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«Wir werden auch ausserparlamentarische Wege einschlagen»

Letzte Woche fand die globale Aktionswoche für Klimagerechtigkeit statt. Saiten war dabei, sprach mit Miriam Rizvi vom Klimastreikkollektiv Ostschweiz über Aktionsformen fernab des Streiks und besuchte die bis dato grösste Klimademonstration der Schweizer Geschichte in Bern. von Andri Bösch
Von  Gastbeitrag
Die grösste Klimademo der Schweiz letzten Samstag in Bern. (Bilder: Andri Bösch)

Donnerstagabend, 26. September 2019, Altstadt St.Gallen. Neben der St.Laurenzenkirche ziert eine mit Kreidespray gezogene Aufschrift die Pflastersteine: «Make love, not CO2.» Sieben Klimaaktivist*innen schreiten zügig davon durch die Multergasse in Richtung Kantonsschule am Burggraben. Es ist globale Aktionswoche für Klimagerechtigkeit, überall auf der Welt finden kreative Aktionen statt, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen und für einen Wandel zu protestieren.

Vor der Kanti geht ihnen der Kreidespray aus, schnell werden Farbkreiden gezückt. Gelassen beginnen die jungen Menschen den Boden rund um die Schule zu bemalen, schnell kommen auch die Wände des Gymnasiums an die Reihe. Links neben dem Eingang ein weinender Eisbär, rechts fiktive Meeresspiegelgrenzen mit zwei Zahlen: 2030? 2100?

Die Stimmung ist erstaunlich locker, selbstironisch wird die gross gemalte Parole «Klimademo Samstag Bern» mit der Überschrift «Ferientipp Nr. 1» ergänzt. Als in den Fenstern eine Reinigungsperson nach draussen schaut, packen die jungen Menschen ihre Kreiden in die Rucksäcke und machen sich vom Acker.

Weiter geht der Abendmalspaziergang zur Kantonsschule am Brühl. Auf dem Weg werden Strassenlaternen mit Stickern beklebt. Am Brühl dann dasselbe Bild wie am Burggraben: «Climatstrike now – System change not climate change – Das Wasser steht uns bis zum Hals». Nach getaner Arbeit verschwindet die Gruppe in der lauen Nacht.

Samstagmittag, 28. September 2019, Extrazug von St.Gallen nach Bern zur nationalen Klimademo des Wandels. Ab Winterthur stehen die Leute in den Gängen: Zwei aneinandergereihte ICN-Züge sind gerappelt voll. Wie viele Leute werden wohl demonstrieren? Wetten werden abgeschlossen – «30’000!», ruft eine Person, «50’000!» eine andere.

Miriam Rizvi, Mitglied des Klimastreikkollektivs Ostschweiz, verstaut ihr Megaphon unter einem Zugsitz. Die 18-jährige ist seit Beginn der Klimastreiks in St.Gallen engagiert und kämpft an vielen Fronten für Klimagerechtigkeit. Dieses Jahr war sie unter anderem im SRF-«Club» zu Gast und fühlte Bundesrätin Simonetta Somaruga Ende August in der Lokremise auf den Zahn.

Miriam Rizvi, 2001, ist im dritten Jahr an der Kantonsschule am Burggraben.

Saiten: Letzten Donnerstag bekreideten junge Aktivist*innen die Stadt St.Gallen, was für Aktionen fanden sonst noch statt während der globalen Aktionswoche?

Miriam Rizvi: Das Klimastreik Ostschweiz hat zu diversen Aktionen aufgerufen. Unter anderem fand ein «Massensterben» am Bahnhof St.Gallen statt, wo sich 20 Schülerinnen und Schüler mit roter Farbe bemalten und sich auf den Boden legten. Ebenso wurden verschiedene Kartongrabsteine auf dem Klosterplatz platziert, um zu zeigen, dass wir alle bedroht sind durch den Klimawandel. Und eine Aktionsgruppe hat aus Abfall gebastelte Kartonmonster im Mc Donald’s am Marktplatz deponiert und damit auf den durch die Industrie hergestellten Plastikabfall aufmerksam gemacht.

 

Euer Engagement beschränkt sich mittlerweile nicht mehr nur auf das Streiken – weshalb? Und wie zufrieden bist du mit den durchgeführten Aktionen?

Seit die Klimabewegung in der Schweiz existiert, gab es immerhin einen Fortschritt: Die Klimakrise wird als solche erkannt. Von den meisten zumindest. Jetzt braucht es aber endlich wirkungsvolle Massnahmen. Mit den durchgeführten Aktionen wollen wir zeigen, dass wir es sehr ernst meinen. Wir werden nicht mehr nur streiken, sondern auch andere ausserparlamentarische Wege einschlagen. Ich persönlich bin sehr zufrieden mit den Aktionen. Es ist cool, dass so vieles auf kreative und gewaltfreie Weise stattgefunden hat!

Was ist als nächstes geplant?

Am Freitag, 18. Oktober findet der nächste Klimastreik in St.Gallen statt. Und diesen Donnerstagabend, 3. Oktober diskutieren in der Grabenhalle verschiedene Expert*innen mit Aktivist*innen über die problematische Rolle des schweizerischen Finanzplatzes in der Klimapolitik. Und längerfristig planen wir einen nationalen Generalstreik für Klimagerechtigkeit, denn wir müssen endlich auch die Arbeiter*innen ins Boot holen.

Als der ICN in Bern einfährt, jubeln die Menschen im Zug: Die Schützenmatte vor der Berner Reitschule ist überfüllt mit Menschen. Die Stimmung ist schon am Bahnhof unglaublich, überall Leute mit Transparenten, Plakaten, Musik dröhnt aus tragbaren Boxen, kleine Kinder springen mit Kartonschildern durch die Unterführung und schreien «On est plus chaude que le climat!»

Bei den Rolltreppen hinauf in die Neugasse staut sich die Menschenmenge zum ersten Mal. Zur Schützenmatte gibt es kaum ein Durchkommen. Als die Demo beginnt, ist die Strasse bis zum Bahnhof gefüllt, als die Spitze des Zuges auf dem Bundesplatz angelangt stecken die Menschen bei der Reitschule noch immer auf der Schützenmatte fest.

Die Kantonspolizei Bern pusht im Schnelltakt Twittermeldungen. Die Demo sei so gross, es gehe nur sehr langsam vorwärts, man bitte um Geduld. Schlussendlich kommt sogar die Gefahrenmeldung, es drängten zu viele Leute auf den Bären- und den Bundesplatz, man solle sich beim Waisenhausplatz oder der Schützenmatte aufhalten.

Die Euphorie ist riesig, überall wird geschrien, gelacht, geklatscht. Gemäss Schätzung der Organisator*innen sind 100’000 Menschen nach Bern gekommen. 100’000 Menschen für mehr Klimagerechtigkeit, den Ausstieg aus den fossilen Energien und eine Lebensweise, die nicht auf Ausbeutung von Natur und Mensch beruht.

Greta Thunberg scheint Recht zu behalten mit dem, was sie am UN-Klimagipfel letzte Woche in New York sagte: «Change is coming, wheter you like it or not.» Die Klimabewegung ist so stark wie nie.

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
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Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
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