Zürich, Covid-19, Woche 1
Balkon & Smartphone sind Gold wert die Tage Die Millennials von gegenüber spielen Dart & an der Martastrasse übt eine smarte Meerjungfrau Den Befreiungsschlag aus ihrer Badewanne
Draussen aber fliessen Wasser & Seife Vorwiegend über angegriffene Hände Von Ärztinnen, Pflegern & Laboranten Von Kassiererinnen, Bauarbeitern & Sanitätssoldaten Von Angestellten des Sozial- & des Arbeitsamts
Nicht zuletzt: Von Bundesrätinnen, von Bundesräten
Draussen aber platzen Sorgen & Intensivstationen Womöglich bald aus ihren Nähten – sagt der Live-Ticker Denen drinnen
Viral bedingt gehen wir auf Distanz Virtuell verbunden sind wir uns nah & irgendwann wird das Umarmen fehlen
Claire Plassard, 21. März 2020
Was mir fehlt
St.Gallen, Covid-19, Ende der Woche 4
Mir fehlt es schon jetzt Das Umarmen Mit dem Hauch eines Duftes In der Nase Mit dem Bisou Auf die rechte, dann Auf die linke Wange & Wieder auf die rechte Trois fois – echt schweizerisch Das fehlt mir
& es fehlt mir Meinen Freunden Die Hand zu schütteln Aug in Auge mit ihnen Zu bechern, ihnen Die Hand auf die Schulter Zu legen, einen Knuff in die Seite Zu rammen & dabei hell Aufzulachen & – sie gleichfalls Zu umarmen
& es fehlen mir Meine Pappenheimer Keine sokratischen Tänze Keine Schule im Wald mehr Keine Vorträge, Diskussionen Mehr in meinem Schulzimmer Nur auf flachen Bildschirmen Sehe ich sie noch, wir lachen zwar Fast wie gewohnt – doch es fehlt Eine ganze Dimension
Florian Vetsch, 12. April 2020
Von Claire Plassard & Florian Vetsch erschienen 2014 Steinwürfe ins Lichtaug – Ein Gedichtzyklus und 2019 Ein dünner Faden hält alles zusammen – Ein Gedichtzyklus, beide im Verlag Moloko Print.
Claire Plassard (1990) lebt und arbeitet in Zürich. Studium der Philosophie, Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft, Deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft sowie der Gender Studies in Zürich und Berlin. Sie schreibt Lyrik, Essays, Rezensionen und Reportagen. Florian Vetsch (1960) lebt und arbeitet in St. Gallen. Studium der Philosophie, der Germanistik sowie der Literaturkritik in Zürich. Er veröffentlichte Poesie, Tagebücher, Essays, Anthologien sowie Übersetzungen von Paul Bowles, Ira Cohen, Jan Heller Levi, Mohammed Mrabet u.a.m.
Blackbox heisst die neue Rubrik auf saiten.ch. Ihre Einführung ist der Corona-Krise geschuldet. Der Kulturbetrieb steht seit Mitte März still, Konzerthäuser, Theater, Kinos, Museen, Clubs: geschlossen. Für das Publikum ist das schade, für viele Kulturschaffende weit mehr: eine existentielle Bedrohung. Die Saiten-Blackbox macht drum eine Bühne auf für Bilder, Texte, Filmbeiträge, Songs und anderes. Kein Streamen um jeden Preis, sondern Originale sollen hier zu sehen und zu hören sein, kurz kommentiert, erklärt oder einfach so. Und dies – soweit zumindest der Plan – über Corona hinaus.
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.