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Saiten im Oktober: Von Hindernissen

Zugänglichkeit für alle, Inklusion: Das ist ein Minenfeld. Saiten wagt sich hinein. Die neuste Ausgabe handelt «Von Hindernissen» und im Untertitel von «Barrierefreiheit und Diversität». Ausserdem im Oktober: Auf nach Lichtensteig!
Von  Redaktion Saiten , 

Die Angelegenheit könnte bis vor Bundesgericht gehen, droht einer der Kläger. Der Gegenstand der Auseinandersetzung: ein Trottoir am Spisertor in St.Gallen. Es soll erhöht werden, damit der Einstieg in die neuen längeren Züge der Appenzellerbahnen hindernisfrei auf der ganzen Zugslänge möglich ist. Gut für Rollstuhlfahrer, Kinderwagen, Velos und Krückengängerinnen. Schlecht für die Geschäfte, deren Parkplätze nicht mehr zu befahren wären. Ein Konflikt mit politischem Zündstoff, weil sich auch der Stadtrat gegen das Projekt wehrt, und mit der Tendenz zu Juristerei und Rechthaberei. Es ist das klassische Dilemma, das auf zahllosen gesellschaftlichen Reibungsfeldern existiert und besonders dort, wo «political correctness» das Sagen hat: Auf beiden Seiten gibt es gute Argumente, moralische Ansprüche, pragmatische Einwände und rasch einmal: Verletzlichkeiten.

Zugänglichkeit für alle, Inklusion, Barrierefreiheit: Das ist ein Minenfeld. Dieses Heft wagt sich hinein. Es handelt «Von Hindernissen» und im Untertitel von «Barrierefreiheit und Diversität». Falls Sie das bereits gelesen haben, beherrschen Sie offenbar die Braille-Blindenschrift – falls nicht, ist Ihnen auf dem Heftcover eine erste veritable Barriere begegnet, ein Hindernis nicht für Sehbehinderte, sondern für Normalbehinderte.

Im Zentrum dieses Hefttitels steht eine Erstpublikation: Auszüge aus dem jüngsten Buchprojekt des St.Galler Autors und Rollstuhlfahrers Christoph Keller Every Cripple a Superhero. Florian Vetsch hat die Auszüge eigens für Saiten übersetzt, Keller steuerte Fotos bei – wir freuen uns über diese publizistische Uraufführung und über die markanten Sätze, die darin zu finden sind, zum Beispiel dieser: «Hab ne Behinderung, bin keine.» Neben Keller kommen die Dirigentin Felicitas Gadient, der Aktivist Cem Kirmitizoprak, Sehberater Virgil Desax, HSG-Professor Nils Jent und Jacqueline B. zu Wort – Spezialisten allesamt. Zumindest dem einen kapitalen Punkt aller Gender-, Handicap-, Rassismus- und sonstigen Diversitäts-Debatten versuchen wir damit gerecht zu werden: «Nothing about us without us». Oder wie Jacqueline B. schreibt: «…dass wir Betroffenen die Einzigen sind, die kompetent über uns Auskunft geben können».

Ausserdem im Heft: Besuche in Lichtensteig, wo sich gerade ein mittleres Kulturentwicklungs-Wunder abspielt. Aktuelles aus Literatur, Theater, Kunst und Kino. Und der Bericht von einem, der ans Ziel gekommen ist.

Peter Surber
P.S. Alle Texte dieses Titels werden Anfang Oktober online gestellt und damit nicht nur lesbar, sondern auch hörbar sein: barrierefrei auf saiten.ch.

Der Inhalt:

Reaktionen/Positionen
Redeplatz mit Bea Weder
Stimmrecht von Muzaffer «Midi» Mermer
Herr Sutter sorgt sich… von Bernhard Thöny
Evil Dad von Marcel Müller
Innensicht: St.Galler Restaurants: Am Gallusplatz und Perronnord
Mensch Meyer von Helga und Janine Meyer

Von Hindernissen

Aus: Jeder Krüppel ein Superheld
Erinnerungssplitter. Teil I, Teil II, Teil III.
Von Christoph Keller und Florian Vetsch (Übersetzung)

Zur Not mit Flaschenzug
Felicitas Gadient dirigiert den Kammerchor Wil im Rollstuhl.
Von Bettina Kugler

Wir sind auch da
Cem Kirmizitoprak kämpft für eine Gesellschaft, in welcher alle dazugehören.
Von Andri Bösch

Blindsurfing
Wie barrierefrei sind Websiten für Blinde und Sehbehinderte? Ein Crashtest.
Von Virgil Desax

Aufklären! Mit stoischer Geduld!
Nils Jent, HSG-Professor für Diversität und Inklusion, plädiert für Kompromisse statt Konfrontation. Das Interview.
Von Peter Surber und Christoph Popp

Einerseits und andrerseits
Chancengleichheit – Überlegungen zu einem gesellschaftlichen Minenfeld.
Von Rolf Bossart

Dumm gelaufen
Gesundheit ist etwas, das man viel zu wenig schätzt. Bis man plötzlich aus dem Tritt geworfen wird.
Von Corinne Riedener

Die Barrieren in den Köpfen der Undiagnostizierten
Von Jacqueline B.

Das Correctness-Quiz
von Christoph Keller

Die Fotos im Titelthema stammen von Christoph Keller

Perspektiven

Flaschenpost aus Venedig. von Maria Guta

Auf nach Lichtensteig!
Das neue Rathaus für Kultur, die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Wirkstadt und das Interview mit Mathias Müller.
Von Julia Kubik, Sascha Erni, Michael Hug und Soma Wonglamdab (Zeichnung)

Kultur

Neue Bücher von Kettly Mars und Erich Hackl. Und ein Streit.
Von Daniel Fuchs und Jochen Kelter

Clément Moreaus antifaschistische Kunst in einer Ausstellung.
Von Richard Butz

Anja Kofmels aufrüttelnde Dokumentation Chris the Swiss.
Von Adrian Lemmenmeier

Der Maler und Architekt Johannes Hugentobler – wiederentdeckt in Appenzell.
Von Sibylle Zambon

Kulturparcours

Mixologie

2 Gedichte im Oktober

Abgesang

Kehl buchstabiert die Ostschweiz
Kellers Geschichten
Kreuzweiseworte
Pfahlbauer
Boulevard

 

 

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
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Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
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Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
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Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
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Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
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Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
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Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover