Um die Biodiversität in der Stadt St.Gallen steht es schlecht. In den vergangenen 40 Jahren sind diverse Pflanzen- und Tierarten verschwunden, weitere sind kurz davor. Dem will unter anderem das Projekt «Grünes Gallustal» entgegenwirken, dem wir in unserem aktuellen Heft einen Schwerpunkt gewidmet haben. Aber auch die Stadt St.Gallen hat die Zeichen der Zeit erkannt und will die Vielfalt von Flora und Fauna mit ihrer Biodiversitätsstrategie fördern.
Jetzt sagen auch drei Studenten dem Artensterben den Kampf an: Leonhard Kick und Mohammed El-Haj, die an der Universität St.Gallen Internationale Beziehungen studieren, sowie Tobias Lippuner, Student der Wirtschaftsinformatik an der Uni Zürich, haben das Projekt «Naturperlen» ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, einen Beitrag zur Biodiversität in der Region und somit auch zum Klimaschutz zu leisten. Dieses setzen sie auch in die Tat um: Am Sonntag, 2. April, pflanzen sie an fünf verschiedenen Standorten in der Region insgesamt 200 Setzlinge.
Hochstämmer, einheimische Bäume und Hecken
«Naturperlen» ist aus einem Start-up hervorgegangen, das Kick und Lippuner 2020 gründeten. Sie produzieren Studentenfutter, das ausschliesslich regionale Zutaten von Hochstammbäumen beinhaltet. Viele davon sind Pro-Specie-Rara-zertifiziert. Dies brachte die Studenten auf die Idee, ein Projekt für die Förderung ebendieser Bäume ins Leben zu rufen.
Im vergangenen Jahr führten die drei Studenten die Bepflanzungsaktion erstmals durch, damals noch ausschliesslich mit Hochstammbäumen. Dieses Jahr werden nun auch einheimische Bäume und Hecken gepflanzt.
Der organisatorische Aufwand sei sehr gross, darum finde die Aktion nur einmal pro Jahr statt, sagt Mohammed El-Haj. Zudem sei es eine grosse Herausforderung, die passenden Grünflächen zu finden. Diesmal werden mit mehreren Helfer:innen drei Bauernhöfe in St.Gallen, Waldkirch und Rorschacherberg sowie Areale der Gemeinden Flawil und Uzwil bepflanzt. Sie hätten auch mit der Stadt St.Gallen Kontakt aufgenommen, doch keine Grünflächen für ihr Projekt zur Verfügung gestellt bekommen. Die Pflege der Pflanzen übernehmen die Besitzer:innen der Höfe und die Gemeinden.
Aufmerksamkeit für Biodiversität erhöhen
Das Ziel ist laut El-Haj, «Naturperlen» künftig jedes Jahr durchzuführen – und das Bepflanzungsgebiet mittelfristig auf die Kantone Thurgau und beide Appenzell zu vergrössern. Voraussetzung dafür ist eine sichere Finanzierung. Für die diesjährige Austragung haben Kick, Lippuner und El-Haj auf der Plattform Lokalhelden ein Crowdfunding gestartet; die Finanzierungsschwelle von 5000 Franken haben sie Stand heute knapp nicht erreicht, es fehlen noch rund 200 Franken. Dennoch wird die Pflanzungsaktion am Sonntag wie geplant durchgeführt.
Mit «Naturperlen» wollen Leonhard Kick, Mohammed El-Haj und Tobias Lippuner die Aufmerksamkeit für Biodiversität und Nachhaltigkeit erhöhen. «Es soll eine Community entstehen, die das ganze Projekt voranbringt», sagt El-Haj. So könnte «Naturperlen» eine wertvolle Ergänzung zum «Grünen Gallustal» und der Biodiversitätsstrategie der Stadt werden. Ohne die Unterstützung der Bevölkerung geht es jedoch nicht.
Alle Informationen zum Projekt findet man auf lokalhelden.ch/naturperlen. Dort kann man sich auch für die Pflanzungsaktion vom 2. April anmelden. Die Teilnahme steht allen Interessierten offen.
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