«Obacht Kultur» stellt sich dem Bläss. Und dieser kläfft, in der neusten Ausgabe des Ausserrhoder Kulturmagazins, lautstark zurück. Das Thema könnte kaum appenzellischer sein – wie es angepackt wird im Heft, ist «Obacht»-typisch: vielseitig, mit Witz und ohne Wadenbeisserei, in Wort, Bild und Ton. Unter anderem hält der Musiker und Musikfilmer Cyrill Schläpfer eine Lobrede auf seinen Bläss im speziellen und den Bläss an sich – mit dem Fazit: der Bläss vergesse nichts.
Unvergesslich ist für den Journalisten Andreas Bänziger seinerseits der Artikel, den er 1996 über den Bläss schrieb: Nie habe er ein grösseres Echo gehabt als auf jenen Beitrag, der vom drohenden Aussterben des Bläss handelte, weil er als Treibhund auf den heutigen Höfen nicht mehr gebraucht werde. Der Maler Willy Künzler sieht die Zukunft des liebenswürdigen Kläffers ebenfalls skeptisch (Bild oben).
Seit sechs Jahren dreimal im Jahr macht das Magazin «Obacht» Kultur in allen Facetten zum Thema, schön gestaltet und immer mit künstlerischen Originalbeiträgen angereichert. Dahinter steckt das Ausserrhoder Amt für Kultur und seine Leiterin Margrit Bürer. Die Arbeit findet Anerkennung: Heute abend erhält sie die Ehrenperle Kultur des Senders Art-TV – ein Preis, der erstmals für Kulturvermittlung vergeben wird. «Sie produziert das schönste Kulturmagazin der Welt und hat mit der Kulturlandsgemeinde stark dazu beigetragen, dass auch eine kleinere Region wie Appenzell Ausserrhoden national von sich reden macht», heisst es in der Preisbegründung.
Plattform und Ersatz
Was ihr der Preis bedeutet? «Viel», sagt Margrit Bürer – immerhin komme die Anerkennung von Seiten einer Institution, die national den Überblick über das Kulturgeschehen habe. Dann spricht sie lieber wieder vom «Obacht» und davon, wie gezielt das Heft auf die Ausserrhoder Verhältnisse zugeschnitten ist. «Ausserrhoden hat keine grossen Kulturinstitutionen, kein Museum, kein Theater etc – Obacht nimmt diese Aufgabe wahr, eine kantonsweite Plattform zu schaffen, Kunstschaffende und das Publikum zu vernetzen.» Das Heft präsentiert Künstlerinnen und Künstler und ihre Werke, greift breit gefasste Themen auf, erfüllt aber auch die Transparenzpflicht: Unter dem Titel «Förderei» erfährt man, wer wofür wieviel Kulturgelder erhält und woran Kantonsbibliothek, Denkmalpflege etc gerade arbeiten.
Damit sei «Obacht» ein schweizweit einmaliges Kulturvermittlungs-Instrument, heisst es in der Laudatio für den Kulturperle-Preis. Margrit Bürer bestätigt: «Obacht» erreiche je nach Thema ganz unterschiedliche Kreise – das Bläss-Heft etwa werde eifrig nachbestellt von Hundefreunden. Und die aktuell 1780 Adressen, die «Obacht» (gratis) zugestellt bekommen, verteilen sich über die halbe Welt.
Seit acht Jahren ist Margrit Bürer im Amt, davor hatte Ausserrhoden kein Kulturgesetz, keine kontinuierliche Kulturförderung und kaum Geld dafür. Sie kam von Pro Helvetia, brachte Knowhow und Durchsetzungsvermögen mit und hat es zusammen mit dem für Kultur zuständigen Regierungsrat Jürg Wernli zustande gebracht, Kulturförderung als selbstverständliche Staatsaufgabe in den Köpfen und Budgets zu etablieren.
Spardruck auch in AR
Der Preis kommt also im richtigen Moment – auch, da der Kanton vor einer einschneidenden Sparrunde stehe, sagt Margrit Bürer. Kritik an der Kulturförderung gebe es ab und zu, mit dem Tenor, das «Obacht»-Magazin sei zu teuer, ebenso die Kulturlandsgemeinde, die andere eigenwillige und schweizweit beachtete Ausserrhoder Kultur-Erfindung. Diese Initiativen hätten zwar ihren Preis, seien aber viel günstiger, als es jede fixe Kulturinstitution wäre, sagt Margrit Bürer. Wo der Rotstift ab 2015 angesetzt werden muss, sei noch nicht bestimmt. Dank einem vorausschauenden Passus im Kulturkonzept ist immerhin ein Anteil von 30 bis 40 Prozent der Kulturausgaben für die freie Projektförderung reserviert – «es wird also nicht auf Kosten der Freien gespart», verspricht Margrit Bürer.
Verleihung der «Kulturperle»: Mittwoch, 28. Mai 19 Uhr, Richtiarkade Wallisellen Dazu gibt es eine «Obacht»-Ausstellung: Donnerstag, 5. Juni bis Samstag, 7. Juni, 16 bis 19 Uhr oder nach Vereinbarung.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
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Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
Die Schweizer Rocklegenden Krokodil haben kürzlich ihr neues Album Beyond The Eye veröffentlicht. Ur-Krokodil Düde Dürst schwärmt von der Energie der 2019 wiederbelebten Band – und hat noch lange nicht genug. Am Freitag spielen sie in der Grabenhalle.
24/7 Traumacore
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Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
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Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
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