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Bitterlis Gründe für den Wechsel

Koni Bitterli verlässt nach 26 Jahren das Kunstmuseum St.Gallen; er ist zum Direktor des Kunstmuseums Winterthur gewählt worden. Dort erwartet ihn eine Museumsdebatte. Seine Gründe - und sein Lob auf St.Gallen.
Von  Peter Surber , 

Koni Bitterli, in Winterthur ist eine grosse Museumsdiskussion im Gang, unter anderem um Finanzen und um die Villa Flora, ein bisher privates Sammlermuseum, das dem Kunstmuseum angegliedert werden soll. Holt man Sie als Trouble-Shooter?

Koni Bitterli: Das Museumskonzept der Stadt Winterthur sieht vor, das Kunstmuseum und das Museum Oskar Reinhart unter dem gemeinsamen Dach des Winterthurer Kunstvereins zusammenzuführen. Zwei Häuser und damit zwei Kulturen zusammenzuführen ist eine nicht geringe Herausforderung, umso mehr als die Stadt Winterthur mit finanziellen Sorgen zu kämpfen hat. Dazu kommt in einem nächsten Schritt die Villa Flora – das muss man alles zusammen stemmen.

Es wartet also in erster Linie logistische Arbeit auf Sie?

Es ist eine Management- und Organisationsaufgabe – aber gleichzeitig geht es in der Museumsarbeit natürlich vor allem auch darum, die Sammlungen weiter zu entwickeln, attraktive Ausstellungen für das Publikum zu realisieren und ein breites Vermittlungsprogramm anzubieten. Man hat offenbar jemanden gesucht, der breite Erfahrungen auf all diesen Ebenen mitbringt und dem man zutraut, die Fäden zusammenzuhalten.

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Ehrwürdig: Das Kunstmuseum Winterthur.

Was reizt Sie selber an der Stelle?

Es ist eine spannende Aufgabe, ein Museum quasi neu zu erfinden. Ich habe das in St.Gallen mehrfach erlebt – vielleicht eher als evolutionären Prozess. Wir, d.h. Roland Wäspe und ich,  haben ein während 17 Jahren geschlossenes Museum übernommen und dafür ein vielbeachtetes Programm entwickelt, die Kunstzone in der Lokremise erfolgreich etabliert, jetzt zieht das Naturmuseum aus, das sind spannende Veränderungen. Hinzu kommt: Ich fühle mich noch frisch genug, in meinem Leben noch einmal etwas Neues anzufangen. Dennoch: Ich gehe mit einem lachenden und einen weinenden Auge, konnte ich doch im Kunstmuseum St.Gallen tolle Ausstellungen realisieren und habe mit wundervollen Menschen zusammenarbeiten dürfen. Das Kunstmuseum St.Gallen ist gut aufgestellt und hat Erfolg wie nie zuvor.

Den seit vielen Jahren erhofften Erweiterungsbau hat das St.Galler Kunstmuseum aber immer noch nicht. Ein Frust?

Nein, keinesfalls. Wer frustriert sein wollte, wäre in diesem Job definitiv am falschen Ort. Ich empfinde es als grosses Glück, mit Kunstschaffenden zusammen Ausstellungen realisieren zu dürfen. Vor allem bekommt das Kunstmuseum mit dem Auszug des Naturmuseums mehr Platz, wenn auch vorerst als Provisorium, nachdem der Umbau aus Spargründen verschoben wurde. Ein Provisorium zu bespielen ist seinerseits hoch interessant, bildende Kunst kann das leisten, sie ist immer schon sehr agil gewesen und eröffnet neue Welten.

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Ehrwürdig: das Kunstmuseum St.Gallen.

Sie haben das 26 Jahre lang an der Seite von Roland Wäspe gemacht. Eine Ära…

Ja, das ist in unserem Metier, der zeitgenössischen Kunst eine aussergewöhnlich lange Zeit. Wir haben in St.Gallen immer sehr stark im Team gearbeitet und auch Nachwuchsleute Ausstellungen kuratieren lassen. Ich gehe davon aus, dass meine Stelle wieder besetzt wird und die Kontinuität damit gewährleistet ist. Wir bekommen ja nach dem Auszug des Naturmuseums auch zusätzliche Ausstellungsräume im Haus. Unsicher ist hingegen, wie es mit der Lokremise weitergeht.

Besteht Gefahr, dass die Kunstzone in der Lok ganz wegfällt?

Es besteht eine Finanzierungslücke nach dem Sparentscheid des Kantonsrats. Dank Ursula Hausers grossartigem Engagement konnte man diese Lücke überbrücken, bis 2017. Die Lok war ja die Haupt-Leidtragende der Kultureinsparungen des Kantons. Das verstehe ich bis heute nicht: dass der Kanton erfolgreich ein Projekt aufbaut und nach bloss fünf Jahren selber torpediert.

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Haltbar, aber renovationsbedürftig: Das Winterthurer Provisorium von Gigon-Guyer.

Das Kunstmuseum Winterthur hat mit dem Anbau von Gigon-Guyer ein hochgelobtes Provisorium, das erstaunlich dauerhaft ist. Das Ausstellungsprogramm insgesamt scheint aber konventioneller, als was Sie in St.Gallen gemacht haben.

St.Gallen spürt als Museum den Puls der Zeit. Wir sind künstlerisch Risiken eingegangen. Der amerikanische Künstler Matt Mullican ist ein gutes Beispiel dafür; ihn haben wir in St.Gallen vor 16 Jahren gezeigt, jetzt ist er im Kunstmuseum Winterthur zu sehen. Das zeigt auch, dass wir mit unserem Programm nicht ganz falsch gelegen sind. Winterthur programmierte bisher vielleicht etwas «klassischer» – zudem hatte das Museum immer die Möglichkeit, mit Mitteln aus dem Zürcher Lotteriefonds bedeutende Werkankäufe auch retrospektiv zu tätigen.

Winterthur kann also einen Modernisierungsschub brauchen?

Ich habe jedenfalls nicht vor, meine Haltung gegenüber der zeitgenössischen Kunst zu ändern, nur weil ich von einem Ort an den anderen wechsle. Dazu gehören definitiv auch die dialogischen bzw. epochenübergreifenden Projekte, die mir in St.Gallen immer grossen Spass gemacht haben und wo ich auch für Winterthur ein enormes Potenzial sehe. Die Stadt hat eine grosse Geschichte, was die Bildende Kunst und das private Mäzenatentum betrifft. Zürich ist nah, man steht entsprechend im Wettbewerb, und es stellt sich die Frage, wie man das Museum bzw. die Museen erfolgreich positioniert.

Ihr Wunsch für St.Gallen?

Ich bin überzeugt, dass das Kunstmuseum so erfolgreich weitermacht wie bisher, und hoffe, dass es seinen lustvollen Biss und seine überaus attraktive Eigenwilligkeit beibehält. Zu hoffen wäre daneben, dass der Umbau trotz Sparanstrengungen allerorten eher früher als später realisiert wird, so dass Roland Wäspe ihn noch erlebt. Ich werde selbstverständlich mit Interesse verfolgen, was hier passiert – wir haben uns jedenfalls verpflichtet, gegenseitig an die Vernissagen zu kommen.

Das Museumskonzept Winterthur findet man hier. Die Debatte um ein allfällige Museumsholding und um den Einbezug der Villa Flora ist unter anderem hier nachzulesen.

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Hommage an Koni (Bild: Ueli Vogt)

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

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Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

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Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

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Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

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Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
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Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

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Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

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Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

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Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
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Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
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Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
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