Nach jahrzehntelanger Nutzung, so heisst es im Projektbeschrieb, müsse das Theater «umfangreich saniert und erweitert werden. So kann es sich für sein Publikum noch weiter öffnen und den zeitgemässen Forderungen und Wünschen nach Barrierefreiheit, Brandschutz, Nachhaltigkeit und angemessenen Arbeitsplatzbedingungen sowohl in den Werkstätten als auch für das künstlerische Personal entsprechen.»
St.Gallen? Nein: Karlsruhe. Dort steht, vor 40 Jahren eröffnet, ein markanter Betonbau, vergleichbar dem hiesigen Theater. Und auch dort ist der Sanierungsbedarf beträchtlich. Allerdings greift das Badische Staatstheater (Stadt Karlsruhe und Land Baden-Württemberg je zur Hälfte) dafür tiefer in die Schatulle. Die Umbauzeit ist auf zehn Jahre angelegt, Kostenpunkt: 270 bis 325 Millionen Euro. Neben dem bestehenden Theater mit 1000 Plätzen entsteht in der ersten Phase ein «Kleines Haus» fürs Schauspiel mit vier Bühnen zu 400, zweimal 150 und 60 Plätzen sowie Probebühnen. Die zweite Phase erneuert Orchesterräume und Werkstätten, die dritte dann saniert das Grosse Haus.
Klar: Karlsruhe (300’000 Einwohner) ist eine Weltstadt, und mit dem reichen Deutschland kann die arme Schweiz sowieso nicht mithalten. Aber Ironie beiseite: Sieht man sich die dortigen Pläne an, wirkt die Diskussion um die Renovation des Theaters St.Gallen umso beschämender. In doppelter Hinsicht: Zum einen haben Kanton und Theater in vorauseilender Ängstlichkeit nur das absolut Notwendigste in die Renovationsvorlage hineingepackt, und zum andern haben die Sparpolitiker der Milliardärspartei im Kantonsrat auch das noch zu teuer gefunden und eine Volksabstimmung erzwungen.
Diese findet am 4. März statt und ist für Saiten der durchaus fröhliche Anlass, das Februarheft dem Theater zu widmen. Einerseits dem hiesigen: mit einem Rundgang hinter den Kulissen, mit Fragen an den Direktor und Rundum-Fragen zur Situation der freien Theater- und Tanzszene. Fazit: Das Theater braucht die Sanierung. Und das freie Theater braucht mehr Raum. Andrerseits werfen wir einen Blick ins Theaterhaus Thurgau und nach Bern. Schliesslich: ein Essay von Rolf Bossart über das Theater der Gegenwart. Und nicht zu vergessen Jakob – Saiten hat eine Unterstützungsaktion unter Kulturschaffen- den, Kulturfreundinnen und -freunden für den Theaterkredit lanciert, die über den 4. März hinaus Bestand haben soll. Mehr auf den Seiten 35 und 36 im Heft und unter ja-kob.ch.
Ausserdem im prallen Heft: No NoBillag. Die ersten Tage der «Republik». Viel Musik, Tanz, Literatur, Kunst, Geschichte. Und, kein Theaterstück, aber auch lohnend: Die Leiden der jungen Bertha*.
Peter Surber
Reaktionen/Positionen Redeplatz mit Felix BächliHässig von Nadja KeuschStimmrecht von Gülistan AslanHerr Sutter sorgt sich… von Bernhard ThönyEvil Dad von Marcel MüllerBlickwinkel von Daniel V. KellerGenerationen-Pingpong von Helga und Janine Meyer
Verdi mit DuschgelHinter den Kulissen des Theaters St.Gallen.von Nina Rudnicki
«Erste Priorität haben die Arbeitsplätze»Fragen an Werner Signer, den geschäftsführenden Direktor des Theaters St.Gallen.von Peter Surber
Fenster auf, Räume her für die FreienMehr Platz in der Lokremise, bitte, und endlich ein Haus für die «vierte»Sparte.von Peter Surber
Der Kubus von BernErfahrungen mit einem Theaterprovisorium.von Flavia von Gunten
Schiffbruch gibt es nur auf der Bühne30 Jahre Theater Bilitz, 10 Jahre Theaterhaus Thurgau.von Tobias Rüetschi
Für ein Theater der GegenwartÜberlegungen zum realistischen Theater und der Arbeit von Milo Rau.von Rolf Bossart
Jakob sagt Ja . Stimmen und Argumente für die Theatersanierung.
Die Bilder zum Titelthema fotografierte Hannes Thalmann.
Die ersten Tage der «Republik»«Republik»-Reporter Carlos Hanimann im Gespräch.von Claudio Bucher«Res publica» oder die Fortsetzung des Journalismus mit anderen Mitteln.von Michael Felix Grieder
NoBillag reloaded: SRF und der Hofer-Club.von Toni Saller
Serie Europa – Teil 1: Polarisierung und Populismus.von Simon Graf
Das Architekturforum widmet sich dem streitbaren Thema Wohnen.von René Hornung
Michaella Guez-Barasch: Als Jüdin in Herisau.von Brigitte Schmid-Gugler
Flaschenpost aus Den Haagvon Luca van Grinsven
Nordklang, die Zwölfte.von Claudio Bucher
Im Interview: Die neue Direktorin des Fotomuseums Winterthur.von Katharina Flieger
Die Biografie zu Paul Hubers 100. Geburtstag.von Peter Surber
Mahi Binebines Roman Cannibales wurde neu übersetzt.von Florian Vetsch
Napoleon III. als Kindergeschichte.von Harry Rosenbaum
Johannes Andereggs neues Buch.von Andreas Härter
Die Sigurd Leeder-Ausstellung in der Kunsthalle Ziegelhütte.von Kristin Schmidt
Katinka Bock und Frauenbilder im Kunstmuseum Winterthur.von Giulia Bernardi
Mixologievon Niklaus Reichle und Philipp Grob
Am Schalter im Februar: die Leiden der jungen Bertha*
Kehl buchstabiert die OstschweizKellers GeschichtenKreuzweisewortePfahlbauerBoulevard
Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.