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Mit Greta und Arnold auf dem Wiener Heldenplatz

Peter Müller war Ende Mai in Wien und am «Puls einer globalen Bewegung» dabei. Was die Klimakrise mit Bodybuilding und der Reformation zu tun hat.
Von  Gastbeitrag
Greta Thunberg bei der Rede auf dem Heldinnenplatz. (Bilder: Peter Müller)

Am Vorabend hatten meine R. und ich noch einen Nachtspaziergang über den Donaukanal gemacht und waren zufällig auf das Plakat gestossen: Greta Thunberg und Arnold Schwarzenegger treten auf dem symbolträchtigen Heldenplatz auf, an einem Anlass rund ums Klima. Morgen ab 17 Uhr. Da müssen wir hin!

Daheim im Hotel liefert das Internet weitere Informationen: Dieser «Climate Kirtag» ist eine Art Klima-Chilbi mit Musik, Reden, Essen und Trinken und gehört zur Klimakonferenz «R20 Austrian World Summit», die bereits zum dritten Mal veranstaltet wird. Der Kirtag selbst ist eine Premiere.

Am folgenden Tag richten wir uns entsprechend ein. Wir schauen, dass wir rechtzeitig vom Tierpark Schönbrunn wegkommen, obwohl wir gerne länger dort geblieben wären. Nur schon wegen den beiden grossen Pandabären, diesen ungemein herzigen Tieren, die wie Braunbären wirken, die seit 50 Jahren in einem Zen-buddhistischen Kloster leben. Man könnte ihnen stundenlang zuschauen, wie sie dasitzen und mit lässig-entspannten Bewegungen ihren Bambus knabbern.

Greta kann die Probleme nicht für uns lösen

Wir kommen gerade rechtzeitig auf dem Heldenplatz an und bereuen es nicht. Vom Anlass als Ganzem erhalten wir zwar nur einem beschränkten Eindruck, zumal wir uns eine Grossleinwand etwas abseits der Bühne auswählen, um alles in Ruhe miterleben zu können. Aber das macht nichts. Von Greta Thunberg und Arnold Schwarzenegger bekommen wir ausreichend mit. Und im Musikprogramm macht uns das Wiedersehen und Wiederhören mit Hubert von Goisern so oder so grosse Freude. Ein kraftvoller Folk-Rock, der auch leise und tiefgründig sein kann, geradezu spirituell: «Heast as net, Wia die Zeit vergeht?»

Was haben Greta Thunberg und Arnold Schwarzenegger zu erzählen? Es ist mehr oder weniger das, was man von ihnen weiss und erwarten kann. Und doch überzeugen uns beide. Sie reden gut, engagiert und gekonnt. Gelegentlich habe ich allerdings den Eindruck, dass es etwas zu routiniert ist, zu viel durchsichtige Motivations-Rhetorik.

Die junge Schwedin hat auch hier auf dem Heldenplatz ihre ganz spezielle Präsenz. Mir gehen die vertrauten Assoziationen durch den Kopf: Eine Ausserirdische, die uns Menschen die ökologischen Leviten liest. Ein Baumgeist, der sich als Mensch verkleidet hat und uns alle Schande sagt. Ich meine das überhaupt nicht despektierlich. Greta Thunberg ist mit ihren besonderen Voraussetzungen in eine ganz bestimmte, anspruchsvolle Rolle geraten, und sie füllt diese Rolle gut aus. Die Frage ist allerdings, was diese junge Frau in zehn Jahren machen wird. Da kann man sehr gespannt sein.

Mit der Verehrung, die sie zurzeit erfährt, habe ich trotzdem eine gewisse Mühe. «Greta ist eine tolle Person und führt ein ökologisch vorbildliches Leben», sagen viele Leute. Eigentlich spielt das überhaupt keine Rolle. Letztlich ist doch entscheidend, was wir alle zur Lösung dieser ökologischen Herausforderungen beitragen – jeder von uns. Greta Thunberg kann diese Probleme nicht für uns lösen.

Und damit bin ich bei einem Wort, das während der ganzen Veranstaltungen in der Luft liegt, zumindest für mich: «Held». Diese «Klima-Chilbi» findet auf dem Wiener Heldenplatz statt. Im Hintergrund sieht man – mitten auf dem Platz – zwei pompöse Ritterstandbilder mit irgendwelchen längst verstorbenen, längst vergessenen Kriegshelden. Heute, im 21. Jahrhundert, braucht es doch ganz andere Helden – und Heldinnen. Vor allem im konkreten Alltag. Heldinnen und Helden, die gleich die ganze Welt retten wollen, erreichen in der Regel wenig. In den Reden wird diese Verbindung von Platz und Thema nicht aufgegriffen, soweit ich das mitbekomme. Das ist schade.

Es braucht eine Reformation

An den «Helden und die Heldin in uns» wird in den Reden allerdings appelliert, vor allem von Arnold Schwarzenegger und Ski-Star Aksel Lund Svindal. Sie betonen beide, dass es für das ökologische Engagement Beharrlichkeit und Ausdauer braucht, Kreativität und Teamwork, Mut und Selbstbewusstsein.

Schwarzenegger bringt als Vergleich den Siegeszug des Bodybuilding. Vor 40, 50 Jahren hätten viele darüber gespottet. «Bodybuilding macht dumm, narzistisch oder gar schwul», hiess es. Er habe sich davon nicht beirren lassen und weiter dafür geworben. Heute sei Bodybuilding weltweit anerkannt und geschätzt. Mit dem Kampf gegen den Klimawandel werde es ähnlich sein, erklärte er auf lässig-sympathische Art – und auf Amerikanisch. Sein Deutsch ist nach all den Jahren in den USA so eingerostet, dass es nur noch für die Begrüssung reichte.

Als Historiker fühle ich mich an die Reformation erinnert: Dass mit der Kirche in Rom allerlei nicht in Ordnung war, spürten viele seit Jahrzehnte. Für eine eigentliche «Reformation» stimmte aber die historische Gesamtkonstellation nicht: politisch, kulturell, wirtschaftlich, technisch, geistig. Die richtige Gesamtkonstellation stellte sich erst in der zweiten Hälfte der 1510er-Jahre ein. Erst da kamen die Dinge wirklich in Bewegung. Und so hatten viele, viele engagierte Menschen einfach die Aufgabe, VorkämpferInnen der Reformation zu sein, ohne die Reformation selber zu erleben. Eine Aufgabe, die ebenso undankbar wie wichtig ist. Mit der ökologischen «Reformation» dürfte es ähnlich sein.

Teilgenommen haben an dieser Klima-Chilbi auf dem Wiener Heldenplatz trotz des schlechten Wetters rund 5000 Menschen, lesen wir später im Internet. Das beeindruckt uns. Noch beeindruckender finden wir allerdings das Gefühl, hier am «Puls einer globalen Bewegung» gewesen zu sein. Einen Stand von Greenpeace in der St.Galler Innenstadt erlebt man anders. Da ist dieses globale Moment nicht so unmittelbar spürbar und erlebbar.

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

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Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

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Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

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Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
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