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Hitze und Dürre im Bundeshaus

Die Klimaseniorinnen im Bundeshaus mit den Nationalrätinnen Marionna Schlatter (4. v. l.) und Franziska Ryser (2. v. r.). Beatrice Häfliger steht links neben Schlatter. (Bild: pd)

Die Klimaseniorinnen im Bundeshaus mit den Nationalrätinnen Marionna Schlatter (4. v. l.) und Franziska Ryser (2. v. r.). Beatrice Häfliger steht links neben Schlatter. (Bild: pd)

Fünf Ostschweizer Klimaseniorinnen sind nach Bern gefahren und haben der Klimadebatte im Nationalrat gelauscht. Ein Ausflugsbericht.

Ich ha­be mich ge­fragt, wes­halb ich mir das an­tue, aber nun sit­ze ich im neu­en, schwar­zen Kli­ma­se­nio­rin­nen-T-Shirt mit blau­er Auf­schrift im Zug nach Bern, um als Mahn­mal an der De­bat­te teil­zu­neh­men.

«Ich will kein T-Shirt, wir Kli­ma­se­nenio­rin­nen ver­wen­den die Far­be hell­blau», sagt die Kol­le­gin ne­ben mir. «Ich hät­te auch lie­ber hell­blau ge­habt, aber für den Be­such im Bun­des­haus ist es wich­tig, dass gleich er­sicht­lich ist, wer wir sind.» Die Kol­le­gin ne­ben mir steckt sich den Na­mens­knopf an den Pul­li.

Spä­ter, in der Wan­del­hal­le, wer­den wir fünf Se­nio­rin­nen aus der Ost­schweiz von un­se­rer Gast­ge­be­rin, ei­ner lin­ken Na­tio­nal­rä­tin, vor­ge­stellt. Sie ist Mit­glied der Kom­mis­si­on für Um­welt, Raum­pla­nung und En­er­gie. Ich kom­me mit ihr ins Ge­spräch:

«Wie ist Bun­des­rat Rös­ti so?» – «Man muss wis­sen im Bun­des­haus herrscht ein freund­li­cher Um­gangs­ton. Ich kann gut mit ihm strei­ten.» – «Wes­halb hat das The­ma Kli­ma­schutz bei ihm kei­ne Dring­lich­keit?» – «Dar­an ist nicht nur Al­bert Rös­ti Schuld. Die an­de­ren Bun­des­rä­te wi­der­spre­chen ihm nicht.» – «Das ist ja wie bei Trump! Der Ver­gleich ist viel­leicht et­was krass, aber der Me­cha­nis­mus scheint mir der­sel­be.» – «Der Ver­gleich ist nicht krass. Er ist wie Trump, im­mer ge­witz­ter als sein Ge­gen­über. Nie­mand will sich mit ihm an­le­gen.» Ich schlu­cke leer, at­me durch: «Wem will er ge­fal­len?» – «Bei sei­nen Ent­schei­den folgt er sei­nen Leu­ten.» – «Wer sind sei­ne Leu­te?» – «Ach, die ‹Fos­si­len›.» – «Kön­nen Sie mit ih­nen re­den?» – «Ich wer­de von ih­nen auch zur Kom­mis­si­on ein­ge­la­den, aber die hö­ren dir nicht zu. Aber», fügt sie an, «die Stim­mung im Bun­des­haus ist seit die­sem Som­mer ei­ne an­de­re: Die Hit­ze und die Dür­re macht das Par­la­ment be­trof­fen.»

