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Saiten im April: Brauchts uns noch?

Wie verändert sich unsere Arbeit heute? Nimmt die Maschine uns Arbeit bloss ab oder nimmt sie sie uns weg? Ein Heft zur Zukunft der Arbeit. Ausserdem: Buenos Aires, Pyrit, Widmers Weltausstellung und Totalüberwachung im Kinok.
Von  Redaktion Saiten
Das Coverbild zeigt Maria Guţă, die Bilder im Titel sind von Vincent Fournier.

Choreografinnen und Choreografen konnten 2013 aufatmen: In einer Oxford-Studie schafften sie es auf Platz 13 der sichersten Jobs. Seither hat sich im Kulturprekariat jedoch nichts verändert: Die freie Szene kämpft nach wie vor um freien Raum,
der Tanz findet in den Feuilletons weiterhin kaum statt, der Berufswahl Tänzer/in wird noch immer oft entgegnet: «Und, wa machsch nochene?» Kein Wunder: Die Studie befasste sich nicht mit dem Ist-Zustand, sondern mit der Zukunft. Genauer: der Zukunft der Arbeit, Arbeit 4.0, also der Verschiebung von der Wall Street zum Silicon Valley,
der Arbeitswelt der von sich lernenden Maschinen und der automatisierten Automatisierung – in der der Mensch bald überflüssig wird?

Das Schreckensgespenst der Verdrängung von Arbeitsplätzen durch den technologischen Fortschritt ist so alt wie die maschinenstürmenden Ludditen. Die Befürchtungen sind immer noch begründet: Zwei Drittel der Jobverluste in der industriellen Produktion im letzten halben Jahrhundert sind auf den technologischen Wandel zurückzuführen. Die eingangs erwähnte Studie und ihre Schreckensliste der bedrohten Berufe sind jedoch mittlerweile umstritten. Das Problem: Die vierte industrielle Revolution ist anders, umwälzender, ihre Folgen unberechenbarer.

Künstliche Intelligenz ist kein Kind unserer Zeit. Der Aufstieg der K.I. hat mit drei Dingen zu tun: Erstens: die schnellere Rechenleistung, zweitens: Unmengen an Daten, die wir – drittens – freiwillig mit den milliardenschweren Hauptinvestoren der neuen Technologien teilen: Google, Facebook, bald in der Schweiz auch Amazon.

Maschinen führen nicht mehr nur aus, sondern lernen zu lernen. Sie erkennen Millionen Mal mehr Muster wie Menschen. Wir verstehen die Algorithmen nicht
 mehr, die durch Deep Learning geschrieben wurden. Arbeit 4.0 wird unsere Gesellschaft grundlegend verändern.

In diesem Heft wagen wir uns aber nicht auf Utopien und Dystopien heraus, sondern schauen im kleinen Kreis: Wie verändert sich unsere Arbeit heute? Nimmt die Maschine uns Arbeit bloss ab oder nimmt sie sie uns weg? Eine Ex-Kassiererin erzählt, wie sie den Einzug der Selfscanning-Kassen erlebt hat. Eine Musikalienhändlerin und ETH-Ingenieure geben Auskunft. Philipp Bürkler fragt beim lokalen Tech-Vorzeigestartup nach, wie der gläserne Kunde von morgen durchleuchtet wird. Ina Praetorius findet, dass es schon lange Zeit ist, der unbezahlten Arbeit die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Corinne Riedener fragt
 bei Soziologe Stefan Paulus und Wirtschaftsinformatiker Hans-Dieter Zimmermann nach, wie die Gewerkschaften auf den Wandel reagieren müssten, und Anne Meyer erzählt von ihrem Schaudern, wenn sie an Künstliche Intelligenz denkt – wann hört die Maschine auf, wo der beginnt Mensch? Diese Frage interessiert auch den Pariser Fotografen Vincent Fournier, dessen Bilder Versuchsanordnungen zeigen: Wann schaudert uns die Ähnlichkeit humanoider Roboter, wann verspüren wir Empathie? Was
sagt unser Verhältnis zu Robotern über uns und unsere Kultur aus?

