Ein künstlerisches Generationentreffen
Bevor die Kunsthalle St.Gallen im Dezember wegen Umbauarbeiten voraussichtlich bis April 2027 schliesst, dreht sie nochmals voll auf. In der Ausstellung «House of Change: Pre-Construction-Warm-Up-Galore» präsentiert sie im laufenden Monat ein dichtes, buntes Programm an Kunst und Kultur.
Die Ausstellung «House of Change: Pre-Construction-Warm-Up-Galore» in der Kunsthalle St.Gallen zeigt Werke von rund 30 Künstler:innen aus der Region. (Bilder: Larisa Baumann)
In der neu eröffneten Gruppenausstellung der Kunsthalle St.Gallen steht nicht nur die Kunst selbst im Zentrum, sondern auch die beteiligten Menschen respektive ihre Beziehung zur Kunsthalle. Bewusst zelebriert die Institution ihre künstlerische Community genauso wie Werte der Gemeinschaft, Solidarität und (Gast-)Freundschaft. Sie weist damit die Richtung in die sie sich verstärkt wandeln will: zum Begegnungs- und Veranstaltungsort.
Raum dafür soll das neue Foyer bieten, das der Kunsthalle weiterhin als Empfangsraum dient, zukünftig aber auch einem erweiterten Netzwerk, etwa kooperierenden Vereinen, Partner:innen oder Kulturschaffenden, zur Verfügung steht. Das Projekt samt Architekturmodell des neuen Foyers wurde an der 40-Jahr-Jubiläumsfeier im vergangenen Jahr vorgestellt. Die Finanzierung ist in der Zwischenzeit weitgehend sichergestellt, der Umbau steht vor der Tür – und hinter der Tür, im Innern der Kunsthalle, läuft eben die letzte Ausstellung vor der temporären Schliessung.
Der lange Titel «House of Change: Pre-Construction-Warm-Up-Galore» ist mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Das Keyvisual der Ausstellung lässt keinen Zweifel daran, dass das «House of Change» auch eine Anspielung auf das gleichnamige psychologische Modell ist. Es geht zurück auf Claes F. Janssen sowie ursprünglich Elisabeth Kübler-Ross und thematisiert emotionale Reaktionen von Menschen auf Veränderungsprozesse. Das Haus (oder Elemente davon) ist auch ein wiederkehrendes Motiv in Kunstwerken der Ausstellung, wie beispielsweise im Video Our Own House (2017) von Muda Mathis und Sus Zwick, in Ilona Rueggs Piano Window (2012) oder Matthias Sohrs Arbeit Rampe #2 (2026).
Ausstellungsansicht mit Matthias Sohrs Rampe #2 (2026) im Vordergrund.
Der zweite Teil des Ausstellungstitels bezieht sich einerseits auf das dichte Programm, das die Kunsthalle im November anbietet, darunter Performances, Lesungen, Konzerte, allwöchentliches «Suppe & Kuchen», einen Schreibworkshop, eine Buchmesse und vieles mehr. Andererseits sollen diese Veranstaltungen auch den Blick in die Zukunft eröffnen: Das Programm soll als Anregung für die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten des neuen Foyers dienen und die Lust an der Teilhabe wecken.
Das Team der Kunsthalle St.Gallen sei offen und freue sich auf Anfragen von interessierten Akteur:innen, die das neue Foyer – ein Raum für circa 80 Personen – nutzen wollen, sagt Direktor Giovanni Carmine. Mit dem Architektur Forum Ostschweiz und dem Literaturhaus St.Gallen sind bereits zwei fixe Partner:innen dabei, mit denen auch wiederkehrende Veranstaltungsformate geplant sind.
Für die Ausstellung selbst hat das Team rund um Giovanni Carmine und Assistenzkuratorin Valentina Ehnimb Künstler:innen eingeladen, die mit der Kunsthalle St.Gallen in der Vergangenheit verbunden waren oder (bis) heute sind. Entstanden ist eine medial vielfältige und heterogene Schau mit Werken von rund 30 regional verwurzelten Kunstschaffenden. Zwischen dem jüngsten und dem ältesten ausstellenden Künstler liegt ein Altersunterschied von gut 60 Jahren.
