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«Wenn du deinen Text bei YouTube hochlädst, gibt es keinen Rappen»

Was sind wir ohne die Bühne? Der Thurgauer Kabarettist und Slam Poet Jan Rutishauser hat mit seinen Ostschweizer Kolleginnen und Kollegen über die aktuelle Coronasituation gesprochen.
Von  Gastbeitrag , 
Bild: slamgallen.ch

«Bevor ich auf Instagram Videos poste, fange ich lieber an das Leben zu geniessen», sagt die Winterthurer Slam Poetin Martina Hügi im Gespräch über den Notstand. Ich lache laut auf, obwohl wir beide zurzeit nicht viel zu lachen haben. Erst wurden die diesjährigen Poetry Slam Schweizermeisterschaften abgesagt, kurz darauf… alles.

Martina Hügi, 1985, ist im Thurgau aufgewachsen und lebt in Winterthur. Wenn sie nicht als Solokünstlerin unterwegs ist, bildet sie zusammen mit Lara Stoll das «Trio Loghorrö» und mit Jan Rutishauser das Team «laut&stark». (Bild: Mira Andres)

Am schlimmsten für Martina Hügi war das Canceln der Thuner Künstlerbörse – laut Hügi «die OLMA für KünstlerInnen, und ich die Kuh, eine möglichst hübsche». Ein Auftritt dort bedeutet die Möglichkeit, sich vor etwa 800 Schweizer Kleinkunstveranstaltern gleichzeitig zu präsentieren. Wer da eine gute Show hinlegt, hat erstmal für eine Weile ausgesorgt. Die Plätze sind dementsprechend begehrt und Hügi hätte dort einen Auftritt gehabt. Hätte.

«Statt in Thun aufzutreten, sitze ich nun zu Hause und es fühlt sich so an wie Eile mit Weile alleine zu spielen. Und das einzige, was dir im Weg steht, bist du selber», sagt Hügi. «Die erste Woche verbrachte ich damit, einfach mit der Situation klar zu kommen. Was mir am meisten fehlt, ist der Austausch. Mit meinen Freunden, aber auch mit dem Publikum. Und das Social Distancing macht, dass ich aufpassen muss, mich nicht auch innerlich zu distanzieren.»

«Streamen hat auch seinen Charme»

Mir selber geht es ähnlich. Ich muss schauen, dass ich emotional nicht ganz abschalte. Denn die Quarantäne bewirkt, dass ich als Künstler noch mehr als sonst auf mich selber zurückgeworfen werde: Was mache ich bloss ohne Publikum? Was bin ich ohne Publikum?

Jusef Selman, 2000, ist «arabischer Poetry-Slammer aus der Schweiz und Sultan des Thurgaus». (Bild: Christian Hirschmann)

«Ich mache am Sonntag einen Livestream», sagt Jusef Selman, U20 Vize-Schweizermeister im Poetry Slam. Der Frauenfelder tritt seit drei Jahren auf und bereitet sich derzeit auf den Numerus Clausus vor. «Natürlich vermisse ich auch das Auftreten vor Livepublikum. Aber Streamen hat seinen Charme.»

Jusef Selman ist mit 20 um einiges jünger als Martina und ich. Es ist vielleicht seinem Alter zuzuschreiben, dass ihm der Sprung in die Sozialen Medien leichter fällt. Oder aber es ist für ihn leichter, weil er im Gegensatz zu uns durch die abgesagten Shows nicht einen grossen Teil seiner Einkünfte verliert.

Bei ihm sind es Erfahrungen, die verloren gehen: zum ersten Mal einen Poetry Slam Workshop geben, den ersten abendfüllenden Auftritt meistern. «Erfahrungen, die mir dabei geholfen hätten, zu verstehen, was ich in Zukunft künstlerisch machen möchte», sagt Selman.

Post-Corona-Partymeile

Ich frage auch Etrit Hasler, ob die aktuelle Situation seiner Meinung nach auch was Positives habe. «Hast du die Partyszene aus Matrix 2 im Kopf?», fragt der Slam Poet und SP-Politiker zurück. «Wenn das alles vorbei ist, wird die Zürcher Langstrasse eine Woche lang so aussehen.»

Etrit Hasler, 1977, ist in St.Gallen geboren als Sohn einer Schweizerin und eines Kosovaren. Er gehört zu den Pionieren der Schweizer Slam Poetry, ist Vorstandsmitglied des AdS (Verband der Autorinnen und Autoren der Schweiz) und freier Journalist. (Bild: dreh&angel)

Hasler prägt seit fast zwanzig Jahren die Slamszene. Und er ist Geschäftsführer des Vereins Suisseculture Social, der vom Bundesrat den Auftrag erhalten hat, die Nothilfe an Kulturschaffende auszubezahlen – was für ihn im Moment elf Stunden Arbeit pro Tag bedeutet, sechs Tage die Woche.

«Ansonsten hat das Coronavirus für uns Bühnenkünstler nichts Schönes» sagt Hasler. «Die Hälfte unserer Haupterwerbssaison ist schon weggefallen, wie es mit dem Herbst aussieht, kann niemand einschätzen. Ich hoffe, dass – wenn der ganze Spuk vorbei ist – eine ernsthafte Diskussion geführt wird über die tausenden von Kulturschaffenden, die in der Schweiz in prekären Verhältnissen arbeiten und überleben.»

Ein Horrorszenario wäre für Hasler die permanente Verschiebung des Kulturkonsums ins Internet. «Es gibt in der Schweiz immer noch keine Abgeltung der künstlerischen Arbeit im Netz. Wenn du deinen Text bei YouTube hochlädst, gibt es keinen Rappen.»

Hoffentlich wird es diese Verschiebung nicht geben, denke ich nach unserem Gespräch. Aber immerhin erkennen immer mehr Menschen gerade durch die Quarantäne, wie wichtig Kunst und Kultur für das soziale Leben sind.

Man spielt über das Netz Brettspiele, man schaut per Videotelefonie zusammen Netflix und es werden Bücher- und Musiklisten geteilt, welche die Isolation erleichtern sollen. Alles erst möglich durch – meist unterbezahlte – Künstlerinnen und Künstler.

Zwar fehlt uns jetzt das Zusammenkommen in der Bar. Aber man stelle sich die Bar mal ohne Musik vor. Und meine persönliche Hoffnung ist, dass man alle, denen die Partyszene aus Matrix 2 noch nie zugesagt hat, dann im Publikum des Poetry Slams um die Ecke antreffen wird.

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

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Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

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Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

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Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2

Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

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Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
Bildschirmfoto 2026 10 19 um 15 34 04

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
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