibt es schon seit über 120 Jahren nicht mehr. Weil die wachsende Bevölkerung den Bach immer mehr für ihr Abwasser nutzte, verlegte die Stadt ihn ab dem späteren 19. Jahrhundert in eine Dohle: Der stinkende Bach wurde kanalisiert und zugedeckt. In dieser Dohle fliesst bis heute Abwasser, gemischt mit Meteorwasser, und wenns plötzlich stark regnet, wird die Dohle auch zum Überlauf des Steinachstollens.
Seit Jahrzehnten ist von der Offenlegung der Steinach die Rede. Lange dachte man an einen kanalähnlichen Bach. Jetzt hat der Verein Grünes Gallustal auf eigene Initiative und mit Unterstützung des Wasserbaubüros Ingenias ein Projekt ausgearbeitet, das einen offenes, leicht mäandrierendes Bachbett mit grüner Umgebung als realisierbare Variante zeigt. Dieses Projekt übergeben die Initiant:innen des Vereins Grünes Gallustal nun der Stadt und dem Kanton. Reto Schmid, Präsident des Vereins, sowie die Projektleiterinnen Jasmin Kaufmann und Aurelia Winter stellten es aus diesem Anlass am Montag den Medien vor.
Die «Alte Steinach» kann über dem Trassee der rund drei Meter unter den Strassen liegenden Steinachdohle angelegt werden, erklärte Ingenias Projektleiter Georg Fässler. Oben an der Moosbruggstrasse wird der neue Bach aus einem Rohr mit Wasser aus dem Becken bei der Mühleggbahn-Talstation gespiesen. 20 Liter pro Sekunde sollen es mindestens sein. Der Garten des Bischofssitzes könnte in die Gestaltung miteinbezogen werden, die Katholische Administration habe Interesse signalisiert.
Die Moosbruggstrasse heute ...
... und in der Vision «Alte Steinach».
Auch vor dem Karlstor zeigen die Renderings einen gemütlichen Platz. Das Bachbett selber soll zwischen 60 Zentimeter und einem Meter tief werden. Die Moosbruggstrasse bleibt befahrbar, Brücken über die wieder oberirdische fliessende Steinach erschliessen die Gebäude auf der Altstadtseite und das Karlstor.
Die Lämmlisbrunnenstrasse ...
... vor der Kanti am Burggraben.
Vor dem Spisertorkreisel taucht die «Alte Steinach» in ein Rohr ab und kommt vor dem Bibliotheksgebäude der Kantonsschule wieder ans Licht. Die naturnahe Gestaltung könnte bis zur Einmündung der Lämmlisbrunnenstrasse in die Rorschacherstrasse reichen. Die Renderings versprechen Spiel- und Picknickplätze und Wasserplätschern neben Restaurantstühlen. Ab der Rorschacherstrasse muss die neue «Alte Steinach» wieder in ein Rohr, das an der Wand der Steinachdohle geführt werden kann, denn das Bachwasser darf nicht in die Kläranlage geleitet werden. Dorthin fliesst das Wasser in der Dohle.
Wasserbautechnisch sie das alles machbar und auch die Verkehrserschliessung sei gewährleistet, betonten die Initant:innen. Der Leitungskataster sei überprüft und viele Fachstellen seien bereits informiert und hätten teils Verbesserungen eingebracht. Kurz: Diese Freilegung sei machbar und nicht zuletzt zusammen mit dem Bau der Fernwärme auch relativ kostengünstig. Die zweimal gut 300 Meter «Alte Steinach» in den beiden Strassenabschnitten kosteten nach aktuellen Schätzungen rund 7,4 Millionen Franken.
Wenn man die potenziellen Hochwasserschäden gegenrechne, die bei Starkregen im gefährdeten Gebiet entlang der Moosbrugg- und der Lämmlisbrunnenstrasse Gebäude beschädigen könnten, liege die Kosten-/Nutzenrechnung im positiven Bereich zugunsten des vorgestellten Projekts. Denn die neue «Alte Steinach» fasse auch viel Meteorwasser und verringere damit das Überschwemmungsrisiko.
St.Gallen hat im inneren Stadtgebiet kaum mehr offene Bäche. Die Steinach, der Irabach und dutzende kleinere Fliessgewässer sind seit Generationen eingedohlt – total sind es 300 Kilometer Bachdohlen auf Stadtgebiet. Dabei werden Wasserläufe in Zeiten steigender Temperaturen und ökologisch immer wichtiger, betonten die Vertreter:innen des Grünen Gallustals. St.Gallen tue gut daran, diese Aufwertungen umzusetzen. Entscheiden müsse aber die Politik – und die kommt mit der offiziellen Weiterleitung des Projekts nun zum Zug. Auf dass wir dereinst an den Schattenplätzchen der «Alten Steinach» chillen können.
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
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