Hotel Heiden, Medienorientierung im dichten Nebel. Jurypräsident Angelus Eisiger lichtet ihn zumindest in Sachen Expo27. Evaluiert wurden über 60 eingereichte Beiträge. «Das Konzept Expedition27 stach heraus», sagt Eisiger. Es entstand in Kooperation von Hosoya Schaefer Architects, Plinio Bachmann und Studio Vulkan unter Leitung des Zürcher Architekten Markus Schaefer.
Die Landesausstellung in der Ostschweiz sei damit «ein kleines, aber wichtiges Stück näher gerückt», sagt die Vorsitzende des Steuerungsausschusses Expo2027, die Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag. Konzepte seien aber noch keine Projekte. Auch wenn das Siegerteam klare und mitreissende Vorstellungen entwickelt habe, würden die konkreten Inhalte und das eigentliche Gesicht der siebten Landesausstellung erst im Laufe der kommenden Projektarbeiten entwickelt.
Als Nächstes erstellen die Trägerkantone St. Gallen, Thurgau und Appenzell Ausserrhoden das Bewerbungsdossier zuhanden des Bundesrats. Das Dossier soll gemäss dem St.Galler Regierungsrat Benedikt Würth Antworten auf zahlreiche offene Fragen geben, ausführliche Machbarkeitsprüfungen umfassen, den Finanzbedarf ermitteln, Finanzierungsmodelle vorschlagen und darüber hinaus möglichst viele konkrete Rahmenbedingungen der Landesausstellung festlegen.
Mit der Eisenbahn durch einen vierdimensionalen Film fahren
Markus Schaefer vom Siegerteam Expedition27 sieht in seinem Projekt eine Expo des Lebensraums und ordnet ihn zyklisch ein in die Landesausstellungen von 2002: Expo der Kreativität, 1964: Expo des Fortschritts und 1939: Expo der Landesverteidigung. Expedition27 handle von Landschaften, Räumen und Ressourcen sowie von der Herausforderung, sie langfristig, nachhaltig und gemeinschaftlich zu nutzen.
«Unser Konzept sieht drei Eisenbahnringe vor, welche die vielfältigen Landschaftsräume der Ostschweiz erschliessen», sagt Schaefer. «Wir freuen uns sehr darauf, diese Idee zusammen mit den Eisenbahngesellschaften und unseren Experten zu vertiefen. Die kommende Expo soll wie ein vierdimensionaler Film funktionieren – die Züge ermöglichen dabei den Schnitt. Und natürlich handelt dieser Film unter anderem von der Erschliessung einer eher ländlichen Region in einer sich verstädternden Welt.»
Im Zentrum stehen einerseits der Hafen Romanshorn für die Seeregion, andrerseits St.Gallen-Winkeln als künftiger Knotenpunkt der Stadtregion und schliesslich eine Reihe von «Tanzböden» verteilt in der Bergregion.
Das Projekt sei die Erfüllung eines Traums, sagt Schaefer. «Denn die Frage nach dem Lebensraum wird für uns alle immer mehr ins Zentrum rücken. Anhand der Expo-Landschaft lässt sich das ideal und beispielhaft zugleich darstellen und weiterdenken: durch ihre Vielfalt, ihre reiche Geschichte und die Fülle ihrer Beziehungen und Erzählungen.»
Jurypräsident Eisinger kommentiert den Siegervorschlag so: «Er widersteht den Verführungen, künstlerische Geschlossenheit bereits in dieser Phase des grossen Vorhabens zu formulieren. Seine Verfasser wissen: es kann noch nicht um Projekte gehen. Sie haben sich stattdessen darauf konzentriert, für alle die phantasievollen, triftigen und attraktiven Erfindungen, welche die Expo schlussendlich bespielen werden, einen reichen Nährboden zu bereiten.»
Noch nicht im Dialog mit der Bevölkerung
Inzwischen hat sich der suppendicke Nebel vor der Glasfront des Dunantsaals etwas gelichtet. Den Medienleuten bietet sich die Sicht auf eine schemenhaft durchschimmernde Obersee-Bühne, wo in zwölf Jahren zwischen Romanshorn und Rorschach ein Teil der heute angedachten Expo27 stattfinden soll. Die schwache Spätsommersonne vermag nicht den Eindruck auszublenden, dass hier ein Sieger-Projekt vorgestellt wird, das die Landschaft, den Lebensraum Ostschweiz-Bodensee extrem akademisiert und eher in ein Kunsthaus und nicht so sehr auf eine Landesausstellung passt.
Wie soll das alles auf das emotionale Wahrnehmungsorgan eines Massenpublikums – die Rede ist von zehn Millionen Besuchern – heruntergebrochen werden? Wo liegt der Witz, das Originelle oder auch das Originale bei dem siegreichen Konzept?
Man habe zunächst den Wettbewerb mit dem Projekt gewinnen wollen, antwortet Markus Schaefer. Deshalb der Eindruck des Akademischen. Mit der Bevölkerung sei man noch nicht in einen Dialog getreten. Das komme aber noch, mit Workshops und Ähnlichem. Man habe aber schon mit den Eisenbahnen gesprochen, die ins Konzept einbezogen würden. Schaefer glaubt, dass in Expedition27 grosses erzählerisches Potenzial drin stecke, das praktisch und poetisch toll umgesetzt werden könne und auch witzig und original sei.
Auch dem Ungewissen wollen die Sieger des Projektwettbewerbs bei der Ausführung ihrer Ideen Platz lassen. Man wisse schliesslich heute noch nicht, was 2027 angesagt sei, beispielsweise im digitalen Bereich. Am Selbstvertrauen der Expo27-Macher scheint es nicht zu fehlen. Sie sind überzeugt davon, mit ihrem Konzept eine robuste Grundstruktur für eine glaubhafte Expo in zwölf Jahren in der Ostschweiz erarbeitet zu haben.
Volksmitsprache schon zu Beginn
Für die Machbarkeitsstudie der Expo27 haben die drei Trägerkantone 8,8 Millionen Franken veranschlagt: fünf Millionen entfallen auf St. Gallen, drei Millionen auf den Thurgau und 800’000 Franken auf Appenzell Ausserrhoden. Das Thurgauer Kantonsparlament hat am Mittwoch seinen Beitrag beschlossen und freiwillig einer Volksabstimmung unterstellt. Das St. Galler Parlament entscheidet nächste Woche über seinen Beitrag. SVP und FDP wollen ihn einem Ratsreferendum unterstellen und so eine Volksabstimmung erwirken. In Appenzell Ausserrhoden liegt der Beitrag in der Kompetenz des Kantonsparlaments. Es wird damit gerechnet, dass für die Expo27 zwischen 1,5 und 2 Milliarden Franken budgetiert werden müssen. Eine Milliarde soll der Bund beisteuern.
Die zehn bestrangierten Projekte hier.
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