Rappi hat alles. Eine putzige Altstadt. Eine alleridyllischste Insel, die Lützelau, mini, wie der Name sagt, aber mit einem freundlichen Gastgeber namens Joe, der wirtet und den Camping betreut und den Lützel-Shuttle betreibt, Geheimtip, nicht weitersagen.
Rappi hat den See. Hat eine Riviera mit dem mediterransten Klima nördlich der Alpen, inklusive Feigenbäume und Palmen. Den See. Initiative junge Leute, die witzige Beizen und Kulturlokale betreiben oder planen. Rappi hat ein Schloss, pardon: eine Burg, um deren Inhalt gestritten wird seit Jahren. Den See. Historische Gassen, gegen die St.Gallen einpacken kann. Den Zoo. Den See. Die Fachhochschule. Rappi hat fast alles. Rappi braucht St.Gallen nicht.
Das zeigte sich zuletzt zum Beispiel im Herbst 2015 bei den Wahlen in den Nationalrat: Der südliche Kantonsteil wählt seine Leute aus dem Süden, der Norden hat das Nachsehen. Zwei von drei neugewählten Nationalräten, Barbara Keller-Inhelder und Marcel Dobler, stammen aus Jona. Die Stadt St.Gallen delegiert noch genau eine Nationalrätin, Claudia Friedl. St.Gallen bräuchte Rappi. Rappi braucht St.Gallen nicht.
Rapperswil-Jona hat letztes Wochenende die Expo 2027 im hohen Bogen abgelehnt, mit bloss 34 Prozent Ja-Stimmen. Weniger, nämlich rund 30 Prozent, waren es nur noch im Sarganserland. Je weiter südlich im Kanton, desto höher der Anteil Nein-Stimmen. Sogar das SVP-lastige Rheintal schmetterte die Expo weniger heftig ab als Flums, Mels, Walenstadt, Rapperswil-Jona & Co. Rappi hat den See vor der Nase und Zürich vor der Tür, St.Gallen dagegen liegt weit weg im kalten Irgendwo ennet dem Ricken.
Wer in Rapperswil an einem sonnigen Tag wie diesem am See sitzt oder einen Abstecher auf die Lützelau macht, kann zumindest ahnen: Rappi-Jona, die zweitgrösste Stadt des Kantons, ist sich selbst genug. Für den Willenskanton St.Gallen ist das keine gute Nachricht.
#Saitenfährtein: Die monatliche Expedition von Verlag und Redaktion ins nähere oder weitere Umland von St.Gallen war trotzdem erfreulich. Mehr später hier und noch später im Juli-August-Heft.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.