«I will die Möglichkeit notze, ehne Tüüfe chorz vorzstelle: Mer hend das Johr 8,5 Millione Gwönn gmacht, mit dem hett Hondwil fascht viermol ehres Turnhälleli chöne saniere. Of St.Galle abe zom Schaffe het mä 15 Minute ond öseri Badi het 5 Badmeischter. (…) Jo, wa gets sös no öber Tüüfe. Ah jo, 50’000 Franke oder knapp 0,5 Prozent vom Johresgwönn hets es Speseskandäleli ggeh. I män klar, för Oswertigi ond Journalischte möged 50’000 Franke chli meh as es onderdurchschnettlechs Monetsghalt seh. Drom mömmer au Verständnis ha, wel da fö die viel Geld isch ond die Problem mömmer au ernscht neh. Jo, ond wa gets sös no öber Tüüfe z verzelle, ähm jo, me hend 5 Badmeischter und wäge chli Geld stoht mä voreme chline Scherbehuffe…».
Der Scherbenhaufen, von dem hier am letzten Aprilsonntag bei Schneetreiben oben auf der Waldegg an der Narregmänd (Bild: Tüüfner Poscht) die Rede war, ist in der Tat eindrücklich. Umstrittene Weiterbildungszahlung, Affäre um zu Unrecht oder pauschal bezogene Entschädigungen, Rücktritte aus der GPK, Rücktritte aus dem Gemeinderat und zuletzt der abrupte Abgang des Gemeindepräsidenten, dem zuvor schon Führungsschwäche und jetzt Interessenkonflikte im Zusammenhang mit einer Erbschaft vorgeworfen wurden (Walter Grob war Präsident der von der Erblasserin begünstigten, gemeindeeigenen Stiftung, wurde als Privatperson ebenfalls bedacht mit einem «aussergewöhnlich hohen» Betrag und sass zugleich der Erbteilungskommission der Gemeinde vor.)
Teufen ist zur Zeit also ein explosives Pflaster. Heute, an diesem scheinbar friedlichen 4. Mai, dem Tag der Aktion #Saitenfährtein, am Tag, nachdem der Gemeinderat all seine Entschädigungen im Jahresbericht offengelegt hat, gut zwei Wochen nach dem Grob-Rücktritt und zehn Tage nach der Narregmänd – an diesem Tag knallt es schon wieder.
Diesmal zwar: nur Blechschaden.
Auf der Hauptstrasse vor dem traditionsreichen «Anker» sind ein Auto und die Bahn zusammengestossen. Eine Stunde lang ist die Bahnlinie blockiert und stauen sich die Autos. Die Polizei klärt den Unfallhergang – drei ältere Passantinnen, die den Unfall wortreich kommentieren, reden von einem Missverständnis zwischen Automobilistin und Lokführer.
Ein anderer sagt: Hier tätscht es immer mal wieder.
Noch ein anderer sagt: Das ist wieder Wasser auf die Mühlen der Tunnelbefürworter. Gerade erst 2015 ist ein neues, das xte Tunnelprojekt abgelehnt worden. Die zahlreichen Bahnübergänge im langgestreckten Dorf sind seit 50 Jahren ein Politikum.
Ein paar Stunden später an zufällig genau der gleichen Stelle vor dem «Anker» ein neuerlicher Zusammenstoss. Diesmal freundschaftlich: mit dem Künstler Hans Schweizer und dem Leiter des Zeughauses Teufen, Ueli Vogt.
Vogt zeigt in der aktuellen Ausstellung «Teufen Factory» u.a. Werke von Hans Schweizer. Das Zeughaus ist der momentan im Dorf wohl lebendigste Ort kultureller Zusammenstösse und spannender Konstellationen zwischen Baukultur, Design und Kunst.
A propos Baukultur:
Auch in dieser Hinsicht ist die Lage in Teufen explosiv. Am Schützenberg zum Beispiel wird zwar nicht mehr geschossen, aber aus dem Boden schiessen klotzige Maximalrenditenhäuser wie die Alpstein Residenz, Eigentumswohnungen ab 1,36 Millionen Franken. Das Dorf der Millionäre erhält Zuwachs, hoch am Hang, Säntisblick im Preis inbegriffen.
Das Klischee vom seelenlosen Dorf der Reichen und Steuerflüchtlinge relativiert später im Gespräch Erich Gmünder. Der langjährige Fernsehjournalist ist seit 2010 Chefredaktor der Tüüfner Poscht. Er hat den Skandalreigen der letzten Jahre dokumentiert, kommentiert, hat Hintergründe gesucht und auch mal Akteneinsicht durchgesetzt. Und er will trotz allen Schattenseiten das Dorf nicht schlecht reden. Ihm gefällt die Vielfalt der Haltungen und Lebensentwürfe, die grosse Zahl engagierter Leute quer durch alle Schichten beeindruckt ihn. Jüngstes Beispiel, in seiner Dorfzeitung auch rapportiert, war ein Hilfskonvoi für Flüchtlinge ins kurdische Dohuk, von der katholischen Kirchgemeinde angeregt und von über 80 Freiwilligen unterstützt.
In Teufen prallt allerhand zusammen. Wohlfeile Klischees prallen auf eine Realität, die entschieden mehr und vielfältigere Facetten hat, findet Gmünder, der seine Rolle als «Moderator und Dorfchronist» versteht.
Vielgestaltig sind auch die kulturellen Pfade, die durchs Dorf führen – ein Hörpfad und ein Kulturpfad, auf denen Vergangenheit und Gegenwart inspirierend und intelligent dokumentiert zusammenprallen.
Mehr dazu und zu weiteren Teufner Aussichten und Anstössen im Juniheft von Saiten.
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann
Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.