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Saiten im Februar: Wir sind das Volk

Ein Heft über die Schwierigkeiten mit der Demokratie an den Urnen und in den Köpfen. Ausserdem: Kind­heitsbilder. Garagen­töne. Bergtheater. Und ein Franzose.
Von  Redaktion Saiten
Die Bilder zum Titelthema fotografierte Benjamin Manser.

Das Volk, das ominöse. Was ist das eigentlich, und wer gehört wann dazu?

Im Festzelt alle. Bei Marx die «kleinen Leute». In der Schweizer Politik etwa 20 Prozent der Bevölkerung, besser bekannt als Stimmvolk, jene kleine Elite also, die das Privileg hat, über alle zu bestimmen, ohne alle zu repräsentieren.

Am 28. Februar ist es wieder soweit, das Volk soll seinen Willen kundtun. 
In der Stadt St.Gallen wird über das weitere Vorgehen beim Güterbahnhofareal bestimmt, im Kanton über die Zusammensetzung des Parlaments bis 2020 und 
auf nationaler Ebene werden gleich vier Themen abgehandelt: Nahrungsmittelspekulation, das Konstrukt Ehe, die Löcher im Gotthard sowie die sogenannte «Durchsetzungsinitiative». Letztere ist speziell brisant, wenn es um «das Volk» geht. Würde sie angenommen, gälten für etwa einen Viertel der Bevölkerung – alle 
ohne Schweizer Pass – künftig andere Rechtsgrundlagen als für den Rest.

Bundesrat und Parlament hätten 
sich nach der Annahme der Ausschaffungsinitiative 2010 geweigert, den Volkswillen umzusetzen, findet die SVP. Rechtsprofessor René Rhinow entgegnet:
«Wer das Volk wirklich ernst nimmt, muss es in seiner Vielfalt ernstnehmen.»
 Diese Kluft war es, die uns zu diesem Heft inspiriert hat. Unter anderem, denn
 schon der Volksbegriff an sich ist problematisch genug. Ausser Pegida («Wir
 sind das Volk») und der SVP (sie nennt sich «Volkspartei») nimmt ihn heutzutage
 kaum jemand gern in den Mund. «Das Volk» steht in der Regel wahlweise für «das Volch», das Völkische oder das Volkstümliche.

Dabei könnte man auch sagen, «das Volk» sei die Summe aller Betroffenen, eine Gesellschaft von Ungleichgesinnten, Katalysator jeder Demokratie oder die Basis einer florierenden Wirtschaft.
 Kurz: Der Volksbegriff ist voller Widersprüche. Rolf Bossart geht in diesem Heft einigen davon nach. Auch Andreas Kneubühler sieht Widersprüche, nämlich
jene zwischen Volkswillen und dessen realer Umsetzung in der Stadt St.Gallen. Urs-Peter Zwingli nimmt sich, im Hinblick auf die Kantonsratswahlen, die St.Galler Möchtegern-Volksvertreter ohne Partei im Rücken vor, Corinne Riedener versucht das Online-Volk zu verstehen, Peter Surber die neue Volkskultur – und Sina Bühler und Roger Greipl fordern die längst überfällige Masseneinbürgerung. Die Bilder zum Thema hat Benjamin Manser gemacht.

Ausserdem im Heft: Geschichten
 aus Wittenbach, wo Saiten im Januar eingefahren ist, der Bericht aus Samos, wo 
Open Eyes Geflüchtete mit Essen versorgt, viel Fotografie sowie GarageMusik
aus allen Landesteilen. Und ein Nachruf auf David Bürkler, den kürzlich verstorbenen St.Galler Künstler.

Corinne Riedener

 

Der Inhalt:

 

Reaktionen & Positionen 


Blickwinkel 
von Tamara Janes
Stadtpunkt von Dani Fels
Redeplatz mit Juri Schmid
Einspruch von Andrea Scheck

 

Wir sind das Volk.

Zwei Versuche über das Volk
Das Volk ist: die Achillesferse der Demokratie. Das Volk ist nicht: eine Einheit.
von Rolf Bossart

Wir brauchen eine Masseneinbürgerung
Der Schweizer Einbürgerungsprozess ist aufwendig und erniedrigend.
von Sina Bühler und Roger Greipl

Politiker gegen PowerPoint und Blitzkästen
Kantonsratswahlen: Die Parteilosen und ihr Programm.
von Urs-Peter Zwingli

Steiniger Weg zur Debatte

Statt Mitsprache für alle hat das Internet uns Debatten gebracht, die vor Hass und Vorurteilen triefen.
von Corinne Riedener

«Einmal im Internet, immer im Internet»
Ein Fachmann für eParticipation im Gespräch.
von Corinne Riedener

Am Volk vorbei

Das Freihandelsabkommen Tisa beschäftigt nun auch die St.Galler Parlamente.
von Peter Surber

Falsche Fragen, falsche Gewichtungen

Bei der St.Galler Stadtplanung kann die Bevölkerung zu wenig mitbestimmen.
von Andreas Kneubühler

Für eine Kultur der Vielen

Die Kultur hat die Politik mit einem fortschrittlichen Volksbegriff längst überholt.
von Peter Surber

Die Bilder zum Titelthema hat Benjamin Manser fotografiert.

 

Perspektiven

Flaschenpost
von Sophie à Wengen aus Samos
Schaffhausen
Thurgau
Vorarlberg
Rapperswil
Stimmrecht von Yonas Gebrehiwet

 

Saiten fährt ein: Wittenbach

Ein Dorf sucht seine Mitte
Aus dem Oedenhof soll doch noch ein «städtisches» Zentrum werden.
Von Gerold Huber

Kultur gibt’s nur im Schloss
Die Suche nach Kultur im Dorf und guten Büchern im Brocki.
von Peter Surber

 

Interview

«Eine Milliarde für die Hüslibewohner»
Im Gespräch mit Siedlungskritiker und «Stadtwanderer» Benedikt Loderer über die Güterbahnhof-Initiative.
von Peter Surber

 

Kultur

Schneeballschlachten und Tschuttibildli
Ein Fotoband zeigt das Leben
von Kindern in der Schweiz seit 1870.
von Richard Butz

Die Ausserirdische
Hazel Brugger macht, was sonst nie- mand in der Schweiz kann: Gute, rich- tig böse Standup-Comedy.
von Etrit Halser

Ein Atlas des Lebens
840 Menschen hat Oliver Baer in 20 Tagen fotografiert. Nun erscheint ein wahres Monster von einem Buch.
Von Urs-Peter Zwingli

«Die allerschönste Sache der Welt»
Die Ostschweizer Swing Kids reisen um die Welt. Ein Dokumentarfilmer hat sie dabei begleitet.
von Corinne Riedener

Malen hinter Stacheldraht
Das Museum im Lagerhaus zeigt Kunst aus dem Internierungslager.
Von Marina Schütz

Was in Schweizer Garagen passiert
Das St.Galler Label La Suisse Primitive veröffentlicht eine Garage-Compilation mit Bands aus der ganzen Schweiz.
von Corinne Riedener

Alpines Theater ist im Trend
Gleich mehrere Ostschweizer Theaterproduktionen machen die Berge zur Kulisse oder zum Thema.
von Peter Surber

Schalk mit langen Haaren und wildem Bart
Ein Nachruf auf den Künstler David Bürkler.
von Josef Felix Müller

 

Abgesang

Kellers Geschichten
Charles Pfahlbauer jr.
Boulevard

 

5. Juli 2014: Schlager-Openair Wildhaus © Benjamin Manser

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
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Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
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WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

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Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2