Kaum war Karin Becker, bisherige künstlerische Betriebsdirektorin am Hamburger Thalia-Theater, zur neuen Intendantin am Theater Konstanz in nicht-öffentlicher Sitzung gewählt worden, meldete sich Noch-Intendant Christoph Nix zu Wort. In einer offenbar vorbereiteten Medienmitteilung erklärte er: «Ich freue mich.» Um leicht einschränkend sogleich auf seine eigene Situation hinzuweisen: «Solange wir bis zum August 2020 unsere Arbeit tun können, bin ich sogar glücklich.»
Die Wahl am Nachmittag war knapp gewesen, am Ende setzte sich Karin Becker aber gegen ihren Mitbewerber Frank Behnke, Schauspieldirektor am Theater Münster, mit 21 zu 18 Stimmen durch. Geholfen haben könnte ihr auch, dass sie mit Uli Khuon, dem Intendanten des Deutschen Theaters, einen prominenten Fürsprecher hatte.
Becker wird das Theater Konstanz voraussichtlich im Herbst 2020 übernehmen. Wahrscheinlich ist aber, dass sie schon früher im Haus präsent sein wird, um sich einzuarbeiten und den neuen Spielplan für die Saison 2020/2021 mitzugestalten. Eine Reaktion von Karin Becker lag am Abend noch nicht vor. Von ihr ist bekannt, dass sie sich für den gesellschaftlichen Diskurs einsetzt.
Karin Becker neben dem Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt (rechts) und seinem Stellvertreter und Kulturbürgermeister Andreas Osner (links). (Bild: Stadt Konstanz)
Am Thalia-Theater hat sie Anfang des Jahres einen Bürgergipfel mitinitiiert, um Hamburger und geflüchtete Neu-Hamburger miteinander ins Gespräch zu bringen. Für welche Art von Theater sie steht, hat sie in einem Interview mit dem Hamburger Stadtmagazin «Szene» so beschrieben: «Wir müssen uns den aktuellen gesellschaftsrelevanten Themen stellen und ein Zeichen setzen, denn die Zeiten des nur Zuhörens und Zuschauens sind vorbei. Wir müssen den Mund aufmachen und sagen, was wir denken – laut und deutlich.»
Becker stammt aus Stuttgart, ist seit fast 30 Jahren im Theaterbetrieb. Angefangen hat sie bei der Württembergischen Landesbühne Esslingen, dem Jura-Soyfer-Theater in Wien und dem Theaterhaus Stuttgart, später arbeitete sie am Schauspiel des Staatstheaters Stuttgart als Produktionsleiterin und Disponentin. Sie leitete verschiedene Produktionen unter anderem für Regisseure wie Sebastian Nübling, Martin Kuséj und Uli Jäckle. Selbst Regie geführt hat sie nie.
Nach der Zeit als Produktionsleiterin am Deutschen Schauspielhaus Hamburg war sie von 2009 bis 2015 künstlerische Betriebsdirektorin und stellvertretende Geschäftsführerin am Schauspiel Hannover unter der Intendanz von Lars-Ole Walburg. Seit November 2015 ist sie künstlerische Betriebsdirektorin am Thalia Theater.
Für den Übergang bot Christoph Nix seine Hilfe an: «Wenn gute Ratschläge gesucht werden, gebe ich sie gerne, denn ich kenne das Haus und kenne das Herz dieser Stadt», so der aktuelle Intendant. Einen Verweis auf das zerrüttete Verhältnis zu Kulturbürgermeister Andreas Osner (SPD) konnte sich Nix nicht verkneifen: Er wünsche der Nachfolge, «respektvoll behandelt zu werden und bin zuversichtlich, dass dies geschieht, schon um mich zu widerlegen und die Wiederwahl des Kulturbürgermeisters zu sichern.
Der Rest ist Shakespeare: «Gott gib Weisheit denen, die sie haben, und welche Narren sind, lasst sie mit ihren Gaben wuchern.»
Dieser Beitrag erschien auch auf thurgaukultur.ch.
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