Weiter im Heft: viel Grün von Fotograf Michael Bodenmann aus Buenos Aires, Musik von Pyrit und Hopes & Venom, Widmers Karikaturen und ein hochaktueller Film über algorithmisierte Polizeiarbeit im Kinok.

Claudio Bucher

 

Der Inhalt:

Reaktionen / Postionen
Redeplatz 
mit Nathalie Bösch
Hässig von Nadja Keusch
Herr Sutter sorgt sich… von Bernhard Thöny
Evil Dad von Marcel Müller
Blickwinkel von Daniel V. Keller
Mensch Meyer
 von Helga und Janine Meyer

Arbeit 4.0

Blöd simmer nöd
Self-Checkout: Erfahrungsbericht einer Kassiererin
.
notiert von Oliver Kerrison

Der gescannte Kunde
Individualisierte Werbung und was ein St.Galler Startup damit zu tun hat
.
von Philipp Bürkler

Persönlich, nicht personalisiert
Analog überleben im Musikhandel? Ruth Steinestel kann es.
notiert von Peter Surber

Im unheimlichen Tal

Vincent Fourniers Fotoserie The Man Machine.

Das rote Nilpferd oder echte Menschen
Über das mehr oder weniger wohlige Schaudern beim Gedanken an Künstliche Intelligenz.
von Anne Meyer

Besser als wir?
ETH-Ingenieure und ihre Roboter-Kollegen.
von Julian Surber und Franziska Ryser

«Lohnarbeit wird zum Privileg»
Soziologe Stefan Paulus und Wirtschaftsinformatiker Hans-Dieter Zimmermann im Interview.
von Corinne Riedener

Arbeit ist Care
Es ist Zeit für eine politische Debatte.
von Ina Praetorius

Ludwig Hohl: Vom Arbeiten

Das Coverbild zeigt Maria Guţă.

Perspektiven

Zelleneinschluss: Abdou Ndiaye wartet auf seine Ausschaffung.
von Silvan Rechsteiner

Ein Stück weit Pionier: Skispringer Walter Steiner.
von Wolfgang Steiger

Serie zu Europa – Teil 3: Wirtschaft und ihre Krisen.
von Simon Graf

Flaschenpost aus Buenos Aires.
von Michael Bodenmann

Kultur

Nacktsenfie und Essigburken: Widmers Weltausstellung.
von Peter Surber

Control: Pyrits Zweitling an der Kippe zur Menschmaschine
von Corinne Riedener

73 Prozent Terrorist: Die ganze Lok wird überwacht.
von Claudio Bucher

Plafonierung der Kulturgelder: Wo bleibt der Widerstand?
von Andreas Kneubühler

Sag Schibbolet: Grenzen im jüdischen Museum Hohenems.
von Kurt Bracharz

Mein Kampf: Regisseur Serdar Somuncu im Interview.
von Veronika Fischer

Kulturparcours

Zwei Gedichte im April
von Claire Plassard und Florian Vetsch

Mixologie
von Niklaus Reichle und Philipp Grob

Am Schalter im April: Alternativen zum Little WEF

Abgesang

Kehl buchstabiert die Ostschweiz
Kellers Geschichten
Kreuzweiseworte
Pfahlbauer
Boulevard

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2

Ei­ne Por­ti­on Kunst

Im Kunst Kon­tor Ror­schach lud der Künst­ler Fe­lix Stöck­le zu ei­nem Din­ner, ei­ner Aus­stel­lung, ei­nem Hap­pe­ning – zwi­schen Fi­ne Di­ning, Ke­ra­mik, pop­kul­tu­rel­len Re­fe­ren­zen und der al­ten Idee ei­nes ge­teil­ten Ti­sches.

Von  Veronika Fischer
Kunstkontor dinner felix stoeckle 1

Hür­de um Hür­de

Nach zehn Jah­ren in der Schweiz woll­te sich Sa­mi­ra Ra­him mit ih­rer Fa­mi­lie ein­bür­gern las­sen. Die zahl­rei­chen bü­ro­kra­ti­schen Hin­der­nis­se und die ho­hen Kos­ten brach­ten die Fa­mi­lie zeit­wei­se fast da­zu, auf­zu­ge­ben.

