15 mit Literatur verbundene Wanderungen durch die Ostschweiz bieten Christa und Emil Zopfi in ihrem neuen Buch an. Es folgt auf ihr 2014 erschienenes literarisches Wanderbuch Sehnsucht nach den grünen Höhen, welches sich in 17 Kapiteln dem Gebiet zwischen Pfannenstiel, Churfirsten und Tödi gewidmet hat.
Entstanden ist ein gut lesbares, informatives und in literarischer Hinsicht ergiebiges Wanderbuch. Über die literarischen Quellen hinaus liefert es, wie in den Rotpunkt-Wanderführern üblich, übersichtliche Routenskizzen, Variantenvorschläge, nützliche bibliografische Angaben und gut recherchierte praktische Hinweise.
Entdeckungen und Vergessene
Viele Namen, die in diesem Buch auftauchen, mögen bekannt sein. Aber auch wer sich für eine Kennerin oder einen Kenner der Ostschweizer Literatur hält, kann Entdeckungen machen. Zu ihnen gehört die 1925 geborene Verena Stark, die in Geflochtene Leben von der Kindheit ihrer Grossmutter im Dorf Ennetbühl und von der Toggenburger Bäderkultur im Rietbad im Tal der Luteren erzählt. Zu den Vergessenen zählt der Toggenburger Theologe und Schriftsteller Niklaus Bolt (1864–1947), der seinerzeit mit Jugendbüchern, etwa mit Franzl im Toggenburg, eine Art «Heidigeschichte», grossen Erfolg hatte.
Christa und Emil Zopfi: Sonnenlüfte atmen. Literarische Wanderungen in der Ostschweiz. Appenzell – St.Gallen – Alpstein. Rotpunktverlag, Zürich 2017, Fr. 42.–
Dass die Zopfis im Toggenburger Teil dem autobiografischen, literarisch auf hohem Niveau erzählten Familienroman Die Gottfriedkinder des 1929 geborenen Max Peter Ammann (Rotpunktverlag 2011) viel Raum geben, ist mehr als verdient. Heute kaum noch bekannt ist der Wattwiler Pfarrer Johann Georg Birnstiel (1858–1972), der seine vielfältigen Erfahrungen im 1919 erschienen Buch Aus sieben guten Jahren festhielt.
Löwen Lichtensteig: Hier war Ulrich Bräker – Der arme Mann im Tockenburg – gern zu Gast.
Die Wolfhaldner Posthalterin Catharina Sturzenegger (1854–1929) war mit dem Rotkreuz-Gründer Henry Dunant während seiner Zeit in Heiden befreundet. Sie ging in seinem Auftrag nach Ausbruch des Russisch-Japanischen Kriegs im Jahre 1904 nach Japan und schrieb später ein längst vergriffenes Buch über die Rolle Serbiens im Ersten Weltkrieg. Ebenfalls zu den Fundstücken gehört die Erinnerung an den Komponisten, Dichter, Journalisten, Sänger und späteren Kurdirektor von Arosa Hans Roelli (1899–1962). Er ist der Verfasser des bekannten Soldatenliedes Die Nacht ist ohne Ende. Seine ungeschminkte, 1941 herausgekommene Selbstdarstellung Hier bin ich spielt in Wildhaus und beschreibt seinen Konflikt mit dem Vater.
Bekannte und Fehlende
Heinrich Federer, Peter Weber, Helen Meier, Robert Walser, Friedrich Glauser, Regina Ullmann, Niklaus Meienberg, Christine Fischer oder Eveline Hasler sind bekannte Namen und tauchen zu Recht unter den gut hundert Autorinnen und Autoren im Buch auf. Nicht leicht verständlich ist hingegen das fast vollständige Fehlen von Lyrik.
Buchpremiere: 18. Mai, 20 Uhr, Stadtbibliothek Wil
Besonders auffallend wird dies im Kapitel 14, einer von zwei Wanderungen im Säntisgebiet. Hier konzentrieren sich Autorin und Autor auf Bergsteigerberichte und Krimis. So übergehen sie – mit Ausnahme eines einzigen Gedichts – einen literarisch interessanten Aspekt. Denn der «Himalaya der Ostschweiz» (Peter Morger) hat zahlreiche Ostschweizer Dichter literarisch fasziniert, wie Rainer Stöckli in seiner Anthologie Säntis und Alpstein im Gedicht (Edition Isele 2009) eindrücklich dokumentiert hat.
Ochsen Grub: Hier spielt Friedrich Glausers Kriminalroman Krock & Co.
Erwähnung verdient hätte auch der Wolfhaldner Peter Eggenberger, der in Kurzenberger Mundart amüsant über Menschen und ihre Schwächen im Appenzeller Vorderland berichtet. Unerwähnt bleibt schliesslich bei der St.Galler Wanderung der 1976 gestorbene, über die Region hinaus bekannte Lyriker und Bohemien Joseph Kopf, obwohl die Route über den Gallusplatz und damit an seinem Wohnort auf dem Damm vorbeiführt.
Trotz diesen Einwänden regt das mit vielen Abbildungen illustrierte Buch an – zu vergnügtem Lesen, zum Weiterlesen und zu von Literatur inspirierten Wanderungen entlang der vorgeschlagenen Routen.
Dieser Beitrag erschien im Maiheft von Saiten.
Der WWF St.Gallen wird 50 Jahre alt. Sein Geschäftsleiter Lukas Indermaur zieht bei der Beurteilung der aktuellen Situation von Natur und Umwelt eine durchzogene Bilanz.
«Urs Frei. A – Z» im Kunstmuseum St. Gallen ist die erste Retrospektive zum ausserordentlichen Schaffen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Arbeiten geben Einblick in ein Werk, das kaum zu fassen ist. Das gehört zu seiner Qualität.
Wie wollen wir künftig leben und unsere Nahrungsmittel produzieren? Die Ausstellung «How goes Tomorrow» der Ostschweizer Künstlerin Claude Bühler in der Shedhalle in Frauenfeld sensibilisiert für nachhaltige Handlungsstrategien.
«Das Kind zurücklassen? Wie kann man so dumm und herzlos sein», schreibt der Schweizer Autor Lukas Bärfuss über seine Mutter, die keine Mutter für ihn sein konnte. In seinem neuen Buch schaut er in die Vergangenheit und hat Verständnis, nicht für die Mutter, aber doch für diese Frau, die nie Glück und immer zu wenig Geld hatte.
Gaal, Görtler und Witzig schiessen St. Gallen zum langersehnten Cupsieg!
Die Medikamentenversuche von Münsterlingen als Teil eines Vampir-Musicals? Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Die Bühne Mammern wagt den Versuch. Ab 29. Mai im Zirkuszelt.
Die diesjährige Kulturlandsgemeinde findet entlang der Bahnlinie zwischen Gossau und Wasserauen statt. Es ist ein interdisziplinäres Experimentzwischen Kunst, Gesellschaft und Aktivismus. Ausserdem stellt die Kulturlandsgemeinde künstlerisch und organisatorisch die Weichen für die Zukunft.
Am Samstag findet in St.Gallen erstmals das Punkfestival El Cartel statt. Es soll dazu beitragen, die Szene zu stärken. Dabei fehlt es gerade in St.Gallen an Nachwuchs.
Seit 40 Jahren macht die Bibliothek Wyborada in St.Gallen sichtbar, was lange fehlte: Literatur von und über Frauen. Heute sind Autorinnen und feministische Themen zwar stärker präsent in der Öffentlichkeit, doch die Relevanz der Bibliothek ist nach wie vor gross.
Mit einer Interpellation greifen SVP und EDU im St.Galler Kantonsrat den ausserschulischen Aufklärungsunterricht an. Und mit Unterstützung des «Lehrernetzwerks Schweiz» wollen Eltern aus Bütschwil eine Mitarbeiterin der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen vor Gericht bringen. Dahinter steckt eine orchestrierte Aktion.
«Dieci», die italienische Zahl für zehn, ist das Motto des diesjährigen Heiden-Festivals. Es verweist dabei nicht nur auf das Jubiläum, sondern auch auf eine kulturpolitische Haltung.
Naturmuseum Thurgau
Das St.Galler Theater Trouvaille entdeckt den Musiker und Juristen Mani Matter neu. «’S isch einisch eine gsy»– 90 Jahre Mani Matter verbindet zahlreiche Lieder und literarische Texte des Berners zu einem abendfüllenden Programm. Saiten hat mit dem Theaterleiter Matthias Flückiger gesprochen.
Vier Jahre nach ihrem Debüt kehren Lev Tigrovich mit einer neuen EP zurück. Diese handelt von Kontrollverlust, Illusionen und grossen Gefühlen – und enthält erstmals einen Song, der nicht auf Russisch gesungen ist.
Im letzten Spiel der Saison trifft der FC St.Gallen auf den neuen Schweizer Meister aus Thun - einen Sieger gibt es nicht.
Caline Aoun interessieren die Momente der Veränderung, die Übergänge und Zustände. Ihre Ausstellung in Kunstmuseum und Kunsthalle Appenzell wird zum Ende der sechsmonatigen Laufzeit eine andere sein als zu Beginn.
Der 1100. Todestag von Wiborada – Inklusin, Stadtheilige und Projektionsfläche – ist zurzeit Thema vielfältiger Aktivitäten. Zu den Highlights gehört eine mutmassliche Unterschrift, zu besichtigen in der Ausstellung im St.Galler Regierungsgebäude.
Gastkommentar
Anna Beck-Wörner hat ein Wiborada-Unterrichtsheft erarbeitet. Im Postenlauf, der durch St.Gallen führt, können Schüler:innen anhand von Wiboradas Lebensweg lehrplankonform Themen wie Gemeinschaft, Lebensform, Bücher oder Identität erarbeiten.
Am Wochenende bringt das Aufgetischt-Festival wieder über 100 Strassenkünstler:innen aus aller Welt in die Gassen der Stadt St.Gallen. Wir haben mit Daiana Mingarelli vom Duo Daiana Lou über die Eigen- und Besonderheiten des Busking gesprochen.