An der gestrigen St.Galler Premiere des neuen Films von Peter Mettler ist das Kinok bis auf den letzten Platz besetzt. Sandra Meier weist gleich zu Beginn auf die Verbundenheit des Regisseurs mit der Ostschweiz hin: längere Aufenthalte im Alpenhof in St.Anton und in der Schlesinger Stiftung in Wald.
«The End of Time» sei sein bisher schwierigster Film gewesen, sagt Peter Mettler, denn «alles, was vor die Kamera kommt, ist Zeit – aber ich kann die Zeit mit der Kamera nicht einfangen». Der Titel bezieht sich auf das Ende unserer Vorstellung von Zeit – nicht auf das Ende der Welt. Den ersten Titel «Time Being» hat der Regisseur verworfen, weil für den deutschsprachigen Raum zu wenig verständlich.
Wie erleben wir Zeit? Die Anfangssequenz des Films ist von höchster Aktualität. Der Sprung von Joe Kittinger aus 33 km Höhe im Jahr 1960 wurde am 14. Oktober 2012 von Felix Baumgartner überboten (aus 39 km Höhe, auf der Erde u.a. assistiert vom heute 84-jährigen Kittinger).
Für den Film gibt es kein festes Drehbuch, sondern er ist eine Entdeckungsreise zu verschiedensten Schauplätzen, die unterschiedliche Zustände von Zeit repräsentieren: das Vulkangebiet auf Hawaii die geologische Zeit, das ruinöse Detroit als Geburtsstätte des Techno auch der Anfang der digitalen Ära in der Musik. Eine Reise führt in den imaginären Zeit-Raum: , in der Mixxa-Sequenz (erzeugt mit einer von Peter Mettler speziell entwickelten Ton- und Bildmisch-Software), hebt der Film plötzlich ab in abstrakt-bildnerische Parallelwelten, mit Sphärenklängen und mandalaartigen Formen, nicht unähnlich der Geometrie des Teilchenbeschleunigers des CERN.
Der Film hat auch Peter Mettler eigenes Verhältnis gegenüber der Wahrnehmung von Zeit verändert und verfeinert. Zeit bedeutet Vergänglichkeit, unser Leben hat ein Anfang und ein Ende: «if you have a beginning, you have a problem – if you have no beginning, you have no problem» bringt es Rajeev im indischen Bodghaya auf den Punkt. Auch der Film hat dieses Paradox, auch er ist eine Zeitmaschine mit Anfang und Ende. «The End of Time» ist im Grunde ein Film über Transzendenz, wie «Gambling, Gods and LSD». Was macht er in seinem nächsten Film? – «Endlich etwas Einfaches, vielleicht ein Spielfilm …»
Mehr zu «The End of Time» im aktuellen «Saiten»
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