Kategorie
Autor:innen
Jahr

Klimastreik: Jetzt mischen sich die Alten ein

Am Freitag findet der dritte Klimastreik in St.Gallen statt, die jungen Aktivistinnen und Aktivisten hoffen auf eine breite solidarische Bewegung. Derweil beschäftigt sich auch die kantonale Politik mit den Schulstreiks, gestern sind zwei Vorstösse eingegangen.
Von  Corinne Riedener
Bild: co

«Klimastreik – Diesen Freitag – 18.01. – 14 Uhr» war heute Abend kurz vor halb sechs gross am Balkon des Migros-Restaurants am Bahnhof St.Gallen zu lesen. Zur besten Rush-Hour-Zeit. Aufgehängt wurde das Transparent von Mitgliedern des Kollektivs Klimastreik Ostschweiz. Der Streik am Freitag ist bereits der dritte in der Ostschweiz, diesmal trifft man sich beim Paul Grüninger-Platz. Mehr dazu hier und hier.

Das Transparent soll «eine Einladung an alle solidarischen Erwachsenen» sein, sich am Protest zu beteiligen, sagen die Aktivistinnen und Aktivisten. «Wir wollen auch ausserhalb der Schulen mobilisieren, damit eine möglichste breite solidarische Bewegung entsteht, denn vom Klimawandel sind wir alle betroffen – es geht um nichts weniger als um unser aller Zukunft.»

Klick zum Vergrössern

Von der drohenden unentschuldigten Absenz lassen auch sie sich nicht einschüchtern – und ein kleinbisschen Rückendeckung haben sie offenbar: Es gebe durchaus Lehrpersonen, die sich solidarisch zeigen und es gut fänden, dass sich die Jungen politisch engagieren, erklärt eine Aktivistin. «Einer meiner Lehrer sagte uns, dass er sich überlegt, am Freitag keine Absenzen einzutragen, weil er es nicht übers Herz bringe.»

Der junge Mann neben ihr relativiert: «Wir haben es auch mit unserer Lehrerin besprochen, aber sie meinte, dass es wohl ziemliche Konsequenzen für die Lehrer haben könnte, wenn sie die Absenzen nicht eintragen. Ich vermute, das Rektorat hat diesbezüglich eindeutig kommuniziert.»

«Offensichtliche Diskrepanz zwischen Worten und Taten»

Die Klimastreiks in der Ostschweiz beschäftigen mittlerweile auch die arrivierte Politik. Zwei Einfache Anfragen sind gestern Montag bei der St.Galler Regierung eingegangen: SP und Grüne solidarisieren sich mit den Aktionen der Jungen, Walter Locher von der FDP befürchtet einen «Wahlkampf im Schulhaus und mit Schülerdaten».

Die Folgen der Klimaveränderung seien «nicht mehr nur theoretisch, sie werden immer deutlicher sichtbar», schreibt die SP-Grünen-Fraktion. Dennoch seien im Kanton St.Gallen «Vorschläge für konkrete Massnahmen gegen die Klimaerwärmung, die Einschränkung fossiler Energie und die Förderung von erneuerbaren Energien» in den letzten Jahren konsequent abgelehnt worden. Das Förderprogramm Energie laufe auf dem Minimum, die Umsetzung des Netzbeschlusses Nationalstrassen hingegen werde umgehend angegangen.

Es sei «unter anderem diese Doppelzüngigkeit, die Menschen – nicht nur die Jugendlichen – enttäuscht und wütend macht», so die Kritik. «Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben jetzt die Ausdrucksform des Klimastreiks gewählt und zeigen damit die klare Forderung an alle älteren Generationen: Es braucht rasche und klare Massnahmen zur umgehenden Einhaltung der Klimaziele!»

SP und Grüne wollen von der Regierung wissen, wie sie den Jungen «die offensichtliche Diskrepanz zwischen Worten und Taten der Politik und die darauf folgende Untätigkeit gegen die deutlich sichtbaren Klimaveränderungen und deren Folgen» erklärt. Weiter fragt die Fraktion, was die Regierung «konkret gegen die drohenden Klimaerwärmung» unternimmt und verweist auf die Musterverordnung der Kantone im Energiebereich (MuKEn), die demnächst umgesetzt werden soll.

Die dritte und letzte Frage ist wohl eher als Wink mit dem Zaunpfahl zu verstehen: «Wie beurteilt sie (die Regierung, Anm. d. Red.) die schulischen Folgen der ausfallenden Lektionen für den Einsatz der MittelschülerInnen für konkrete Taten gegen die reale Schädigung unserer Lebensgrundlagen im Verhältnis zur totalen Ausbildungszeit an der Mittelschule?»

Sorge um den Datenschutz

Auch der Kantonsrat und FDP-Fraktionschef Walter Locher sorgt sich um die Jugendlichen, allerdings weniger um deren erschöpfte Lebensgrundlagen, sondern um deren politische Selbständigkeit. «Orchestriert durch eine offenkundig nationale politische Kampagne» sei auch von St.Galler Aktivistinnen und Aktivisten der Klimanotstand ausgerufen worden, schreibt er in seiner gestern eingereichten Einfachen Anfrage.

Die Organisation der Anlässe werfe «Fragen zum politischen Hintergrund dieser Aktionen und dem Vorgehen der Aktivisten» auf. Zwei der sechs Unterzeichnenden des Kollektivs Klimastreik Ostschweiz seien keine Kantonsschülerinnen bzw. Kantonschüler. «Drei Mitglieder des Kollektives gehören der JUSO an, ein Mitglied den Jungen Grünen des Kantons St.Gallen; zwei Mitglieder kandidieren im Herbst auf der Liste der JUSO für den Nationalrat.»

Unter anderem will er von der Regierung wissen, ob sie «angesichts der offenkundig national und von Exponenten der JUSO und 
der Jungen Grünen organisierten Kampagne überprüft und sichergestellt» hat, «dass solche politischen Aktionen in St.Gallen ausschliesslich von Angehörigen der Schülerorganisation organisiert wurden, in der unterrichtsfreien Zeit stattfinden und in der Freizeit vorbereitet werden». Auch der Datenschutz beschäftigt ihn, beispielsweise fragt er, ob ausgeschlossen werden könne, «dass im vorliegenden Falle Maildaten, Mobiltelefondaten, Wohnadressen sowie andere schützenswerte Daten von Schülerinnen und Schülern von den Organisatoren rechtswidrig benutzt wurden.» Lochers letzte Frage: «Inwieweit werden die Schüler im Rahmen des Unterrichtes auf die Folgen eigener möglicherweise klima- oder umweltschädigender Handlungen aufmerksam gemacht?»

«Alte Anzugträger»

Die Jungen Grünen zeigen sich «überrascht» von Lochers Vorstoss. Das Kollektiv Klimastreik Ostschweiz sei eigenständig von Schülerinnen und Schülern gegründet worden und agiere parteipolitisch komplett unabhängig, schreiben sie heute in einer Medienmitteilung. «Anstatt das Engagement der Schülerinnen und Schüler in Frage zu stellen, sollte sich Herr Locher besser für einen ernstzunehmenden Klimaschutz einsetzen. Insbesondere die alten Anzugträger der FDP haben das heutige Klimadebakel mitzuverantworten.»

Zur neuen Absenzenregelung des Bildungsdepartements finden die Jungen Grünen deutliche Worte: «Anstatt die Anliegen und Forderungen der Schülerinnen und Schüler zu unterstützen, setzt das Bildungsdepartement auf kontraproduktive Repression», schreiben sie und verlangen von den St.Galler Bildungsbehörden, den Entscheid über die Absenzenregelung sofort rückgängig zu machen. «Ein erfüllter Bildungsauftrag bringt nichts, wenn den Jugendlichen durch den fehlenden Klimaschutz die Möglichkeiten der Anwendung verwehrt werden.»

Auch die Juso hat heute auf Lochers Einfache Anfrage reagiert. Diese sei polemisch, schreiben sie in ihrer Medienmitteilung. «Anstatt die spontane Organisation mehrerer Einzelpersonen mit demselben Anliegen zu einer verschwörungsartigen Wahlkampfaktion aufzubauschen, sollten Herr Locher und die FDP sich fragen, warum ihre Politik Kinder und Jugendliche auf die Strasse treibt, und diese dafür freiwillig auf ihr Recht auf Bildung verzichten.»

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2

Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 1558

Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
IMG 0757 2

FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
Meter 6 david gadze

WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
6085807

FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

Saiten 2609 Cover 01

Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
Whats App Image 2026 08 26 at 08 36 26