Das Mittelmass feiern
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé (Bild: pd/Johannes Gruber)
Der Nebel macht die Luft schwer. Die Blätter verfärben sich von Grün zu Gelb. Statt Amselgezwitscher hört man Krähen rufen. Es ist Herbst. Den Soundtrack dafür liefert der Rheintaler Musiker René Grünenfelder alias Mo Klé. Three Chords and a Shaking Hand heisst das neue Album des Singer-Songwriters.
Nach dem Debüt Parallel Worlds (2021) ist es das zweite Album, das er als Mo Klé veröffentlicht. Schon vorher war Grünenfelder als Musiker unterwegs, hatte verschiedene Bandprojekte und war Gründungsmitglied der St.Galler Punkrock-Band Nofnog. Vor rund 10 Jahren verliess er die Band und damit den Punk: «Das war eine tolle Zeit, aber für mich hat es einfach musikalisch nicht mehr gepasst.» Er habe sich vermehrt für Singer-Songwriter interessiert. Bis heute begeistern ihn Bob Dylan, Leonard Cohen oder Neil Young.
Deren Einflüsse spürt man in Mo Klé Musik. Besonders wichtig seien ihm die Lyrics: «Sie sollen eine präzise Aussage haben, die den Menschen bleibt.» Alltagsbeobachtungen und Themen, die ihn beschäftigen, halte er musikalisch fest. «Meine Songs sind fast wie mein Tagebuch.»
Und obwohl Mo Klé auch deutsche oder Mundartlieder im Petto hat, ist Three Chords and a Shaking Hand komplett in englischer Sprache. «Das hat sich so ergeben», sagt er. Zwar sei es herausfordernd, in einer Fremdsprache zu texten, aber es gehe ihm nicht um ein möglichst hohes Sprachniveau: Das Album solle einfach für viele Menschen zugänglich sein.
Fast zwei Jahre dauerte es vom ersten Demo bis zum fertigen Album. Für die Studioaufnahmen hat sich Grünenfelder (Vocals und Gitarre) Unterstützung geholt: Giuliano Sulzberger (Gitarre, Orgel und Synthesizer), Severin Graf (Bass), Mattia Ferrari (Drums) und Zora Maag (Vocals).
Den Anfang des Indie-Folk-Albums macht 199 Seconds. Mit klarer Stimme setzt Grünenfelder ein: «I wish that people understood / we’re all made from the same blood». Die melancholische Akustikgitarre verströmt Country-Vibes. Sphärisch-leicht zieht sich der Song, die Message ist unmissverständlich: Alle Menschen sind Menschen, nur vergessen wir das allzu oft. Sind mehr auf die Unterschiede fokussiert als auf das Gemeinsame.
Der Refrain folgt mit dem fast kindlich anmutenden Wunsch: «If only this could be a song / that would make everyone / stop hating one another /make them put down their weapons / at least for 199 seconds.» Grünenfelder erklärt: «Das Stück dauert drei Minuten und 19 Sekunden, also 199 Sekunden. Ich wollte zum Ausdruck bringen, dass die Menschheit sich wenigstens für die Länge eines Liedes einfach mal ruhig zuhört und nicht immer gegenseitig die Köpfe einschlägt.»
Nach diesem idealistischen Song taucht man ins fünfminütige Rain ab. Schwermütig, in dunklen Klängen schwillt die Musik an. Fällt in sich zusammen, nur um sich erneut aufzubauen. Ahmt den in den Lyrics beschriebenen Sturm nach, der hier zur Metapher für das Sich-selbst-Wieder-spüren wird. Mit Experts lösen poppige Klänge die Melancholie ab. Das Lied legt ordentlich Tempo vor. Untermalt mit beschwingten Gitarrenklängen kritisiert es die gegenwärtige Debattenkultur.
Während rund einer halben Stunde mäandern die neun Songs auf Three Chords and a Shaking Hand hin und her. Pendeln zwischen musikalischem Minimalismus und Opulenz: Auf Akustikgitarre folgt ein gefühltes Orchester. Die Lyrics springen von Gesellschaftskritik hin zu Naturbeobachtungen und der Auseinandersetzung mit sich selbst.
Einen solchen Blick nach innen wirft King of Mediocrity. In hellen Tönen singt René Grünenfelder eine Hymne auf das Mittelmass: «I’m never better than the ordinary / (…) / Guess I never make it to the top.» Es gehe um Selbstakzeptanz. Darum, sich selbst gern zu haben, auch wenn man nicht perfekt sei, erklärt der Musiker. «In der heutigen Zeit ist das Sich-Vergleichen sehr präsent. Man hat oft das Gefühl, nicht zu genügen.»
Das kenne er von sich: «Ich bin leicht perfektionistisch. Aber ich weiss: Es wird ohnehin nicht perfekt. Und das muss es auch gar nicht.» Trotzdem kämen ihm manchmal Selbstzweifel. Bei der Albumproduktion sei sein Produzent Giuliano Sulzberger sehr unterstützend gewesen: «Er bringt eine Aussensicht und sagt jeweils: ‹Hey, nein, das ist cool, das hat einen Vibe, da ist Stimmung.›»
Und so mag man vielleicht gerade die Mittelmass-Hymne als das Kernstück von Three Chords and a Shaking Hand verstehen. Nicht zuletzt, weil der Albumtitel eine Textzeile der Hymne ist. Zurück bleibt nach den neun Songs etwas zwischen Gelassenheit und Hoffnung: Die Welt scheint ebenso unperfekt wie wir Menschen, und vielleicht sind wir doch im Grunde gut.
Mo Klé – Three Chords and a Shaking Hand: erschienen am 19. Juni auf den gängigen Streamingplattformen.
Albumtaufe mit Live-Band bestehend aus René Grünenfelder (Vocals und Gitarre). Dionys Müller (Drums) und Sebastian Schwarz (Bass und Gitarre) am 7. November, 20 Uhr, Bahnhof Bruggen, St.Gallen. Opening Act: Into Orleans. Closing: DJ Nauras Selecta.
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