Von  Andi Giger
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Raum­pla­nung als He­bel ge­gen die Woh­nungs­kri­se

Ber­lin­gen hat ei­ne neue Me­tho­de der In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­wi­ckelt: ei­ne Ana­ly­se des Orts­bilds als Grund­la­ge, um die wert­vol­le Bau­kul­tur zu er­hal­ten und gleich­zei­tig die In­nen­ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen. Nun steht die Ver­an­ke­rung in der Orts­pla­nung an.

Von  Rahel Lämmler
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Nach dem Rück­tritt von Pe­ter Jans: Das Ren­nen um den va­kan­ten Stadt­rats­sitz ist er­öff­net

SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

Von  Reto Voneschen
Offizielles bild stadtrat 2021 Bild PD Ueli Steinbgruber

Ein Tau­mel von Grün

Im Bo­ta­ni­schen Gar­ten St.Gal­len geht es ab nächs­ten Sams­tag wun­der­sam zu und her: Künst­ler:in­nen aus ver­schie­de­nen Spar­ten la­den zum sze­ni­schen Rund­gang un­ter dem Ti­tel In der Däm­me­rung wächst ein Flüs­tern. Ein Pro­ben­be­such.

Von  Peter Surber
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In den Wald hin­ein

Der Dra­ma­ti­ker An­dre­as Sau­ter liest am 27. Au­gust im Li­te­ra­tur­haus Thur­gau aus sei­nem un­fer­ti­gen Ma­nu­skript Ein­bruch der Wild­nis. Im Zen­trum des Werks steht die Fra­ge, was es für ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Wan­del braucht.

Von  Vera Zatti
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«Ich bin mir voll­kom­men fremd, wenn ich nicht schrei­be»

Die deut­sche Fil­me­ma­che­rin Re­gi­na Schil­ling bringt zum 100. Ge­burts­tag von In­ge­borg Bach­mann Je­mand, der ein­mal ich war ins Ki­no. Der Do­ku­men­tar­film ver­knüpft gross­ar­ti­ge Ar­chiv­auf­nah­men mit fik­tio­na­len Sze­nen aus dem letz­ten Le­bens­jahr der Dich­te­rin zu ei­nem zu­gäng­li­chen Plot.

Von  Eva Bachmann
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Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
El hidaje rundgang david gadze

Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
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Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
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FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
Gallus Samuel Portrait sw WEB

Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
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Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
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Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi

FC St.Gal­len vs. FC Lu­zern 2:2 – Im­mer­hin ein Punkt

Ge­gen die­ses Lu­zern müss­te der FC St.Gal­len ei­gent­lich drei Punk­te ein­fah­ren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es im­mer­hin ei­ner wird. Der Aus­gleich ge­lingt erst weit in der Nach­spiel­zeit per Pe­nal­ty. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Ein er­staun­li­ches Werk

Her­bert Rauch (1929–2012) war Brief­trä­ger und Künst­ler. In den Schwarz-Weiss-Fo­to­gra­fien des Rank­wei­lers er­schei­nen Ob­jek­te wie Stei­ne und Fe­dern als abs­trak­te, gra­fi­sche Ge­bil­de. Nun ist ein Fo­to­band zu sei­nem Spät­werk er­schie­nen, und im Schau­raum Re­né Dal­pra in Alt­ach sind sei­ne Ar­bei­ten aus­ge­stellt.

Von  Ariane Grabher
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Stadt der Un­der­dogs

Ei­ne Bun­des­rä­tin, meh­re­re Na­tio­nal­rät:in­nen und die Po­li­trap­per der Stun­de: Al­le kom­men sie aus der Klein­stadt Wil. Ei­ne Er­kun­dung vor den Lo­kal­wah­len.

Von  Kaspar Surber
Lukas reimann mike sarbach ursula haene