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Saiten im Februar: Endlich.

Alte und neue Meister, alte und neue Hoffnungen: Ein Heft zum St.Galler Kunstmuseum. Ausserdem: Jeyakumar Thurairajah, Joachim Rittmeyer, Mphundu Brian Mjumira.
Von  Redaktion Saiten , 
Im unterirdischen Depot des Kunstmuseums fotografierte Jan Thoma.

«Steuerwettbewerb, das hiess in den letzten Jahrzehnten fast immer: Steuern senken, vor allem jene von Grossunternehmen. So macht der Steuerwettbewerb stolze Demokratien zu Schafsherden im Dienste der Konzerne, die auf Weiden grasen, wo es immer weniger zu fressen gibt.» Ein drastisches Bild – es findet sich in der Mitte dieses Hefts, im Beitrag des Wirtschaftshistorikers Dominik 
Gross zur Unternehmenssteuerreform III, über die wir am 12. Februar abstimmen. Gross macht zudem deutlich, dass unter dem ruinösen Steuersenkungswettbewerb nicht nur die Schweiz leidet, sondern auch ärmere Länder – «die USR III schadet der Schweizer Krankenpflegerin genauso wie einem Schulkind in Sambia.»

Was hat das mit dem Titelthema 
dieses Hefts zu tun, mit dem Kunstmuseum St.Gallen? Mehr als uns lieb sein kann, sollte am 12. Februar ein Ja resultieren. Denn bei einem solchen Ja drohen dem Bund, den Kantonen und Gemeinden Steuerausfälle in Milliardenhöhe – der Kanton St.Gallen kalkuliert im Finanzplan der nächsten Jahre schon einmal mit einem Minus von 30 Millionen. Sozialwesen, Bildung oder Gesundheitswesen werden die Folgen zu tragen haben – also wir
 alle. Und mit Sicherheit auch die Kultur.

Drei Wochen vor der Abstimmung (und kurz nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) eröffnet das Kunstmuseum St.Gallen mit einigem Stolz seine neue Dauerausstellung – die erste überhaupt in der wechselvollen Geschichte des Museums. Den gewonnenen Platz verdankt die Kunst dem Auszug des Naturmuseums. «Endlich! Glanzlichter der Sammlung» heisst die Schau.

Saiten nimmt das Ereignis einerseits zum Anlass, Direktor Roland Wäspe zur St.Galler Sammlung zu befragen und ins Depot der noch ungehobenen Schätze zu steigen. Andrerseits haben 
wir Künstlerinnen, Künstler und andere Kunstfachleute gefragt, was sie vom «neuen» Kunstmuseum erwarten und was sie mit den frei gewordenen Räumen
 im Untergeschoss anstellen würden. Kürzestfazit: Die Erwartungen sind hoch.
 Zum dritten schliesslich reden wir vom seit langem geplanten Umbau des alten Kunklerbaus, der das jetzige Provisorium beenden soll. Das Projekt ist, wie René Hornung erläutert, auf die lange Bank geschoben, aus Spargründen.

Und damit schliesst sich der Kreis zum Thema Steuersenkungen: Kommen der Stadt als finanzieller Hauptträgerin der Museen und dem Kanton als Mit-Zahler noch mehr Einnahmen abhanden, könnte dies die Umbaupläne weiter bremsen und das Ausstellungsprogramm beeinträchtigen.

Der Künstler Peter Kamm hofft 
daher pragmatisch auf «weiterhin ein paar gute Ausstellungen», auf genügend dotierte Ankaufskredite und auf den politischen Willen, das Untergeschoss des Museums umzubauen. Er sagt aber auch: Kunst ist wichtig, doch es gibt anderes Wichtiges, vielleicht Wichtigeres. Wer zum Beispiel auf Seite 41 blättert, wird ihm beipflichten.

Peter Surber

 

Der Inhalt:

Positionen / Reaktionen
Blickwinkel 
von Wassili Widmer
Lobrede I + II
Redeplatz
 mit Jeyakumar Thurairajah
Einspruch vom Europäischen Forum gegen Krieg für Frieden und Demokratie
Gastrecht V: Klemens Wempe gratuliert dem Palace

Endlich.

«Jedes Museum besteht aus Lücken»
Kunstmuseums-Direktor Roland Wäspe im Gespräch übers Sammeln, Besitzen und Schenken von Kunst.
von Christina Genova

Im Kunstgefängnis
Ein Besuch in den Katakomben des Kunklerbaus, wo die ungehobenen Schätze wohnen.
von Corinne Riedener

Vom Eier-Ausbrüten
Siebzehn Stimmen zum «neuen» Kunstmuseum.

Der lange Weg zum Umbau
Das Projekt «Rita, Sue and Bob too» der Park Architekten wird frühestens in sechs Jahren realisiert sein.
von René Hornung

Das Museum und «seine» Künstler
Tut das St.Galler Kunstmuseum genug für die regionale Szene?
von Peter Surber

Im unterirdischen Depot des Kunstmuseums fotografierte Jan Thoma.

Perspektiven

Flaschenpost
von Judith Altenau aus Hamburg
Toggenburg
Innerrhoden
Winterthur
Rheintal
Stimmrecht von Gülistan Aslan

#Saitenfährtein: Flawil

Strassenkaff vs. klösterliche Lebensart.
von Frédéric Zwicker und Peter Surber

Hintergrund

USR III: Nein zur radikalen Logik des Steuerwettbewerbs.
von Dominik Gross

Kultur

Risotto und Denkprozesse: Joachim Rittmeyer im Interview.
von Frédéric Zwicker

Toggenburg-Power fürs Klanghaus.
von Michael Hug

Nordklang 2017.
von Corinne Riedener

Das erste Album von Panda Lux.
von Frédéric Zwicker

Stefanie Sargnagel: die Übertrollfuckingweltmeisterin.
von Michael Felix Grieder


Mphundu Brian Mjumira spielt in Konstanz Angst fressen Seele auf.
von Veronika Fischer

Florian Vetschs und Peter Z. Herzogs Sapphische Flaschenpost.
von Clemens Umbricht

Am Schalter im Februar: der Künstler Hans Schweizer

Abgesang

Kehl buchstabiert die Ostschweiz
Kellers Geschichten
Charles Pfahlbauer jr.
Boulevard

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
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Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
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Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
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Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
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Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
Volksbad rene hornung 1

Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
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Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
Humanhuman 2026 calexandrakochdevos lowres 2

Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,