Es sieht nicht gut aus. Je mehr die Temperaturen steigen, desto grösser ist das Risiko für unkontrollierbare Rückkopplungsschlaufen: Der Permafrostboden im globalen Norden taut auf und setzt grosse Mengen Methan frei, die die Erwärmung weiter anheizen. Ähnliches geschieht, wenn Dürren Wald- und Moorbrände fördern, bei denen viel CO2 in die Luft geht. Niemand weiss, ob sich diese Teufelskreise noch stoppen lassen.
Genauso weiss niemand, wie wir aus der wirtschaftlichen Sackgasse hinauskommen. Der Kapitalismus hat einen Konstruktionsfehler: Er zerstört seine eigenen Grundlagen. Eine Wirtschaft ohne Wachstumszwang ist durchaus denkbar. Aber welcher Weg führt dorthin? Vom Geldsystem bis zur Altersvorsorge: Wir stecken in einem System fest, das nur mit Wachstum funktioniert. Weiter zu kutschieren wie bisher, einfach mit erneuerbaren Energien, wird die grossen Probleme nicht lösen. Und es geht hier nicht nur ums Klima – sondern noch um ein paar andere Zeitbomben wie begrenzte Ressourcen, toxische Stoffe und Artensterben.
Es gäbe Grund genug, alle Zuversicht zu verlieren. Dass die streikenden Schülerinnen und Schüler diesem Impuls nicht nachgeben, macht Hoffnung. Die Klimabewegung wird das Klima wahrscheinlich nicht retten, aber sie rettet Werte, ohne die eine Gesellschaft nicht auskommt. Solidarische Bewegungen sind ein Gegenmittel zum Zynismus der hämischen Onlinekommentare, wenn ein Flüchtlingsboot untergeht; ein Gegenmittel zum brutal banalen Kern des Kapitalismus, für den die Welt nur aus Ressourcen besteht, die es zu nutzen und auszubeuten gilt.
Wirklich bedrohlich an der Klimaerwärmung ist nicht die Hitze, sondern das grosse Hauen und Stechen, das losgehen könnte, wenn die Bedingungen noch unwirtlicher und die Ressourcen ernsthaft knapp werden. Entscheidend wird sein, dass sich genug Leute dem Recht des Stärkeren verweigern. Die Klima-Bewegung ist ein Ort, wo dieser Widerstand geübt werden kann. «Eine andere Welt ist möglich» scheint ein banaler Slogan zu sein. Aber man kann ihn gar nicht ernst genug nehmen.
Bettina Dyttrich, 1979, ist Redaktorin der Wochenzeitung WOZ. Dieser Beitrag erschien im Märzheft von Saiten.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
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«Open House St.Gallen»
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Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
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Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
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Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
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