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Saiten im Sommer: En Guete.

Ein Heft über globale und regionale Kost, Foodporn, Genuss und Politik rund ums Essen. Ausserdem: Cozzio. «Tagblatt». Und ein langer Kultursommer.
Von  Redaktion Saiten , 
Die Bilder zum Titelthema stammen von Francisco Sierra.

Quinoa ist im Trend. Jahrhundertelang wurde die nährstoffreiche Kulturpflanze vorwiegend in den bolivianischen
Anden gegessen, ihrem traditionellen Anbaugebiet. Mittlerweile ist der reisähnliche «Super Food» buchstäblich in aller Munde: Vor zehn Jahren wurden weltweit etwa 60’000 Tonnen Quinoa produziert, heute geht man von über 250’000 Tonnen aus. Boliviens Bauern profitieren jedoch nicht vom Hype. Weil das Saatgut verändert wurde, damit der vegetabile Verkaufsschlager auch in anderen Regionen und industriell angebaut werden kann, etwa in Peru, den USA, Indien oder China – was natürlich zu einem massiven Preiseinbruch geführt hat. Die bolivianischen Bauern können mit dieser neuen globalen Konkurrenz nicht mithalten, ausser sie verfügen über riesige Anbauflächen, Monokulturen, welche wiederum die Böden auslaugen. Tschau Ökosystem.

An diesem Beispiel (und weiteren
im Heft) lässt sich erahnen, wie komplex das Thema Ernährung ist, wie viele Aspekte es dabei zu bedenken gibt: globale bzw. regionale, wirtschaftliche, soziale, ökologische, gesundheitliche und mutmasslich noch weitere, von denen wir bisher nichts wissen. Sicher ist, auch am Essen zeigt sich das globale Ungleichgewicht: Da die gesundheitsbewussten Quinoa-Hipster, dort die bolivianischen Pleite-Bauern. Einerseits #Foodporn, Fitness und Followerpower, andererseits Hunger, Hilfspakete und Habenichtse. Oder auf die Schweiz und Europa heruntergebrochen: Auf der einen Seite das wohlständige Ideal von Max-Havelaar-Limetten und Ferien auf dem Bio-Bauernhof, auf der anderen all jene, die kaum Billag zahlen können und ihren Aufschnitt darum günstig ennet der Grenze holen.

Das alles mag zugespitzt formuliert sein, ist im Kern aber wahr – und für Saiten mehr als Grund genug, sich mit dem Essen und den damit verbundenen Fragen zu beschäftigen. Traurige Erkenntnis: Das (im weiteren Sinn) «faire Fressen» gibt es nicht, solange man nicht alles selber jagt, anbaut und verarbeitet. Warum das so ist, erklären Silva Lieberherr in ihrem Beitrag über den Basler Agrochemie-Multi Syngenta und Bettina Dyttrich, die in ihrem Text einen Blick auf verschiedene Formen der Landwirtschaft wirft.

Für manche ist Essen ein Lifestyle («Lueg, ich mach Avocado-Burger!»),
für andere eine Ideologie («Ich küss sicher kai Fleischfresser!»). Selten geht es um
den blossen Akt der Nahrungsaufnahme, heute nährt eine Mahlzeit nur allzu oft auch den Zwang zur Selbstvermarktung und -optimierung. Mehr zu diesem Wandel von Frédéric Zwicker und Maja Dörig, dazu Francisco Sierras altmeisterliche Fleischbilder. Und eine schöne Erkenntnis: Die Ostschweiz ist gar nicht
so rückständig wie sie gern tut. Auch hier findet man allerhand kulinarische Projekte, innovative Leute und vorausschauende Initiativen – einiges davon haben
wir in einem «Panorama des guten Geschmacks» zusammengetragen.

Ausserdem im Heft: Der ausufernde Saiten-Kulturführer mit sommerlich heissen Tipps aus der Region, Post aus Johannesburg und zwei grosse Interviews: Stefan Schmid zum «Tagblatt»-Umbau und Nino Cozzio zum Zustand der CVP und unserer Stadt.

Übrigens: Allein in der Schweiz werden pro Jahr rund zwei Millionen Tonnen einwandfreie Lebensmittel weggeworfen. Das sind pro Kopf 117 Kilogramm.

En Guete.

Corinne Riedener

 

Der Inhalt:

Reaktionen/Positionen

Blickwinkel 
von huber.huber
Stimmrecht von Gülistan Aslan
Redeplatz mit Kerem Adigüzel
Herr Sutter sorgt sich … von Bernhard Thöny
Evil Dad von Marcel Müller

En Guete.

Super-Food-Porn
Essen ist zum öffentlichen Akt geworden.

von Maja Dörig

Anima insana in Corpore supersano
Heute isst man politische Statements oder für den Körperkult.
von Frédéric Zwicker

Es darf auch mehr sein!
Ein Lob der (gepflegten) Völlerei.
von Ueli Vogt

Das Panorama des guten Geschmacks
Projekte, Leute und Orte in der Ostschweiz.

Syngenta, Besitz und Hunger
Wie man sich grosse Gewinne auf Kosten der Kleinbauern, Landarbeiterinnen und der Natur sichert.

von Silva Lieberherr

Nicht den Robotern überlassen
Die Industrialisierung der Landwirtschaft ist verhängnisvoll.
von Bettina Dyttrich

Gesellschaftliche Kampfzone
Nahrungspolitik: An den Börsen und an der Urne.
von Peter Surber

Die Bilder zum Titelthema stammen von Francisco Sierra.

Perspektiven

Quo vadis CVP?
Stadtrat Nino Cozzio im Interview.

von Corinne Riedener

Medien und Kolonialismus
Der neue Bildband zu Walter Mittelholzer.
von Stefan Keller

Quo vadis «Tagblatt»?
Chefredaktor Stefan Schmid über die Zweibundzeitung.

von Peter Surber

Flaschenpost aus Johannesburg
von Georg Gatsas

Kultursommer 2017

Ausgewähltes aus Musik, Kunst, Literatur, Kino, Theater & Co. mit Beiträgen aus Arbon, Appenzell, Balzers, Bregenz, Dornbirn, Eggersriet, Feldkirch, Hohenems, Konstanz, Lustenau, dem Rheintal, Schaffhausen, St.Peterszell, St.Gallen und Winterthur.

Den Sommerführer hat Hannah Raschle illustriert.

Sommergedicht: The Heat is On
von Florian Vetsch

Mixologie
von Niklaus Reichle und Philipp Grob

Am Schalter im Sommer:
Jung, weiblich und in der Politik

Abgesang

Kehl buchstabiert die Ostschweiz
Kellers Geschichten
Kreuzweiseworte
Pfahlbauer
Boulevard

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
Humanhuman 2026 calexandrakochdevos lowres 2

Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
2609 RIO Gerd Zikeli 01 IMG 1149

Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
Peter Kamm Kunst am Bau Erweiterungsbau Paedagogische Hochschule Kreuzlingen

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
01 1 Stickerei Dok Walters beide an Maschine von hinten Kopie

Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Die Schwei­zer Rock­le­gen­den Kro­ko­dil ha­ben kürz­lich ihr neu­es Al­bum Bey­ond The Eye ver­öf­fent­licht. Ur-Kro­ko­dil Dü­de Dürst schwärmt von der En­er­gie der 2019 wie­der­be­leb­ten Band – und hat noch lan­ge nicht ge­nug. Am Frei­tag spie­len sie in der Gra­ben­hal­le.

Von Pius Frey und David Gadze,
Krokodil 2026 pd

24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

Von Mia Nägeli,

Kunst in Oberuzwil

Spu­ren der Hei­mat

Von Vera Zatti,
Dieses

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von Richard Butz,
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von Philipp Bürkler,
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von Philipp Bürkler,
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von Kristin Schmidt,
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von René Hornung,
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von Christoph Keller,

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von Peter Surber,
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von Lilli Kim Schreiber,
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von Vera Zatti,
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von Jeremias Heppeler,