Giovanni Carmine und Valentina Ehnimb neben der Installation Contemporary Trash Bin (2026) des Kollektivs Gaffa.
Mit Pipilotti Rist, Muda Mathis und Roman Signer sind zum Beispiel Kunstschaffende dabei, die bereits wenige Jahre nach der Gründung des Vereins im Jahr 1985 in der Kunsthalle St.Gallen ausgestellt hatten. Unter den Künstler:innen sind auch Teammitglieder der Kunsthalle selbst. So beispielsweise Fabienne Lussmann, Linus Lutz und Valentina Stieger aus dem Vorstand oder Stefan Burger, der für die Kunsthalle jeweils die fotografische Dokumentation der Ausstellungen erstellt.
Die drei Werke Birmingham B1 2HS, Glattpark (Opfikon) 8152 und Charleroi 6000 (alle 2026) von Linus Lutz zeigen das Druckmuster auf der Innenseite von Briefumschlägen. Lutz absolvierte 2016 ein Praktikum in der Kunsthalle. Zu seinen Aufgaben gehörte das Öffnen der Post. So wurde er auf die Schönheit der inwendigen Druckmuster aufmerksam und begann eine Umschlagssammlung. Die drei gezeigten Monochrome entstammen dem Altpapier der Kunsthalle St.Gallen vor zehn Jahren.
Zwischen den Arbeiten, den Kunstschaffenden und der Kunsthalle sowie deren Akteur:innen entspannt sich in der Ausstellung ein Netzwerk, das mal mehr, mal weniger deutlich hervortritt. Ein Netzwerk, das in Zukunft noch weiter wachsen soll. Praktisch alle ausgestellten Arbeiten stehen zum Verkauf. Der Erlös geht als Unterstützung der hiesigen Kunstszene direkt an die Künstler:innen. Auf freiwilliger Basis wird ein kleiner Teil dem künftigen Programm im neuen Foyer gutgeschrieben – einem Programm, das noch mitgestaltet werden kann.
«House of Change: Pre-Construction-Warm-Up-Galore»: bis Sonntag, 29. Novemer, Kunsthalle St.Gallen. kunsthallesanktgallen.ch
Die Kunsthalle St. Gallen feiert am Pfingstwochenende ihr 40-Jahr-Jubiläum. Sie plant auch einen Umbau ihrer Räumlichkeiten im Lagerhaus und will das Foyer künftig für andere Anlässe zur Verfügung stellen.
Die erneuten Sparvorschläge der St.Galler Regierung stossen auf breite Ablehnung. Die Kulturszene solidarisiert sich gegen die Abbaupläne. Die Kulturlobby hat sich in Stellung gebracht. Obs hilft?
In der Ausstellung «Smile maniacally we’re alive» verbindet Jala Wahid scheinbar getrennte Welten. Sie schlägt darin eine Brücke zwischen Erinnerung, Emotion, Wissenschaft und Politik.
In den ersten beiden Ausstellungen dieses Jahres zeigt die Kunsthalle St.Gallen Werke von Marta Margnetti sowie der «New HEADS» JPP und Alexandra Sheherazade Salem. Sie stellen Fragen zu Entfremdung, Zugehörigkeit und Heimkehr. Dabei legen sie neben einer Vielfalt an Materialien, Lichtakzenten, Textkunst und olfaktorischen Erlebnissen einen Fokus auf den Klang von Erinnerungen.
Bevor die Kunsthalle St.Gallen im Dezember wegen Umbauarbeiten voraussichtlich bis April 2027 schliesst, dreht sie nochmals voll auf. In der Ausstellung «House of Change: Pre-Construction-Warm-Up-Galore» präsentiert sie im laufenden Monat ein dichtes, buntes Programm an Kunst und Kultur.
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern