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«Wir nannten ihn ‹Sunny› wegen seines aufgestellten Gemüts»

Urs Ullmann (10.8.1946–13.9.2026), fotografiert 2023 in Altnau. (Bilder: UOK) 

Urs Ullmann (10.8.1946–13.9.2026), fotografiert 2023 in Altnau. (Bilder: UOK) 

Der Thurgauer Urs Ullmann war Galerist, Journalist und Musikmanager. Mitte September ist er nach längerer Krankheit in Zürich gestorben, wo er seit über 50 Jahren lebte. Journalist Urs Oskar Keller kannte ihn seit über 60 Jahren. Sein Nachruf. 

Urs Au­gust Ull­mann, ge­bo­ren am 10. Au­gust 1946, wuchs un­ter an­de­rem in Münchwi­len, Alt­nau, Frau­en­feld, Tä­ger­wi­len und Kreuz­lin­gen auf, da sein Va­ter bei der Kan­tons­po­li­zei Thur­gau ar­bei­te­te und al­le fünf Jah­re den Ar­beits­ort wech­seln muss­te. Sei­ne Mut­ter Di­na «Ni­ni» Ull­mann-La­re­se war die Schwes­ter des im ita­lie­ni­schen Ort Can­di­de di Ca­do­re (Ve­ne­ti­en) ge­bo­re­nen Schrift­stel­lers Di­no La­re­se aus Am­ris­wil. 

Urs be­such­te von 1962 bis 1967 das Leh­rer­se­mi­nar (heu­te: Päd­ago­gi­sche Ma­tu­ri­täts­schu­le) in Kreuz­lin­gen. «Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts», er­in­nert sich sein da­ma­li­ger Klas­sen­ka­me­rad Uwe Moor, der spä­ter Kon­vikt­lei­ter der In­sti­tu­ti­on war. In die­ser Zeit spiel­ten die bei­den zu­sam­men in der Thea­ter­grup­pe des US-ame­ri­ka­ni­schen Psy­cho­lo­gen Nor­man El­rod im No­belsa­na­to­ri­um «Bel­le­vue» in Kreuz­lin­gen mit. Thea­ter und das Zir­zen­si­sche ge­fie­len Urs. An der Uni­ver­si­tät Zü­rich schloss Ull­mann 1978 sein Psy­cho­lo­gie­stu­di­um ab. 

Die Liegenschaft der ehemaligen Erker-Galerie an der Gallusstrasse 30 in St.Gallen. 

Die Liegenschaft der ehemaligen Erker-Galerie an der Gallusstrasse 30 in St.Gallen. 

Wäh­rend Jahr­zehn­ten ar­bei­te­te Urs Ull­mann in der re­nom­mier­ten, 1958 er­öff­ne­ten Er­ker-Ga­le­rie und dem gleich­na­mi­gen Ver­lag von sei­nem On­kel Franz La­re­se (1927-2000) und Jürg Ja­nett in St.Gal­len. Nach La­re­ses Tod lei­te­te Ull­mann ge­mein­sam mit Sil­via No­to die Ga­le­rie und prä­si­dier­te auch die Stif­tung Franz La­re­se und Jürg Ja­nett mit Sitz in St.Gal­len (in­ak­tiv seit 2020). 

Ma­na­ger von Edo­ar­do Ben­n­a­to

Urs war kom­mu­ni­ka­tiv, em­pa­thisch, kol­le­gi­al, hilfs­be­reit und oh­ne Dün­kel. Als jun­ger Mann reis­te er mit sei­nem Au­to fast ein Jahr lang durch Ita­li­en. Er lern­te die Spra­che und tauch­te tief ein in die Ita­lia­ni­tà – die Be­geis­te­rung für die Mu­sik der Can­t­au­to­ri nahm ih­ren An­fang. Da­bei knüpf­te er auch Kon­tak­te zu Mu­si­ker:in­nen: An­ge­lo Bran­du­ar­di, Gi­an­na Nan­ni­ni (die ihn ger­ne als Ma­na­ger ge­habt hät­te), Fa­bri­zio De An­dré, Lu­cio Dal­la, Eros Rama­zot­ti und an­de­ren. Auch Be­su­che am Fes­ti­val del­la Can­zo­ne Ita­lia­na (San­re­mo Fes­ti­val), dem be­rühm­tes­ten Mu­sik­wett­be­werb Ita­li­ens an der li­gu­ri­schen Küs­te, ge­hör­ten in sei­ne Agen­da. 