Die Mit­tags­pau­se ver­brin­gen wir Kli­ma­se­nio­rin­nen im klei­nen Ca­fé im Bun­des­haus. Auf­grund mei­nes T-Shirts wer­de ich von ei­ner Na­tio­nal­rä­tin der Rech­ten scharf an­ge­schaut. Wir set­zen uns ne­ben sie an ein Tisch­chen. Es kommt zwi­schen uns zu ei­ner emo­tio­na­len Aus­ein­an­der­set­zung. Die Na­tio­nal­rä­tin regt sich auf, dass wir Kli­ma­se­nio­rin­nen mei­nen, al­lein für die nächs­ten Ge­ne­ra­tio­nen ein­zu­ste­hen. «Ich ha­be vier Kin­der!» – «Eben! Wir müs­sen die­ses Links und Rechts hin­ter uns las­sen, sonst än­dert sich nie et­was.» Die Na­tio­nal­rä­tin schaut mich auf­merk­sam an. Wir kom­men in ein Ge­spräch von Frau zu Frau: «Ihr wollt le­ben wie im Ni­ger!» Ich: «Im­mer die­se Ex­tre­me!» – «Ja, die­se Ex­tre­me. Aber, wenn wir die Wirt­schaft für fos­si­le En­er­gien an die Wand fah­ren, dann ist auch fer­tig mit dem Kli­ma­schutz. Denn die­ser Wirt­schafts­zweig fi­nan­ziert den Kli­ma­schutz.» – «Ach ja, ist das so?»

Als die Na­tio­nal­rä­tin ge­gan­gen ist, lie­fert mir ei­ne Kol­le­gin das Ar­gu­ment, das mir beim Re­den in der Hek­tik ab­han­den­ge­kom­men ist: «Wenn wir we­ni­ger brau­chen, ist schon viel für den Kli­ma­schutz ge­tan.» Ich: «Es ist wie beim Turm zu Ba­bel: Wir ar­bei­ten am sel­ben Bau­werk, oh­ne uns zu ver­ste­hen. Nur heu­te liegt es nicht wie frü­her an der Spra­che, das Un­ver­ständ­nis zeigt sich in je­der Fa­mi­lie.»

Sze­nen­wech­sel: Von der Gäs­te­tri­bü­ne aus schau­en wir der De­bat­te über Hit­ze und Dür­re im Na­tio­nal­rat zu. Bun­des­rat Rös­ti ti­gert vor dem Pult hin und her, be­vor er sich auf den Ses­sel im Po­di­um setzt. Wäh­rend der gan­zen De­bat­te trinkt er al­le paar Mi­nu­ten aus di­ver­sen Fla­schen und Be­chern, steckt sich Pra­li­nés in den Mund, wäh­rend er den In­ter­pel­la­tio­nen folgt. Wir Kli­ma­se­nio­rin­nen sind uns ei­nig: Er ist ner­vös. Der Druck aus dem Volk ist bei ihm an­ge­kom­men. In sei­ner Ant­wort auf die zahl­rei­chen Bei­trä­ge der Na­tio­nal­rä­te stellt er sei­ne Ar­beit in ein gu­tes Licht und zum Schluss be­ant­wor­tet er je­de Fra­ge freund­lich. Wie ein Man­tra wie­der­holt er im­mer wie­der, dass er tut, was er kann. Aber die Kan­to­ne und Ge­mein­den müss­ten sich auch be­we­gen. Ihm zu­zu­hö­ren, schlä­fert ein.

Als dar­auf hin­ge­wie­sen wird, dass die Hit­ze 600 To­des­op­fer ge­for­dert hat, um das The­ma Kli­ma­schutz prio­ri­tär zu be­hal­ten, auch dann, wenn das Kli­ma sel­ber nicht re­kla­miert, wird hin­ter sei­ner ein­füh­len­den Ant­wort spür­bar, dass das En­ga­ge­ment für die «Fos­si­len» da­zu führt, in­ner­lich zu ver­stei­nern.

Bea­tri­ce Häf­li­ger, 1959, ist im Aar­gau auf­ge­wach­sen und lebt seit 36 Jah­ren im Tog­gen­burg. Die Schul­so­zi­al­ar­bei­te­rin, Künst­le­rin und Buch­au­to­rin en­ga­giert sich bei den Kli­ma­se­nio­rin­nen. Im Früh­ling hat sie ih­ren zwei­ten Ro­man Der zer­sprin­gen­de Blick pu­bli­ziert.

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
Bildschirmfoto 2026 10 19 um 15 34 04

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
Theblacksalt1

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Bücherherbst: Réduit von Alexander Raschle

Hoff­nung in ei­ner ver­stei­ner­ten Welt

Von Richard Butz,
Bildschirmfoto 2026 10 28 um 16 11 18

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
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Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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