Ein ziemlich abgefahrenes Ding
Seit zehn Jahren gibt es die Residency in der Bibliothek Andreas Züst im Alpenhof, diesem so schwer zu fassenden Ort in Innerrhoden. Der runde Geburtstag wird nun mit einem vielfältigen Festival gefeiert.
Das Werk Ein Stück für 4 (oder Viele) Stimmen von Anne Hubmann, David Heitz und Maria Tackmann entstand dieses Jahr während einer Residency in der Bibliothek Andreas Züst. (Bilder: pd)
Im Alpenhof auf dem St.Anton wird am 14. und 15. November gefeiert. Das Ganze habe sich zu einem «ziemlich abgefahrenen Ding» entwickelt, sagt Mara Züst, Verantwortliche der Bibliothek Andreas Züst und des Alpenhofs, dem nicht leicht zu definierenden Kultur-, Begegnungs-, Veranstaltungs-, Gastro- und Inspirationsorts auf dem Hügel im innerrhodischen Oberegg, hoch über dem Rheintal mit herrlichem Ausblick.
Über den Alpenhof zu schreiben, ist nicht ganz einfach. Was immer man über ihn zu wissen glaubt und sagen will: stets ist auch das Gegenteil wahr. Er ist ebenso elitär wie zugänglich, isoliert wie vernetzt, provokativ wie versöhnlich, appenzellisch wie international. Rund 90 Künstler:Innen haben in den letzten zehn Jahren dort gewirkt und gewerkt. Zum Jubiläum erscheint nun eine Publikation, die reflektiert, was dabei geschehen ist und bewirkt wurde, laut Mara Züst «eine Publikation aus einer anderen Sphäre».
In dieser Sphäre spielen die rund 10’400 Bücher, die der Wissenschaftler, Fotograf, Maler, Verleger und Sammler Andreas Züst (1947–2000) zusammengetragen hatte, eine zentrale Rolle. Als Bibliothek Andreas Züst bilden sie auf dem St.Anton eine Art Magmakammer, aus der immer wieder Ausbrüche möglich sind. Die Bibliothek wird kaum noch erweitert, umfasst nur den Buchkosmos von Andreas Züst, ermöglicht dadurch Einblicke in eine vergangene Periode des künstlerischen und wissenschaftlichen Suchens, Aufbrechens und Vernetzens und der gesellschaftlichen Erschütterungen.
Wer in den Bänden schmökert und sich assoziativ verführen lässt, stellt schnell fest: Diese Vergangenheit ist nicht vergangen, sondern wirkt in die Gegenwart. Die Bücher dokumentieren jenes wissenschaftliche, gestalterische und künstlerische Forschen sowie den emanzipatorischen Aufbruch, die unser widersprüchliches, digitales und brachiales Zeitalter eingeleitet haben. Sie bilden die ganz persönlichen Interessen des Sammlers Andreas Züst ab und sind gerade deshalb subjektiv-universal.
Was das Schreiben über den Alpenhof ebenfalls erschwert: Mara Züst, die Tochter des Buchsammlers, spielt zwar eine zentrale Rolle, trägt Verantwortung, inspiriert, koordiniert. Aber immer wieder erwähnt sie andere Namen, Leute, die für den Alpenhof wichtig seien, wie die Künstlerin Pipilotti Rist oder den Filmemacher Peter Mettler, die den Anfang mitdefiniert hätten. Oder den Schriftsteller Peter Weber, der für den Ort treffende Wortschöpfungen wie «Panoramafrachter» geprägt hat, die Künstlerin Marilin Brun als Mitbegründerin der Residency, die Grafikerin Simone Koller, die die bis 2019 laufenden Workshops der Bibliothek initiiert hat, oder Flavia Bienz, künstlerische Leiterin des aktuellen Festivals.
Auch das Jubiläumsfestival wartet mit vielen Namen auf: Auf einen Punkt bringen wird es vermutlich Jessica Jurassica mit ihrer Poetikvorlesung, die als «performative Lesung zu Kunst, Klasse und Internetkultur» angekündigt wird. Sie werde sich auch praktischen Fragen stellen: Wie wird man über Nacht berühmt, wie geht man viral? Wie hält man sich Journalist:innen vom Hals?
Das ist, wie man erraten kann, nur ein Mini-Ausschnitt aus dem Programm, das man sich hier zu Gemüte führen kann. Klarheit wird man nur erhalten, wenn man sich selbst hinbegibt. Bis Ende Jahr besteht zudem noch die Möglichkeit, den Alpenhof unter der Führung von von Laura Röösli und Dominic Chenaux zu erleben – ein kulinarisches Erlebnis der besonderen Art.
Zehn Jahre Residency Bibliothek Andreas Züst – das Festival: Samstag, 14. November, ab 11 Uhr, und Sonntag, 15. November, ab 10 Uhr, Alpenhof, Oberegg AI. bibliothekandreaszuest.net alpenhof.ai
Im Alpenhof hoch über dem Rheintal tönt die Jukebox neu, gefüllt von Thomas Meinecke und Michaela Melián. Am Samstag wurde der erste Knopf gedrückt – auch sonst tut sich Neues auf dem St.Anton.
Seit zehn Jahren gibt es die Residency in der Bibliothek Andreas Züst im Alpenhof, diesem so schwer zu fassenden Ort in Innerrhoden. Der runde Geburtstag wird nun mit einem vielfältigen Festival gefeiert.
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In der Ausstellung «Smile maniacally we’re alive» verbindet Jala Wahid scheinbar getrennte Welten. Sie schlägt darin eine Brücke zwischen Erinnerung, Emotion, Wissenschaft und Politik.
Die erneuten Sparvorschläge der St.Galler Regierung stossen auf breite Ablehnung. Die Kulturszene solidarisiert sich gegen die Abbaupläne. Die Kulturlobby hat sich in Stellung gebracht. Obs hilft?
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
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Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
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Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
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