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Im März: Saiten heizt ein.

Ein Heft zur Klimakrise. Mit der Klimajugend, weniger Plastik und CO2 und einem Zehn-Punkte-Plan. Ausserdem: Grüsse aus Wadi Halfa, Neues von den Velvet Two Stripes und Dislers Umgebung der Liebe.
Von  Redaktion Saiten , 
Die Fotos vom Rhônegletscher auf dem Cover und im Titelthema sind von Tobias Siebrecht.

«Der Klimawandel ist in vielerlei Hinsicht eine unterschätzte, bislang sogar weitgehend unbegriffene soziale Gefahr – und gegenwärtig ist nicht einmal klar, ob demokratische Gesellschaften überhaupt in der Lage sind, jene Umsteuerungen
 in Gang zu setzen, die die Abwendung der Gefahr – beziehungsweise die Anpassung an ihre Folgen – zwingend erfordern.» Was der Philosoph Harald Welzer, Vordenker einer ökologischen Wende, im Buch Klima-Kulturen so formuliert, klingt einigermassen alarmiert: Es könnte eine negative Dynamik eintreten, «hinter der Wahrnehmungs-, Deutungs- und Problemlösungsformen, die sich über Jahrzehnte und Jahrhunderte herausgebildet haben, nur nachhinken können».

Andere
 sagen es direkter: «Reisst euch zusammen, die Erde steht in Flammen» stand auf dem Transparent, mit dem das Ostschweizer Klimakollektiv am 18. Februar im St.Galler Kantonsrat demonstrierte.

Das Thema drängt. Es hat eine Vehemenz in die öffentlichen Debatten gebracht, wie es sie zumindest hierzulande lange nicht mehr gegeben hat. Saiten nimmt 
die Diskussion auf. Corinne Riedener ist mit den «Klimajugendlichen» mitgegangen, und drei von ihnen, Gian Lüchinger, Anna Miotto und Moritz Rohner, denken laut über das Klima nach. Hanspeter Guggenbühl, Umweltjournalist der ersten Stunde, kommentiert die CO2-Debatten, daneben ziehen wir Parallelen zum Waldsterben 
vor 30 Jahren, reden vom Kampf gegen den Plastik und anderen löblichen Nachhaltigkeits-Initiativen, und Bettina Dyttrich liefert das 10-Punkte-Programm für den individuellen und kollektiven Klima-Wandel. Die schmelzenden Gletscher hat Tobias Siebrecht fotografiert.

«Wirklich bedrohlich an der Klimaerwärmung ist nicht die Hitze, sondern
 das grosse Hauen und Stechen, das losgehen könnte, wenn die Bedingungen noch unwirtlicher und die Ressourcen ernsthaft knapp werden. Entscheidend wird sein, dass sich genug Leute dem Recht des Stärkeren verweigern. Die Klima-Bewegung ist ein Ort, wo dieser Widerstand geübt werden kann», schreibt Bettina Dyttrich auf Seite 36.

Dieses Heft will denn auch nicht Weltuntergangsstimmung verbreiten. Sondern Hoffnung und Lust zum Aufbruch machen. So wie es das Ostschweizer Klimakollektiv vorlebt. Es hat immerhin an jenem 18. Februar in der St.Galler Pfalz mit dazu beigetragen, dass der gutbürgerliche Kanton St.Gallen jetzt mit einer Standesinitiative in Bern für eine Kerosin-Steuer auf Flugzeuge vorstellig wird, werden muss. Auch wenn damit noch keine Klimaerwärmung gestoppt ist, dämmert dank solchen Aktionen hoffentlich in immer mehr Köpfen die Einsicht: «Es gibt 
keinen Planet B».

Peter Surber

 

Der Inhalt:

Reaktionen/Positionen
Redeplatz mit Dan Hungerbühler
Stimmrecht von Eldar Hasani
Herr Sutter sorgt sich… von Bernhard Thöny
Evil Dad von Marcel Müller
Innensichten: Café StGall und Lagerhaus
Mensch Meyer von Helga und Janine Meyer

Es gibt 
keinen Planet B.

«Das ist nicht links, das ist Wissenschaft»
Unterwegs mit der Klimajugend: auf der Strasse, an einer Diskussionsrunde und im Kantonsrat
.
von Corinne Riedener

Ein bisschen Konkurrenzdenken hilft
von Gian Lüchinger

Klimawandel? Systemwandel!
von Moritz Rohner

Über die Hoffnung
von Anna Miotto

Wunsch und Wirklichkeit
Der Klimapolitik fehlt ein ökonomischer Hebel
.
von Hanspeter Guggenbühl

Das Waldsterben macht Pause – wie lange noch?
Eine Erinnerung an die 80er-Jahre.
von Harry Rosenbaum

No e Säckli?! – Nein danke!
Was tun gegen den Plastik, den «Müll für die Ewigkeit?»

von Peter Surber

Der grösste Feind ist der Zynismus. Und was jetzt geschehen muss: Zehn Punkte
von Bettina Dyttrich

Perspektiven

Flaschenpost aus Wadi Halfa.
von Michael Hug

Ende der Freiheit
Wie ich in die Schweiz ging und lernte, die EU zu lieben.
von Tanja Mokosch

Raiffeisen: der «Bankier
 der Barmherzigkeit» als Antisemit.
Friedrich Wilhelm Raiffeisen
hat sich mehrmals zu «den Juden» geäussert.
von Hans Fässler

Kultur

Martin Dislers «Umgebung der Liebe» in Chur.
von Ursula Badrutt

Devil Dance: Das neue Album der Velvet Two Stripes.
von Roman Hertler

Wortlaut 2019:
Warmlesen vor dem Vorlesen.
von Eva Bachmann

Wortemachen: Zum Gedenken an Werner Bucher.
von Rainer Stöckli

Unser aller Wirt: Erinnerungen an Renaldo Matteo «Pitsch» Piccinin.
von Andreas Niedermann


Tod eines Helden: Die Cie Buffpapier spielt «Falsh Gordon».
von Peter Surber

Parcours

Das Gedicht im März
von Bastian Strotmann

Mixologie
von Niklaus Reichle und Philipp Grob

Am Schalter im März: Ideen fürs Quartierklima

Abgesang

Kellers Geschichten
Kreuzweiseworte
Pfahlbauer
Boulevard

Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
Bildschirmfoto 2026 10 19 um 15 34 04

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
Theblacksalt1

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Bücherherbst: Réduit von Alexander Raschle

Hoff­nung in ei­ner ver­stei­ner­ten Welt

Von Richard Butz,
Bildschirmfoto 2026 10 28 um 16 11 18

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter