St.Gallen und Umgebung. Das ist meine Lieblings-Landkarte, Massstab 1:25’000. Sie umfasst ungefähr das Gebiet, das ich am besten zu kennen glaube, das Gebiet mit St.Gallen mittendrin, kurzerhand «d’Stadt» genannt, und drumherum, zugegebenermassen, noch unzählige weisse Flecken, zum Beispiel Arnegg, warum zum Teufel bin ich in meinem Leben noch nie in Arnegg gewesen? Arnegg muss nachgeholt werden, irgendwann, aber andere weisse Flecken werden weiss bleiben.
St.Gallen und Umgebung. Das ist das Gebiet, das wir uns als Heranwachsende buchstäblich Schritt für Schritt erschlossen haben auf den notorischen Sonntagsausflügen. Zu Fuss über Guggeien-Höchst, Schloss Watt und Steinach an den See, vorzugsweise im Blustfrühling. Oder mit dem Bus ins Bild, damals noch Arenafrei, dann hoch zum Tierli Walter via Schloss Oberberg – immer war irgendwo ein Schloss zu bestaunen. Oder via Ganggelibrücke nach Stein-Hundwil, via Gübsensee nach Herisau. Schliesslich südwärts, der Klassiker: über die Eggen, Vögelinsegg-Waldegg-Schäflisegg, dann hinunter nach Teufen ins Café Spörri.
Ende der Privatnostalgie. Inzwischen sind die einst dörflichen Dörfer näher oder ganz nahe an die Stadt gerückt. Sind zu Pendler-Orten geworden, dem Siedlungs- und Verkehrsdruck ausgesetzt und ihn mitproduzierend, wachsend, unterschiedlich prosperierend. Rund um St.Gallen spielen sich Entwicklungskonflikte ab, Modernisierungs-Zwiespältigkeiten: Wie findet das Stadtland den Anschluss an die Zukunft? Ist diese Zukunft urban, agglomeritisch oder ländlich? Und wie steht es um die dörfliche Identität, die vielleicht längst nur noch eingebildet ist?
Diese Saitenausgabe unternimmt ins neue Jahr hinein eine Bewegung hinaus aus der Stadt ins Umland. Von der Landstadt ins Stadtland. Wie steht es um Fusionsgelüste und Infrastrukturnöte? Um Steuerbelastung und Kulturausgaben? Wie war das vor bald 100 Jahren, als schon einmal Gross-St.Gallen entstand? Wie trinkt es sich by night im Ostschweizer Irgendwo? Wie wurde aus dem Multergassenjunge ein Regio-Freund? Warum ist die Klinikkontroverse von Rehetobel exemplarisch und die Autobahnbrücke über die Goldach symbolträchtig? Überdies haben wir ein paar Ex- und Immernoch-Ostschweizer nach «urbanen» Stellen im Umland gefragt. Und Fotograf Till Forrer erkundet mit seiner Drohnenkamera das Stadtland von oben.
Das Heft soll Auftakt sein für eine Reihe «Saiten fährt ein», die Redaktion und Verlag in den nächsten Monaten planen. Erste Station im Januar ist Wittenbach. Das Ziel heisst: Weg mit den weissen Flecken in St.Gallen und Umgebung.Peter Surber
Reaktionen & PositionenBlickwinkel von Tamara JanesStadtpunkt von Dani FelsRedeplatz mit Margrit BürerEinspruch von Martin Amstutz
Sieben Knackpunkte zur Agglo-Zukunft. Verkehrsprobleme, Hüslischwiz und Steuerprozente.von René Hornung
Gemeindefusion: Die Stadt würde wollen…Welches Wachstum wollen wir? Ein Bauprojekt entzweit ein Dorf.von Peter Surber
Wo sich die Sonne am Nebel reibtMit der Drohne auf Bilderjagd.von Corinne Riedener
Flippern in AmriswilIm Ausgang von Gossau bis Rorschach.von Tim Wirth
Die Mitte am Randvon Sascha Erni, Georg Gatsas, Michael Schürch, Cathrin Caprez
Die schrittweise Verfertigung der StadtEntdeckungsreisen mit dem Plastik-Traktor.von Hans-Ruedi Beck
Eine Brücke ins urbane DorfBetrachtungen zur Autobahn am Beispiel Goldach.von Corina Tobler
Wie «Gross-St.Gallen» entstandIm Ersten Weltkrieg rückten St.Gallen, Straubenzell und Tablat zusammen.von Peter Stahlberger
Umfrage«Gut politisiertes Kültürmagazin» Die Auswertung unserer Umfrage vom November-Heft.von Corinne Riedener
PerspektivenFlaschenpost von Monika Slamanig aus KlagenfurtWinterthurToggenburgAppenzellRheintalStimmrecht von Yonas Gebrehiwet
«Das Schlimmste ist die Spaltung der Kulturschaffenden»Openair-Gründer Freddy «Gagi» Geiger im Interview.von Peter Surber
Zaghafte MaschineDas neue Hotel auf der Schwägalp.von Marcel Bächtiger
Hochfliegende HolzkisteDie neue Station auf dem Chäserrugg.von René Hornung
Brillant unperfektDas Heimspiel 2015 in St.Gallen.von Peter Surber
Liechtis VermächtnisBis kurz vor seinem Tod arbeitete Peter Liechti an einem letzten Werk. Dieses wird nun an den Solothurner Filmtagen gezeigt.von Urs-Peter Zwingli
Familiäre TiefenbohrungDer Erstling der Appenzeller Autorin Eva Roth lässt tief blicken.von Wolfgang Steiger
Nächtelang auf BilderjagdEin Bildband zeigt die besessene Aufnahmetätigkeit des Fotografen Andreas Züst.von Georg Gatsas
Norient provoziertFinnischer Metal, kambodschanischer Rock und Pop-Avantgarde: Das Norient Musikfilm-Festival.von Benedikt Sartorius
Weiss auf schwarz
AbgesangKellers GeschichtenCharles Pfahlbauer jr.Boulevard
Jonas Ulrich taucht mit seinem ersten Spielfilm in die Black-Metal-Welt ab. Wolves ist eine bildstarke Geschichte über Einsamkeit und das Dazugehören, voller Gegensätze und mit etwas holprigen Dialogen.
St.Gallen bewahrt nicht mehr nur 1000-jährige Handschriften. Mit dem Internet Archive Switzerland entsteht hier ein Archiv für Webseiten, künstliche Intelligenz und das digitale Gedächtnis der Zukunft.
Mit Internet Archive Switzerland entsteht in St.Gallen ein Ableger des grössten Archivs für Websiten und Künstliche Intelligenz weltweit. Ausserdem im Juniheft: Männer unter Generalverdacht, das grosse St.Galler 80er-Buch, das Abschiedsinterview mit dem langjährigen Kellerbühnenchef und die Flaschenpost aus Venedig.
Der WWF St.Gallen wird 50 Jahre alt. Sein Geschäftsleiter Lukas Indermaur zieht bei der Beurteilung der aktuellen Situation von Natur und Umwelt eine durchzogene Bilanz.
«Urs Frei. A – Z» im Kunstmuseum St. Gallen ist die erste Retrospektive zum ausserordentlichen Schaffen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Arbeiten geben Einblick in ein Werk, das kaum zu fassen ist. Das gehört zu seiner Qualität.
Wie wollen wir künftig leben und unsere Nahrungsmittel produzieren? Die Ausstellung «How goes Tomorrow» der Ostschweizer Künstlerin Claude Bühler in der Shedhalle in Frauenfeld sensibilisiert für nachhaltige Handlungsstrategien.
«Das Kind zurücklassen? Wie kann man so dumm und herzlos sein», schreibt der Schweizer Autor Lukas Bärfuss über seine Mutter, die keine Mutter für ihn sein konnte. In seinem neuen Buch schaut er in die Vergangenheit und hat Verständnis, nicht für die Mutter, aber doch für diese Frau, die nie Glück und immer zu wenig Geld hatte.
Gaal, Görtler und Witzig schiessen St. Gallen zum langersehnten Cupsieg!
Die Medikamentenversuche von Münsterlingen als Teil eines Vampir-Musicals? Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Die Bühne Mammern wagt den Versuch. Ab 29. Mai im Zirkuszelt.
Die diesjährige Kulturlandsgemeinde findet entlang der Bahnlinie zwischen Gossau und Wasserauen statt. Es ist ein interdisziplinäres Experimentzwischen Kunst, Gesellschaft und Aktivismus. Ausserdem stellt die Kulturlandsgemeinde künstlerisch und organisatorisch die Weichen für die Zukunft.
Am Samstag findet in St.Gallen erstmals das Punkfestival El Cartel statt. Es soll dazu beitragen, die Szene zu stärken. Dabei fehlt es gerade in St.Gallen an Nachwuchs.
Seit 40 Jahren macht die Bibliothek Wyborada in St.Gallen sichtbar, was lange fehlte: Literatur von und über Frauen. Heute sind Autorinnen und feministische Themen zwar stärker präsent in der Öffentlichkeit, doch die Relevanz der Bibliothek ist nach wie vor gross.
Mit einer Interpellation greifen SVP und EDU im St.Galler Kantonsrat den ausserschulischen Aufklärungsunterricht an. Und mit Unterstützung des «Lehrernetzwerks Schweiz» wollen Eltern aus Bütschwil eine Mitarbeiterin der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen vor Gericht bringen. Dahinter steckt eine orchestrierte Aktion.
«Dieci», die italienische Zahl für zehn, ist das Motto des diesjährigen Heiden-Festivals. Es verweist dabei nicht nur auf das Jubiläum, sondern auch auf eine kulturpolitische Haltung.
Naturmuseum Thurgau
Das St.Galler Theater Trouvaille entdeckt den Musiker und Juristen Mani Matter neu. «’S isch einisch eine gsy»– 90 Jahre Mani Matter verbindet zahlreiche Lieder und literarische Texte des Berners zu einem abendfüllenden Programm. Saiten hat mit dem Theaterleiter Matthias Flückiger gesprochen.
Vier Jahre nach ihrem Debüt kehren Lev Tigrovich mit einer neuen EP zurück. Diese handelt von Kontrollverlust, Illusionen und grossen Gefühlen – und enthält erstmals einen Song, der nicht auf Russisch gesungen ist.
Im letzten Spiel der Saison trifft der FC St.Gallen auf den neuen Schweizer Meister aus Thun - einen Sieger gibt es nicht.
Caline Aoun interessieren die Momente der Veränderung, die Übergänge und Zustände. Ihre Ausstellung in Kunstmuseum und Kunsthalle Appenzell wird zum Ende der sechsmonatigen Laufzeit eine andere sein als zu Beginn.
Der 1100. Todestag von Wiborada – Inklusin, Stadtheilige und Projektionsfläche – ist zurzeit Thema vielfältiger Aktivitäten. Zu den Highlights gehört eine mutmassliche Unterschrift, zu besichtigen in der Ausstellung im St.Galler Regierungsgebäude.