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Nächster Halt Rorschach

#Saitenfährtein, die Schwäne brüten, und auch sonst ist in Rorschach Frühling und Aufbruch spürbar: Am Mittwoch hat die Stürm-Stiftung vier Personen bzw. Projekte mit insgesamt 30'000 Franken ausgezeichnet.
Von  Peter Surber , 

«Rorschach: Stadt am See». Das sagt sich in einem Atemzug. Der See ist ihr Schicksal. Im Museum im Kornhaus sind historische Fotos zu sehen aus Jahren, als der See das Ufer samt der Bahnstrecke unter Wasser gesetzt hat. Ein Zug pflügt sich durch das Hochwasser – ähnlich eindrücklich wie die Hochwassermarken an der Mauer des Kornhauses.

An diesem Dienstag, als Saiten in Rorschach Station macht, ist der See ruhig und nicht übervoll. Neben der Badhütte, gefährlich nah am Wasser, nistet ein Schwan, vielleicht derselbe, der dank der Berichterstattung im Gratis-Onlineportal «Rorschacher Echo» berühmt geworden ist (mehr dazu später) – halb Rorschach fieberte mit um seine Brut, die Spaziergänger sind auch dieses Jahr wieder dankbar für das Fotosujet.

Und noch ein paar Schritte weiter steigt Saiten-Redaktor Frédéric Zwicker in den kalten Frühlingssee.

Im Museum im Kornhaus (wo man fast übergangslos von der Modelleisenbahn zur Hirnforschung, von den Pfahlbauern zu Kaiserin Zita gerät oder sich in die Sonderschau zum Licht vertiefen kann) gefällt mir am besten die schmale dunkle Kammer, betitelt «Lebensraum See»: In Dioramen sind ausgestopfte Wasservögel zu bewundern, nebst einem Aquarium mit lebenden Fischen. Tritt man ein, geht das Licht in der ersten Vitrine an, und eine Ente beginnt zu schnattern. Zwei Schritte weiter, und das nächste Federvieh rückt ins Scheinwerferlicht und quakt los. Wer schnell weitergeht, löst ein ohrenbetäubendes Geschnatter von allen Seiten aus.

Ein Preis für Stadthistoriker Elsener

Rorschach und der See: An der «schönsten Hafenmauer der Schweiz», seinem Lieblingsplatz, erzählt Stadthistoriker Otmar Elsener von den langjährigen Debatten um die Gestaltung, Neugestaltung, Vielleicht-doch-nicht-Gestaltung des Hafenplatzes. Vorläufig vorletzte Etappe war das Nein der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger zu einem Restaurant-Pavillon, damit bleibt der «Chabisplatz» weiterhin Parkplatz.. Ein Jammer – aber dem Stadt-Sanktgaller Besucher kommt das Thema «Wie gestalte ich einen Platz?» irgendwie bekannt vor.

Was Rorschach an dieser Stelle fehle, sei eine «Willkommenskultur», sagt Elsener. Bodenseestädte wie Lindau oder Friedrichshafen empfingen ihre Gäste mit offeneren Armen und Beizen. Als Besucher findet man: Erstaunlich, dass sich Volk und Politik so schwer tun mit einer attraktiven Lösung für das Herz der Stadt. Einen Tag später, bei der Preisfeier für den Stürm-Preis, beschwören die Redner wortreich die Vitalität der Stadtentwicklung – am Hafen aber ist davon noch nicht viel zu spüren. Dabei zeigt der Blick (Bild unten) aus dem Kornhaus auf den Hafenplatz jedenfalls: Um eine solche Location kann man Rorschacherinnen und Rorschacher nur beneiden.

Otmar Elsener, 83, der lange Jahre in den USA gelebt hat, Seebub, Segler und Rorschach-Rückkehrer aus Passion, findet: Die Stadt habe sich in den letzten paar Jahren einen Ruck gegeben, sei «back on the map». Dass er mit seinen historischen Recherchen selber ein Stück dazu beigetragen hat, wird am Mittwoch öffentlich gewürdigt: Elsener erhält einen von vier Anerkennungspreisen der Carl Stürm Stiftung. Sein Buch mit «Geschichten aus der Hafenstadt» von 2011 erscheint inzwischen in vierter Auflage; im Herbst kommt ein zweiter Geschichten-Band im Appenzeller Verlag heraus.

Rorschach ist männlich

Stiftungspräsident Peter Thoma würdigt Elsener als leidenschaftlichen Stadtchronisten, der zeige, «dass die Stadt mehr ist als ein Bodensee-Hafen mit Kornhaus-Idylle und die Endstation in Mani Matters Eisenbahn-Lied». Für Rorschach gelte wie anderswo: «Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.»

Die weiteren Preisträger: Lokaljournalist Res Lerch wird für seine Online-Plattform «Rorschacher Echo» ausgezeichnet, das Eventportal South Beach für seine Behauptung, Rorschach und Umgebung sei eine «Ausgehmeile» (eine Kritik des Portals ist hier nachzulesen), und der Kunstverein und sein Präsident Ruedi Stambach für sein 100-Jahr-Jubiläumsprogramm «Lichtjahr». Teil dieses Programms ist die Sonderausstellung «Licht und Schatten» im Kornhaus; ein eigentliches Lichtfest soll das Stadtfest am 5./6. Juni werden.

Vier markante Initiativen also für die Stadt am See, vier neue Träger eines Preises, der dazu geschaffen wurde, «die Region lebenswerter zu machen und ihr Image zu fördern». Und für einmal kann man die weibliche Form weglassen. Denn die vom ehemaligen Stahl-Industriellen Carl Stürm gegründete Stiftung hat es zustande gebracht, 2017 einmal mehr ausschliesslich Männer auszuzeichnen und auf die Bühne zu bitten. In Rorschach gibt es offenbar Rückenwind für die Stadtbelebung – aber nicht für die Frauen.

Rorschach, der See, die Stadt, die Nöte und Perspektiven: Ausführliches zum Thema im Juniheft von Saiten.

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
Bildschirmfoto 2026 10 19 um 15 34 04

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck