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Saiten im Juni: Rorschachtest.

Ein Heft über die Stadt am See, rückwärts und vorwärts gerudert. Ausserdem: Theater-Vorlage, CVP-Rücklage, Medien-Plage.
Von  Redaktion Saiten
Die Bilder zum Titelthema stammen von Marco Kamber.

Eine meiner schönsten Erinnerungen an Rorschach dreht sich um die Badhütte. Ich könnte stundenlang dort liegen und dem Wasser lauschen, wie es ums Floss schlackert, den Kopf im Horizont vergraben. Weniger gut in Erinnerung ist mir jene Nacht, die wir leidend über dem Klo verbracht haben, weil der Döner doch nicht ganz so frisch war, wie angepriesen. Besser wir hätten uns bei Nuri und Gül am Hafen einen geholt.

«Rorschach, Dönerstadt», titelte das «St.Galler Tagblatt» Mitte Mai. Eine Drittseklerin hatte sich durch alle Dönerbuden probiert und ihre Erkenntnisse in einem Kebab-Führer zusammengefasst. Weil Rorschach angeblich die höchste Dönerladen-Dichte hat. Ein Gerücht, das sich seit Jahren hartnäckig hält. So wie jenes, dass Rorschach die höchste Beizen-Dichte im Land hat – für mich zumindest den besten Griechen der Alpennordseite. Und mutmasslich eine der höchsten Dichten von Leuten ohne Stimmberechtigung.

«Problemkind am See», auch das hört man manchmal. Wenn überhaupt, müsste es Problemschwester heissen, denn wie die Stadt St.Gallen hat auch die Stadt Rorschach eine Zentrumsfunktion – mit den entsprechenden Lasten und einem stattlichen Speckgürtel rundherum. Die Bergler und Thalerinnen, Unteregger, Goldacherinnen und Tübacher jedenfalls profitieren oft und gerne vom Zentrum am See.
Nur die Stadt am See, die wollen sie nicht.

Wieder andere bezeichnen Rorschach als «Charmefleck» – weil man ja auch ein bisschen stolz ist auf diese leicht verruchte Homebase so vieler Leute aus aller Welt. Viele, die in Rorschach aufgewachsen oder gross geworden sind, verbindet eine
ewige Hassliebe zur nebligen Hafenstadt, nachzulesen im Text von Roman Elsener. Liebe vor allem, wenns um das Rorschach von Gestern geht. Oder um Handball.

Wie sieht das Rorschach von morgen aus? Der Chabisplatz tötelet. Ein wusliges Hafenareal bzw. einen klugen Plan für das Kornhaus gibt es immer noch nicht, aber im kleineren Massstab sei der Ort doch ziemlich in Bewegung, sagen Fachleute. Mehr dazu in den Beiträgen von Peter Surber und Frédéric Zwicker. Wenn Stadtpräsident Thomas «Mr. Aufwertung» Müller 2020 zurücktritt, wird er Rorschachs Gesicht massgeblich verändert haben, so viel steht fest. Ob seine Politik des Infrastrukturauf- und des Sozialabbaus nachhaltig ist, darf man getrost bezweifeln. Mit dem «Stadtwald», wo die drei Hochhäuser mit insgesamt 220 Wohnungen stehen, hat er sich zumindest ein städtebauliches Denkmal gesetzt. Bleibt abzuwarten, was aus dem Alcan-Areal wird. Oder aus dem Feldmühle-Quartier, dessen Geschichte Richard Lehner aufgearbeitet hat.

Rorschach ist ein weites Feld. Was ihn packte, als er an einer Wand «RoRschach» las, hat der Exilrorschacher Journalist Alois Bischof in einem melancholischen Text erzählt, publiziert posthum nach seinem frühen Tod 2015. Dort heisst es
am Schluss: «Die Schrift an der Wand,
und plötzlich war ich mir unsicher. Bin ich wirklich in Rorschach? Ich schritt in die Nacht. Wünschte mir, sozusagen als Beweis, den Geruch oder Gestank oder die Eindringlichkeit dieser Luft der Feldmühle – und, da bin ich mir sicher, hinten, im uralten Teil meines Gehirns, würden unzählige Erinnerungen auftauchen.»

Erinnerungen tauchen auch hier auf: vom Rorschacher Charles Pfahlbauer jr. und von der jungen Autorin Anna Stern – ihren Text finden Sie im Kulturteil. Ausserdem im Heft: viel Kunst, getarnte Werbung und eine Partei im freien Fall.

Corinne Riedener

 

Der Inhalt:

Reaktionen/Positionen
Blickwinkel 
von Wassili Widmer
Stimmrecht von Gülistan Aslan
Redeplatz
 mit Georges Hanimann
Herr Sutter sorgt sich… von Bernhard Thöny
Evil Dad von Marcel Müller

Rorschachtest.

Eine Stadt, die offen wäre für alle
«Tour de Rorschach» mit Otmar Elsener und Esther Widmer.
von Peter Surber

Wie ein Quartier Rorschach verändert
Das Löwenquartier als «Projet urbain».
von Frédéric Zwicker

1000m2 Zukunft
Rorschach entdeckt das Glück der Zwischennutzung.
von Peter Surber

Sozialhilfe im «Detroit der Ostschweiz»
Der Stadtpräsident und seine Sozialpolitik.
von Andreas Kneubühler

Eine linke Hand reicht
Rorschach war einmal eine Handballstadt.
von Corinne Riedener

Zwei Fische im Wappen
Eine Suche nach der Fischerei in Rorschach.
von Peter Müller

Gerstensaft vom Ordensträger
Braumeister Andreas Müller und sein Kornhausbräu.
von Frédéric Zwicker

Der ruhende Koloss von Rorschach
Das Feldmühle-Areal will neu genutzt werden.
von Richard Lehner

Geliebtes, geschmähtes Rorschach
Ein Auswanderer erinnert sich.
von Roman Elsener

Die Bilder zum Titelthema stammen von Marco Kamber.

Perspektiven

Flaschenpost
von Pascal Mülchi aus Bristol

Journalismus & Werbung
Wie Native Advertising funktioniert.
von Corinne Riedener

Quo vadis CVP?
Eine Spurensuche im dichten Nebel.
von Markus Rohner


Das Buch zum Kulturkampf

Kultur

S’isch Rorschach
von Anna Stern

Anna Sterns drittes Buch: Beim Auftauchen der Himmel.
von Eva Bachmann

Wilma Lock und Susanna Kulli halten Rückschau.
von Corinne Schatz

Vera Kappeler erinnert an den Künstler Andreas Walser.
von Ursula Badrutt

Die IG Halle feiert: «Out of the Blue» in Rapperswil-Jona.
von Kristin Schmidt

Parkplatzfest 2017: Aufwertung und Verdrängung.
von Corinne Riedener

Kulturparcours – quer durch die Ostschweiz

Mixologie
von Niklaus Reichle und Philipp Grob

Am Schalter im Juni: In the Jungle.

Abgesang

Kehl buchstabiert die Ostschweiz
Kellers Geschichten
Pfahlbauer
Kreuzweiseworte
Boulevard

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
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