1979 lern­te Urs Ull­man den er­folg­rei­chen nea­po­li­ta­ni­schen Rock­mu­si­ker Edo­ar­do Ben­n­a­to ken­nen, als er des­sen Tour­nee durch die Schweiz or­ga­ni­sier­te. In den 1980er- und 1990er-Jah­ren war Ull­mann Ben­n­a­tos Ma­na­ger, Pro­du­zent und Kon­zert­ver­an­stal­ter aus­ser­halb Ita­li­ens. Ben­n­a­to war im Som­mer 1980 der ers­te ita­lie­ni­sche Mu­si­ker, der das Sta­di­on San Si­ro in Mai­land mit rund 80’000 Fans aus­ver­kauf­te. Dank Ull­mann gab der be­rühm­te Can­t­au­to­re im April 1981 im Kreuz­lin­ger «Thea­ter an der Gren­ze», das Nor­man El­rod 1968 ge­grün­det hat­te, vor 100 Be­su­cher:in­nen zu­sam­men mit dem Bünd­ner Mu­si­ker Mir­ko Priu­li ei­nen über­ra­schen­den Gast­auf­tritt. Hier­zu­lan­de dürf­te Ben­n­a­to den meis­ten durch Un’es­tate ita­lia­na be­kannt sein, die Hym­ne der Fuss­ball-WM 1990 in Ita­li­en, die er zu­sam­men mit Gi­an­na Nan­ni­ni sang. 

Die bei­den Freun­de stan­den bis zum Schluss re­gel­mäs­sig in Kon­takt. Ben­n­a­to sand­te Urs sei­ne neu­en Songs und frag­te ihn nach des­sen Mei­nung. Der 80-jäh­ri­ge Mu­si­ker plan­te, die­ses Jahr sei­nen gleich­alt­ri­gen ehe­ma­li­gen Ma­na­ger in Zü­rich zu be­su­chen. Aus­ser­dem hat­ten Ben­n­a­to und sein Ma­nage­ment Urs Ull­mann in Mai­land be­reits Ho­tel und Plät­ze für das letz­te Kon­zert der «Quan­do sarò gran­de»-Tour Mit­te Sep­tem­ber in Mai­land re­ser­viert. 

Ein un­bän­di­ger Freund der frei­en Me­di­en

Am Sonn­tag, 13. Sep­tem­ber, dem Tag sei­nes To­des, rief mich Urs Ull­mann zum letz­ten Mal aus der Kli­nik Hirs­lan­den in Zü­rich an. Es gab Kom­pli­ka­tio­nen mit sei­ner At­mung und die La­ge war we­gen sei­ner Lun­gen­fi­bro­se ernst. Urs sprach mit kla­rer Stim­me, auf­merk­sam, dank­bar, freund­lich, un­ge­schönt und sehr ge­fasst. Ich ge­den­ke sei­ner in Dank­bar­keit: Urs hat mich auf mei­nem Weg in den Jour­na­lis­mus be­glei­tet. Er war ein un­bän­di­ger Freund der frei­en Me­di­en. Um 1965 un­ter­rich­te­te uns Urs im his­to­ri­schen Schul­haus Fel­sen­schlöss­li in Kreuz­lin­gen wäh­rend sei­ner Aus­bil­dung am dor­ti­gen Leh­rer­se­mi­nar im ehe­ma­li­gen Klos­ter. Spä­ter war er für kur­ze Zeit in Tä­ger­wi­len als Päd­ago­ge en­ga­giert.

Ru­he in Frie­den, lie­ber Freund! 


Die Trau­er­fei­er für Urs Ull­mann fand am 14. Ok­to­ber im Fried­hof Fl­un­tern in Zü­rich statt. Ge­lei­tet wur­de sie von Ro­land Wäs­pe, von 1989 bis 2022 Di­rek­tor des Kunst­mu­se­ums St.Gal­len. Zum Ab­schluss er­klang der Song L'iso­la che non c'è von Edo­ar­do Ben­n­a­to, der auch ei­ne per­sön­li­che Ab­schieds­bot­schaft über­bracht hat­te. 

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
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Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
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Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
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Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
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Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43

Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57

Heppelers Bestiarium

100 Jah­re Ein­sam­keit

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Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

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Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

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Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
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Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild