Am 6. April um 13:47 Uhr haben wir (nach einem launigen Blueschtfährtlein) den Saiten-Bus im Dorfzentrum von Amriswil abgestellt und sind ausgeschwärmt. Von unserer Suche nach neuen Inputs, Erkenntnissen und Bekanntschaften haben wir auch einige Bilder mitgebracht.
Beginnen wir mit einem hübschen:
(Bilder anklicken zum Vergrössern)
An apple a day und so weiter. Hungern muss hier jedenfalls niemand im Herbst. Die Bäume sollen angeblich jeweils fast einkrachen unter der mostindischen Last. Wie auch immer; so sieht der Feierabend in Ammerschwil aus. Wenn man sich denn rauswagt, am besten der Nase nach.
Das geht noch besser, wenn man zuvor von Freunden zum Bier auf der Gartenterrasse eingeladen wird.
Journalismus: ein Beruf mit Zukunft. Und Gelegenheit zum Trinken.
Zurück zum Spaziergang. Irgendwo zwischen Amriswil und einem öminösen Ort namens Hefenhofen befindet sich ein alter Baum, unter dem eine nicht minder alte Bank steht. Schön ist es dort. Wohl drum hat man auch vorgesorgt, denn es steht ein Kübel dort. Samt Abfallsack inside! Sowas bekommt man in der Stadt selten zu sehen.
Meine Damen und Herren: der All-in-One-Reggae-Kübel.
Etwas weiter vorne, des Kübels Compagnon – und natürlich das lädliche Idyll:
Vorne Reggae-Stein, hinten Alpstein. Schö, oder?
Der Name des Hundes ist bekannt. Einmal sei ihm hier eine entgegengekommen, sagt er, die schon von weitem gerufen habe: «Ich hasse Hunde!» Sein Frauchen habe darauf angemessen grantig reagiert und der Hundehasserin die Flöhe an den Hals gewünscht. Ansonsten sei es in Amriswil aber meistens ruhig – abgesehen von den Jugendlichen, die manchmal am Bahnhof rumhängen und den Dahergelaufenen mit düsteren Blicken imponieren wollen.
Zur allgemeinen Beruhigung, ein schöner Sonnenuntergang mit (gaaaanz kleinem) Heissluftballon:
Dorfweiher mit Spielplätzen laden von Natur aus zum Hängen ein – Leute aller Altersklassen. Richtig, da fallen halt manchmal Späne, das weiss man auch in Amriswil.
Übrigens: Plakate anbringen verboten. Ausser du bist Stadt.
Was für Leute gilt, gilt auch für Hunde. Ob Amriswil alle Tiere gleich behandelt, ist nicht bekannt. Der Hund, dessen Name bekannt ist, gibt zu Protokoll, dass er sich von diesem Schild nicht diskriminiert fühlt:
Die Wortwahl erscheint dennoch seltsam. Ob «Versäuberungsverbot» eine längst vergessene Form des Alt-Oberthurgauerischen ist?
Zum Glück gibts nicht nur Idyll und Gemahn im frühlingsverseuchten Amriswil. Unweit vom Weiher ist uns diese lebenserfahrene Kutsche verkommen:
Spannset ist King!
Auch die inneren Werte überzeugen. Nicht.
Tiere wissen; dass das kein ausrangierter Fressstand ist, sondern eine mobile «Versäuberungsstation».
Genug der Spässe, denn bald gilt es ernst: Diesen Sonntag sind die Thurgauer Kantonsratswahlen. Das ist überall zu spüren. Man kann Kürbisse wählen. Und diesen freisinnigen Mann mit dem irren Blick, der sich ins obige Titelbild eingeschlichen hat:
Also, liebe Thurgauerinnen und Thurgauer; geht verdammt nochmal wählen, wenn ihr es schon dürft! Und sorgt bitte dafür, dass der neue Grosse Rat nicht in toto dieselbe Haarfarbe trägt wie das Paar auf dem Bild.
Politik soll von jenen gemacht werden, die mit ihr Leben müssen.
Was man mit Politik bewirken kann (oder könnte, denkt man an die Reithallen-Abstimmung in der Stadt St.Gallen), zeigt das Pentorama in Ammerschwiil, das uns Andreas Müller, der städtische Kulturbeauftragte, freundlicherweise öffnet:
Fassungsvermögen: 2500 Personen, stehend – Sitzplätze: 1217
Der 10,5 Millionen-Franken-Kredit fürs Pentorama wurde 2005 vom Stimmvolk gutgeheissen. In der fünfeckigen Halle gastierten unter anderem schon Simon Enzler, Bligg, Kuno Lauener, die Chippendales und der Bo Katzmann Chor.
Gebaut wurde das Pentorama von den Müller Sigrist Architekten. Der Slogan: «Fünf Ecken für einen Runden Anlass.»
Es muss nicht Bo Katzmann sein, finden wir und geben uns mit ein paar Drinks zufrieden, (nachdem wir zuvor am Bahnhof einen Kebab verdrückt haben und vom Wirt die platteste Anmache des noch jungen Jahres 2016 mit auf den Weg bekommen haben).
Amri’s heisst der schmucke Spunten. Man kann dort rauchen und Champions League gucken. Fast wie zuhause.
Im Amri’s will man, dass sich die Gäste wohlfühlen. Es gibt zum Beispiel einen Schuss Bananensirup in den Caipirinha. Und mittwochs offenbar Fünfliberabend (was vermutlich verheerend gewesen wäre, hätten wir das schon vor dem Zahlen gewusst).
Auch im WC-Bereich solls heimelig sein.
Letztes Wochenende war DJ Cut Killer im Amri’s, lesen wir. Nicht schlecht. Und auch das Bänkli ist süss.
Gut, ein bisschen puffig schaut das Interieur schon aus.
Wäre man in einer Stadt (nicht St.Gallen), hätte die Tankstelle vielleicht noch offen, denken wir beim Heimgehen. Ruedi’s Shop hätte jedenfalls das Potenzial ein ähnlich gemütlicher Charmefleck zu sein wie unsere UG24 früher.
So. das wars. Angesichts der letzten, vereinsamten Trouvaille des Tages, entdeckt beim Heimweg Richtung St.Mangen, scheint uns das kleine Amriswil, zumindest für Kinder, ein lebenswerter Ort zu sein.
Mehr zu Amriswil im Maiheft.
Bilder: upz und co
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
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Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann
Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.