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Irdisch ausserirdisch

Der Alpenhof erfindet sich neu: Besitzerin Mara Züst schreibt einen Ideenwettbewerb dafür aus, was in dem «Kulturfrachter» im innerrhodischen Oberegg künftig passieren soll. Bis Ende Mai läuft die Frist für Ideen.
Von  Peter Surber
Mit Weitblick über das Rheintal: der Alpenhof ob Oberegg. (Bilder: zukunft-alpenhof)

Das Spektrum der Zukunftsvisionen ist weit, nachzulesen auf der Homepage zukunft-alpenhof.ch: «Innovatives selbstgeneriertes Arbeiten in Verbindung mit Wohnen» steht da als Möglichkeit, «Mitdenken von nachhaltigen Lebenskonzepten», «Gastbetrieb mit offenem Profil» oder «Anregungs- und Inspirationsort, durch Bibliothek, Aussicht und durch Aktivitäten, die sich aus dem Gebäude heraus ergeben». Aber auch: «Ausserirdisches auf dem Planet Erde».

Der Alpenhof, auf 1100 Metern hoch gelegen mit fantastischem Weitblick über das Rheintal und in die Österreicher Alpen hinein, war seit jeher irdisch und ein bisschen auch über-irdisch ausgerichtet. Dazu trägt nicht nur die Lage bei, sondern auch die Bibliothek Andreas Züst: Der im Jahr 2000 verstorbene Fotograf, Maler und Naturwissenschafter hat sich zeitlebens leidenschaftlich mit Gletschern, Wolken und Winden, aber auch mit Popkultur oder Mystik beschäftigt.

Ein Ort fürs konzentrierte Schaffen

Züsts rund 10’400 Bände umfassende Bibliothek ist seit 2010 ein Kernstück des Alpenhofs, als Forschungsquelle ersten Ranges. Dafür schreibt die Bibliothek seit einigen Jahren Residenzen für Kulturschaffende aller Sparten aus, die aus aller Welt nach Oberegg kommen.

Für Arbeitsaufenthalte abseits des Alltags, solo oder in Gruppen, habe sich der Alpenhof über die Jahre besonders bewährt, sagt Mara Züst, die Besitzerin des Gebäudes und Verantwortliche für die Bibliothek ihres Vaters. «Es ist weniger ein Ort für romantisches Ausspannen als fürs konzentrierte Schaffen.» Die Bibliothek soll denn auch öffentlich zugänglich bleiben: Das ist eine der Bedingungen für die künftige Nutzung.

Mit 24 Betten, einem grossen Raum samt Küche und weiteren Räumen ist der Alpenhof auch für Restaurations- und Gastronomie-Zwecke eingerichtet. Diese kamen aber nie recht zum Fliegen. Allem voran mache die Lage weitab vom Publikumsverkehr – ausser an sonnigen Sonntagen, wenn sich auf dem St.Anton die Töffs, Velos und Wanderer drängen – ein klassisches Kulturprogramm schwierig, sagt Mara Züst. Zudem gebe es die «perfekte Ausflugsbeiz» bereits, einige Schritte vom Alpenhof entfernt.

Die Ausschreibung lasse diesen Punkt denn auch bewusst im Vagen: «halböffentliche Angebote mit kulturellem Charakter» sind immerhin gewünscht und ein Verständnis des Alpenhofs als «Ort des Gastgebens und Handreichens». Kombinationen mit anderen Nutzungen seien wohl realistisch, zum mit einer sozialen oder kulturellen Ausrichtung. Wobei sie «Kultur» weitgefasst verstehe, als ein Tun, das «zusammen Raum schafft, losgelöst von kommerziellen Zwängen».

Das Unvorstellbare?

Ausdrücklich hält Mara Züst fest: Eine Rendite ist nicht das Ziel, sowenig wie bisher, als der Alpenhof (bis 2018) von einem Verein getragen war. Mit der Jahresmiete von 24’000 Franken sollen im wesentlichen die Fixkosten gedeckt werden. Mit welcher Betriebsform und -idee das Haus flott für die Zukunft gemacht werden kann, skizziert die Ausschreibung ebenfalls offen: «Arbeitsgemeinschaft, Betriebs- und Wohnverein, Eigensinniger Gastbetrieb, Partizipative WG, Soziokratisches Kulturhaus, Atelierresidenz, Soziale Kunstateliers» werden als Varianten genannt – «…oder etwas, das bis jetzt schlicht unvorstellbar war».

Seine neue Rolle soll der Alpenhof ab Juli 2022 finden. Das kommt zeitlich zusammen mit der Pensionierung der langjährigen Gastgeberin Bea Hadorn. Und es lässt Zeit für einen zweistufig angelegten Findungsprozess: Bis Ende Mai können Projektskizzen von maximal einer A4-Seite eingereicht werden. Eine Jury wählt aus und lädt im Juni zu Besichtigungsterminen ein. Anschliessend sollen die ausgewählten Ideen konkretisiert werden mit Beteiligten, Budget und Finanzierungsplan. Ende September soll entschieden sein, in welche Richtung der Frachter neu Fahrt aufnehmen soll.

Dieser Beitrag erschien im Maiheft von Saiten.

 

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