«Begrabe mich dort oben auf dem Berge unter dem Schatten einer schönen Blume. Und die Leute, die daran vorbeigehen werden mir sagen: Welch schöne Blume!“ Dies ist die Blume des Partisanen, der für die Freiheit starb.»
So lautet die Übersetzung des italienischen Partisanenliedes, das jahrzehntelang als Hymne gegen den Faschismus galt, bis es im vergangenen Sommer, Netflix sei Dank , zum Partyhit wurde.
Das Lied handelt vom Abschied, von der Bereitschaft für die Freiheit zu sterben und von der Hoffnung auf eine andere Welt. Bei seinen Klängen macht sich ein Ziehen im Herzen breit. Ob sich darin das Gefühl von Christoph Nix spiegelt, wenn er nach 13 Jahren das Haus verlässt?
Er unterliege ganz nach Stefan Zweig einer Verwirrung der Gefühle, sagt der Theatermann, der auch Jurist und Clown ist, der gekämpft hat, gegen die Mühlen der Stadtverwaltung, der inszeniert hat und der erfolgreich war, das belegen Zahlen sowohl in der Besucherstatistik, als auch in der Buchhaltung. Eines jedoch weiß er sicher: «Ich werde Ihnen fehlen.» Dazu wird er aber zunächst erst einmal zeigen, was uns alles fehlen wird.
Zum Abschied eine Extraportion Nix
In seiner letzten Spielzeit erfüllt sich der Intendant einige Träume und bringt die Facetten seiner Talente zum Einsatz. So wird sein Roman Junge Hunde als Jugendstück inszeniert, ebenso wie eine Neufassung der Bremer Stadtmusikanten aus seiner Feder. Bei Kasimir und Karoline führt er Regie, ebenso wie beim Münsterplatz Open-Air Hermann der Krumme – ein Stück über den Stephen Hawking des Mittelalters, wie er sagt.
Und wo Nix nicht selbst agiert, rückt die nächste Generation nach: Sein Sohn Johannes Nix inszeniert den Schlagerabend Herzrasen, Regieassistent Lorenz Leander Haas vollendet einen Traum, der dem jungen Regisseur Christoph Nix einst verwehrt wurde – er inszeniert als erste eigenständige Regiearbeit Stalin.
Am Theater Konstanz gab es in den letzten Jahren immer mal wieder grosse Namen und sie fehlen auch in dieser Spielzeit nicht. Die Brechtenkelinnen Johanna und Jenny Schall arbeiten an Regie und Kostüm von Die Tage der Commune – ein Stück, das ihr Grossvater geschrieben, aber dessen Uraufführung er nicht mehr erlebt hat.
Ein weiteres Brechtstück gibt es unter Regie von Zenta Haerter: Die sieben Todsünden. Apropos: Neil LaBute musste in der vergangenen Spielzeit absagen, da er ein Angebot für eine Netflixserie hatte, aber er holt jetzt sein Versprechen nach: mit Betrogen von Harold Pinter, da geht es mit Sicherheit auch gut sündig zu und her, sonst wäre es ja kein LaBute.
Bereits in vergangenen Spielzeiten bewährt haben sich Stücke vom Meister der Depression Samuel Beckett – in diesem Fall mit Glückliche Tage vertreten, ein Titel, der bestimmt hält, was er verspricht. Dann gibt es nochmal einen Versuch mit George Tabori, mal schauen, ob auch dieses Stück es in die NY Times schafft, es ist der jüdische Western Weisman und Rotgesicht.
Auch Regisseurin Annette Gleichmann, die mit Geron ein hochgelobtes Puppenstück gezeigt hat, kommt mit Der Himbeerpflücker erneut ans Haus. Ebenso Oliver Vorwerk, der Wein und Brot zeigt und bislang mit Eine Art Liebeserklärung und Peer Gynt überzeugen konnte. Und Annalena Küspert, die in der vergangenen Spielzeit als Autorin von Der Reichsbürger agierte – nun wird ihr Jugendstück Am Wasser gezeigt.
Zwölf Uraufführungen
Aber das war es dann auch schon mit Altbekanntem. Die Spielzeit hat nämlich zwölf Uraufführungen im Programm. Von den bislang genannten Stücken sind das Die Bremer Stadtmusikanten, Herzrasen, Junge Hunde, Wein und Brot, Am Wasser und Herrmann der Krumme.
Hinzu kommen: Zwei Tage und eine Nacht – ein Schauspiel nach einer französischen Filmvorlage, Wonderful World – ein Ausflug in die Welt des Jazz und zwei Stücke mit dem Schwerpunkt Afrika: Ngunza – Der Prophet unter der Regie von Ramsés Alfa und Onkel Toms Hütte. Ausserdem ist zur Weihnachtszeit Rudi Rakete zu sehen, ein Stück für Kinder ab drei Jahren von der Konstanzer Autorin Veronika Fischer. Sie arbeitet auch als Journalistin – vielleicht haben Sie ja schon mal was von ihr gelesen…
Ein absolutes Highlight der Spielzeit dürfte das Theaterschiff Atlantis darstellen, das zwischen den drei Bodenseeländern verkehrt und so das Theater von Stadt zu Stadt bringen wird. Aber nicht nur die Art dieser Bühne ist spektakulär, auch der Regisseur steht dem in nichts nach – es ist kein Geringerer als Andrej Woron (Hundeherz, Der Meister und Margarita und andere Herrlichkeiten).
Also, machen wir es, wie auf dem Cover des Programmheftes (das übrigens hervorragend gestaltet ist): Hoch die Hände! Auf in den Kampf! Hinein in die Verwirrungen der Gefühle und lasst sie uns bestaunen, die schöne Blume eines Partinsanen!
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