Mal wieder einen Baum umarmen… ! Nein, es geht viel weiter und tiefer. Bäume, sagt der amerikanische Biologe David G.Haskell, leben in einem vielfältigen Beziehungsgeflecht. Er beschreibt dies in seinem vor kurzem erschienenen Buch Der Gesang der Bäume am Beispiel einer Reihe von Baum-Individuen. Zum Beispiel dem riesenhaften Kapok-Baum im Regenwald von Ecuador, in und auf dem ganze Populationen von anderen Bäumen, von Affen und Vögeln, von Flechten, Moosen und Pilzen und Myriaden von Mikroorganismen leben. Sie bilden eine Lebensgemeinschaft, die aus der Beziehung zu anderen besteht. Bäume seien, wie Menschen, Insekten, Vögel oder Bakterien, «nicht eins, sondern viele».
Vom «Gesang der Bäume» könnten vermutlich auch die Waldkinder ein Lied singen. Diese Saiten-Ausgabe ist der Waldschule und der Naturpädagogik gewidmet. Anlass ist das 20-Jahr-Jubiläum der Waldkinder St.Gallen. In der Notkersegg am Rand der Stadt ist 1998 ein schweizweit pionierhaftes Schulmodell entstanden, das auch 20 Jahre danach noch immer funktioniert und vielfache Nachahmung gefunden hat. Saiten lässt sich von den Kindern in den Wald (ver)führen, gibt Waldeltern und Ehemaligen das Wort, forscht nach den Bruchstellen zwischen Naturerlebnis und digitaler Welt und stellt am Beispiel neuer Waldkinder-Initiativen die Frage: privat oder öffentlich. Das Titelthema schliesst mit einer Hommage an den Wald. Unser Dank gilt dem Waldkinder-Team für die Unterstützung dieses Hefts, das als Kooperationsprojekt vom Verein Waldkinder St.Gallen mitfinanziert worden ist. Was wir gelernt haben vom «Lehrmeister Wald»: Augen auf, Ohren auf, alle Sinne auf! Und: warm anziehen!
Weiter im frauenbewegten März: Das grosse Interview über MeToo und die Perspektiven eines zeitgemässen Feminismus mit der Soziologin und Genderforscherin Franziska Schutzbach. Musikalische Aufbrüche im Osten und musikalische Erinnerungen an 1983: The Fall in St.Gall. Vorblicke auf das Festival Wortlaut und eine Lobrede auf den städtischen Kulturpreisträger 2018. Und Antworten auf Berthas* Fragen.
David G. Haskell hat übrigens von den Bäumen seinerseits gelernt, dass «die Dualität Mensch-Natur aus biologischer Sicht eine Illusion ist. Unsere Körper und unsere Gehirne sind so wild und natürlich wie eh und je.» Schön wärs zumindest.
Peter Surber
Reaktionen/PositionenRedeplatz mit Richi KüttelHässig von Nadja KeuschHerr Sutter sorgt sich… von Bernhard ThönyEvil Dad von Marcel MüllerBlickwinkel von Daniel V. KellerMensch Meyer von Helga und Janine Meyer
Danke, König Winter!Die Reportage aus dem Waldkindergarten.von Claudio Bucher
Keine Bäbi-Ecke, keine Brio-BahnEin ehemaliges Waldkind erzählt.von Corinne Riedener
Es gibt kein schlechtes WetterDer Bericht einer Waldmutter.von Kristin Schmidt
Selbstwirksam im WaldEva Helg, die pädagogische Leiterin der Waldkinder St.Gallen, im Interview.von Peter Surber
«Ökos und solche, die Bäume umarmen»Privat oder öffentlich – das ist die Frage.von Nina Rudnicki
Die Schule des WaldesWas kann der Wald uns beibringen? Sieben Lektionen.von Peter Müller
Die Fotos im Titelthema sind von Beat Belser, die Zeichnungen von den Waldkindern.
Flaschenpost aus Wien. von Max Altherr
Serie zu Europa – Teil 2: politische Kultur und Demokratieverständnis.von Simon Graf
Zum Tag der Frau:
Franziska Schutzbach über MeToo und kapitalistische Ausbeutungsmechanismen.von Corinne Riedener
News vom Amt für die temporäre Exploration von Geschlechterdevianzen.von Corinne Riedener und den Berthas*
Dachs: das Ostschweizer Pop-Ereignis des Jahres.von Claudio Bucher
Monet 192: Auf dem Weg nach oben?von Corinne Riedener
The Fall: Erinnerung an das einzige Konzert in St.Gallen.von Marcel Elsener
Vergiss dich nicht: Lika Nüsslis neue Graphic Novel.von Peter Surber
Kulturpreisträger Felix Lehner – eine Lobrede.von Ueli Vogt
Twin-Towers in der Lokremise.von Dorothee Haarer
Kulturparcours
Mixologievon Niklaus Reichle und Philipp Grob
2 Gedichte im Märzvon Florian Vetsch und Claire Plassard
Kehl buchstabiert die OstschweizKellers GeschichtenKreuzweisewortePfahlbauerBoulevard
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.
Geschlechterspezifische Gewalt ist auch in Appenzell Realität, und doch wird zu wenig darüber geredet. Mit der Diskussionsveranstaltung «werom – schwätze statt schwiige» luden drei junge Appenzellerinnen zum offenen Austausch über Gewalt, Prävention und Zivilcourage.
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 1: Openair-Kinos, Blablabor – «Guerilla Radio», Michail Pirgelis – «HYLE», «Heimatflimmern», Kulturfestival St.Gallen, Leonce und Lena, Kunstspaziergänge und Musik im «Flöözli» sowie Rundgänge zum Blumenwies und zur Schwammstadt.
Der «Landesverräter» war gern am Fluss
Musik im Rorschacherberg
In Konstanz gastiert derzeit die Gruppe As Karuana – ein politischer Frauenchor aus dem Amazonas. Sie zeigt mit ihrer Musik, ihrem Tanz, ihrer Kunst und ihrem Wissen politische Résistance und kämpft für die Rückeroberung ihrer indigenen Kultur.
Malerin, lesbisch und glühende NS-Anhängerin. Stephanie Hollenstein (1886-1944) war vieles. Ein Widerspruch? Der neue Dokumentarfilm von Birgitta Weizenegger befasst sich mit dem Leben der vorarlbergischen Künstlerin.
Gastkommentar von Jacques Michel Conrad
Zum 20. Mal bringt das Kulturfestival internationale Entdeckungen und lokale Lieblingsbands in einen der schönsten Konzertorte St.Gallens. Zum Jubiläum blickt Organisator Lukas Hofstetter zurück – und behauptet sich zugleich in einem Musikgeschäft, das für kleinere Festivals immer schwieriger geworden ist.
Vor 40 Jahren gründete Felix Lehner in Beinwil am See die Kunstgiesserei, die 1994 nach St.Gallen zog. Und vor 20 Jahren entstand ergänzend dazu die Stiftung Sitterwerk, die unter anderem eine weltweit einzigartige Kunstbibliothek führt. Wir tauchen ein in diesen wundersamen Mikrokosmos im Sittertal. Ausserdem in der Juli/August-Doppelnummer: die unverzichtbaren Sommertipps, die Flaschenpost von Anna Stern aus Finnland und das Interview zum 100-Jahr-Jubiläum unserer Hausdruckerei Niedermann.
Florian Fuchs arbeitet an einer antik anmutenden, 2,5 Meter hohen Marmorstatue. Warum interessiert sich ein junger Bildhauer für diese klassische Herangehensweise? Ein Werkstattbesuch in Flawil.
Es war das Jahrzehnt der Kultur: In den 80ern kam die Stadt St.Gallen zu einer Kunsthalle, einem Programmkino, der Frauenbibliothek, der Grabenhalle, genossenschaftlichen Beizen und anderem. Wie das gelang und wer die Fäden zog, zeichnen Ralph Hug und Corinne Schatz im Buch Der grosse Aufbruch nach.