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Hoffnung in einer versteinerten Welt

Alexander Raschle (Bild: pd)

Alexander Raschle (Bild: pd)

In seinem Romandebüt Réduit nimmt der St.Galler Autor Alexander Raschle die Leser:innen mit in die alpine Festungsanlage – und in die Zeit des Kalten Krieges, als die Welt auch in der Schweiz am Abgrund stand.

Der Ti­tel von Alex­an­der Rasch­les Ro­man­de­büt Ré­duit weckt As­so­zia­tio­nen. Zum ei­nen ist da, als Re­likt aus der Zeit des Zwei­ten Welt­kriegs, die bau­lich in die Tat um­ge­setz­te Idee von ei­ner un­ein­nehm­ba­ren Al­pen­fes­tung. In der Rea­li­tät ge­tes­tet wur­de sie nie, die Idee bleibt aber bis heu­te ein schwei­ze­ri­scher My­thos. Zum an­dern gibt es auch geis­tig-see­li­sche Ré­duits, wie sich im Lau­fe die­ses kur­zen Ro­mans ein­dring­lich er­weist.  

Es sind die 1960er-Jah­re, die Zeit des Kal­ten Krie­ges, als Sol­da­ten in der streng ge­heim ge­hal­te­nen Gott­hard-Fes­tung zu ei­nem Wie­der­ho­lungs­kurs an­tre­ten. Vier von ih­nen, die Haupt­prot­ago­nis­ten des Ro­mans, sind zu spät dran, be­schul­di­gen sich ge­gen­sei­tig da­für und wer­den erst nach län­ge­rem War­ten in die Fes­tung ein­ge­las­sen. Was sie an­tref­fen, sind an­de­re jun­ge Män­ner, nicht glück­lich dar­über, drei Wo­chen im Bun­ker ver­brin­gen zu müs­sen. Nach dem Sinn zu fra­gen, ist ver­geb­lich, es gilt, ein­fach nur zu ge­hor­chen. Ein­zi­ger Trost ist, dass sie al­le zu­sam­men im glei­chen Berg­loch sit­zen und kei­ner ent­flie­hen kann. 

Schuld und Ver­ge­bung

Ein­mal nur dür­fen sie in den Aus­gang und wer­den hin­ter den Dienst­gra­den wie­der zu Men­schen. Nach der letz­ten Übung ist noch nicht Schluss, der Kom­man­dant ver­kün­det den Ernst­fall. Nie­mand weiss Ge­naue­res, die Sol­da­ten müs­sen blei­ben und schliess­lich auch noch auf ei­nen Straf­marsch, der sie an die Gren­zen ih­rer Lei­dens­fä­hig­keit bringt.

Vor die­sem Hin­ter­grund ent­fal­tet sich ein an­de­res Dra­ma, das­je­ni­ge der vier Spät­an­kömm­lin­ge. Al­le vier tra­gen Ge­heim­nis­se mit sich, sind ge­plagt von nicht auf­ge­ar­bei­te­ten tra­gi­schen Er­eig­nis­sen. Al­le­samt rin­gen sie mit Schuld, hof­fen auf Ver­ge­bung oder Er­lö­sung, ha­dern, flu­chen, strei­ten. Ei­ner will ei­nen Ka­me­ra­den im Streit er­schies­sen. Dies miss­lingt, weil sein Ge­wehr nur mit Platz­pa­tro­nen ge­la­den ist. Vie­les von die­sem Dra­ma wird – vom Au­tor ge­konnt ge­stal­tet – nur an­ge­deu­tet oder erst im Ver­lauf der Ge­schich­te nach­voll­zieh­bar ent­schlüs­selt. 

Die Vier er­hal­ten vom Haupt­mann den Be­fehl, zu­sam­men in ei­nem schlecht ein­ge­rich­te­ten und kal­ten Bun­ker auf 2500 Me­ter über Meer aus­zu­har­ren. Ir­gend­wann ist auch für sie, wie für die an­de­ren aus der Kom­pa­nie, Schluss. Sie tref­fen sich am Ufer ei­nes Berg­sees wie­der, wis­sen aber nicht, wo sie ge­nau sind, und ent­schlies­sen sich zu blei­ben. Nah bei­ein­an­der am Was­ser sit­zend, hor­chen sie auf den Atem des Nächs­ten und das Po­chen des Her­zens. Es ist gut so, und da­mit ist das En­de des Ro­mans ge­kom­men. «Als wä­re die Welt», schliesst ihn der Au­tor, «nicht mehr da, als wä­re man selbst nicht mehr in der Welt. So­dass man, wenn man ge­mein­sam wie­der auf­steht, sie un­ter­wegs neu er­schaf­fen kann, so wie sie sein soll­te und sein wird.»

Zeit­ge­mäss und span­nend 

Ob­wohl von der Zeit sei­nes Ge­sche­hens ir­gend­wie aus der Zeit ge­fal­len, ist der Ro­man den­noch ak­tu­ell, denn er be­han­delt blei­ben­de The­men: das Zer­bre­chen von Fas­sa­den, das Zer­split­tern von Ge­mein­schaf­ten, Ver­zweif­lung, ei­ne Welt am Ab­grund, die Hoff­nung auf ei­ne bes­se­re Welt.

Alex­an­der Rasch­le kann Li­te­ra­tur. Er schreibt prä­zi­se und den­noch far­big und schafft, fern von jeg­li­chem Kitsch, ein­drück­li­che und stim­mi­ge Bil­der. Da­bei hält er die Span­nung bis zum Schluss auf­recht. Das De­büt die­ses fast 40-jäh­ri­gen Au­tors, der in St.Gal­len lebt, lässt auf Wei­te­res von ihm hof­fen.

Alex­an­der Rasch­le: Ré­duit. Or­te Ver­lag, He­ris­au 2026.
ver­lags­hu­us.ch

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
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Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
Theblacksalt1

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Bücherherbst: Réduit von Alexander Raschle

Hoff­nung in ei­ner ver­stei­ner­ten Welt

Von Richard Butz,
Bildschirmfoto 2026 10 28 um 16 11 18

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
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Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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