Kategorie
Autor:innen
Jahr

Postkarten aus 8580 Ammerschwiil

Im Rahmen unserer Reihe #Saitenfährtein haben wir uns diese Woche im putzigen Amriswil (ein 12'000-Seelen-Dorf im Thurgau) herumgetrieben. Mehr dazu im Maiheft, hier vorerst ein paar visuelle Mitbringsel.
Von  Corinne Riedener , 
Der Herr über dem Bus gehört nicht zu Saiten. Mehr dazu unten.

Am 6. April um 13:47 Uhr haben wir (nach einem launigen Blueschtfährtlein) den Saiten-Bus im Dorfzentrum von Amriswil abgestellt und sind ausgeschwärmt. Von unserer Suche nach neuen Inputs, Erkenntnissen und Bekanntschaften haben wir auch einige Bilder mitgebracht.

Beginnen wir mit einem hübschen:

IMG_6676

(Bilder anklicken zum Vergrössern)

An apple a day und so weiter. Hungern muss hier jedenfalls niemand im Herbst. Die Bäume sollen angeblich jeweils fast einkrachen unter der mostindischen Last. Wie auch immer; so sieht der Feierabend in Ammerschwil aus. Wenn man sich denn rauswagt, am besten der Nase nach.

Das geht noch besser, wenn man zuvor von Freunden zum Bier auf der Gartenterrasse eingeladen wird.

IMG_6670

Journalismus: ein Beruf mit Zukunft. Und Gelegenheit zum Trinken.

Zurück zum Spaziergang. Irgendwo zwischen Amriswil und einem öminösen Ort namens Hefenhofen befindet sich ein alter Baum, unter dem eine nicht minder alte Bank steht. Schön ist es dort. Wohl drum hat man auch vorgesorgt, denn es steht ein Kübel dort. Samt Abfallsack inside! Sowas bekommt man in der Stadt selten zu sehen.

IMG_6685

Meine Damen und Herren: der All-in-One-Reggae-Kübel.

Etwas weiter vorne, des Kübels Compagnon – und natürlich das lädliche Idyll:

IMG_6688

Vorne Reggae-Stein, hinten Alpstein. Schö, oder?

Der Name des Hundes ist bekannt. Einmal sei ihm hier eine entgegengekommen, sagt er, die schon von weitem gerufen habe: «Ich hasse Hunde!» Sein Frauchen habe darauf angemessen grantig reagiert und der Hundehasserin die Flöhe an den Hals gewünscht. Ansonsten sei es in Amriswil aber meistens ruhig – abgesehen von den Jugendlichen, die manchmal am Bahnhof rumhängen und den Dahergelaufenen mit düsteren Blicken imponieren wollen.

Zur allgemeinen Beruhigung, ein schöner Sonnenuntergang mit (gaaaanz kleinem) Heissluftballon:

IMG_6689

Dorfweiher mit Spielplätzen laden von Natur aus zum Hängen ein – Leute aller Altersklassen. Richtig, da fallen halt manchmal Späne, das weiss man auch in Amriswil.

IMG_6691

Übrigens: Plakate anbringen verboten. Ausser du bist Stadt.

IMG_6705

Was für Leute gilt, gilt auch für Hunde. Ob Amriswil alle Tiere gleich behandelt, ist nicht bekannt. Der Hund, dessen Name bekannt ist, gibt zu Protokoll, dass er sich von diesem Schild nicht diskriminiert fühlt:

IMG_6704

Die Wortwahl erscheint dennoch seltsam. Ob «Versäuberungsverbot» eine längst vergessene Form des Alt-Oberthurgauerischen ist?

Zum Glück gibts nicht nur Idyll und Gemahn im frühlingsverseuchten Amriswil. Unweit vom Weiher ist uns diese lebenserfahrene Kutsche verkommen:

IMG_6671

Spannset ist King!

Auch die inneren Werte überzeugen. Nicht.

IMG_6672

Tiere wissen; dass das kein ausrangierter Fressstand ist, sondern eine mobile «Versäuberungsstation».

Genug der Spässe, denn bald gilt es ernst: Diesen Sonntag sind die Thurgauer Kantonsratswahlen. Das ist überall zu spüren. Man kann Kürbisse wählen. Und diesen freisinnigen Mann mit dem irren Blick, der sich ins obige Titelbild eingeschlichen hat:

IMG_6706

Also, liebe Thurgauerinnen und Thurgauer; geht verdammt nochmal wählen, wenn ihr es schon dürft! Und sorgt bitte dafür, dass der neue Grosse Rat nicht in toto dieselbe Haarfarbe trägt wie das Paar auf dem Bild.

IMG_6707

Politik soll von jenen gemacht werden, die mit ihr Leben müssen.

Was man mit Politik bewirken kann (oder könnte, denkt man an die Reithallen-Abstimmung in der Stadt St.Gallen), zeigt das Pentorama in Ammerschwiil, das uns Andreas Müller, der städtische Kulturbeauftragte, freundlicherweise öffnet:

IMG_6664

Fassungsvermögen: 2500 Personen, stehend – Sitzplätze: 1217

Der 10,5 Millionen-Franken-Kredit fürs Pentorama wurde 2005 vom Stimmvolk gutgeheissen. In der fünfeckigen Halle gastierten unter anderem schon Simon Enzler, Bligg, Kuno Lauener, die Chippendales und der Bo Katzmann Chor.

IMG_6666

Gebaut wurde das Pentorama von den Müller Sigrist Architekten. Der Slogan: «Fünf Ecken für einen Runden Anlass.»

Es muss nicht Bo Katzmann sein, finden wir und geben uns mit ein paar Drinks zufrieden, (nachdem wir zuvor am Bahnhof einen Kebab verdrückt haben und vom Wirt die platteste Anmache des noch jungen Jahres 2016 mit auf den Weg bekommen haben).

IMG_6698

Amri’s heisst der schmucke Spunten. Man kann dort rauchen und Champions League gucken. Fast wie zuhause.

Im Amri’s will man, dass sich die Gäste wohlfühlen. Es gibt zum Beispiel einen Schuss Bananensirup in den Caipirinha. Und mittwochs offenbar Fünfliberabend (was vermutlich verheerend gewesen wäre, hätten wir das schon vor dem Zahlen gewusst).

IMG_6695

Auch im WC-Bereich solls heimelig sein.

Letztes Wochenende war DJ Cut Killer im Amri’s, lesen wir. Nicht schlecht. Und auch das Bänkli ist süss.

IMG_6696

Gut, ein bisschen puffig schaut das Interieur schon aus.

Wäre man in einer Stadt (nicht St.Gallen), hätte die Tankstelle vielleicht noch offen, denken wir beim Heimgehen. Ruedi’s Shop hätte jedenfalls das Potenzial ein ähnlich gemütlicher Charmefleck zu sein wie unsere UG24 früher.

IMG_6692

So. das wars. Angesichts der letzten, vereinsamten Trouvaille des Tages, entdeckt beim Heimweg Richtung St.Mangen, scheint uns das kleine Amriswil, zumindest für Kinder, ein lebenswerter Ort zu sein.

IMG_6702

Mehr zu Amriswil im Maiheft.

Bilder: upz und co

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
DSC02464

Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2

Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
IMG 1890 2

«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
Bildschirmfoto 2026 10 19 um 15 34 04

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck